Bugatti Type 64
| Bugatti | |||||
|---|---|---|---|---|---|
Bugatti Type 64 Coach Gangloff, Chassis Nr. 64101 (1939) | |||||
| Type 64 | |||||
| Präsentationsjahr | 1938 | ||||
| Fahrzeugmesse | |||||
| Klasse | Oberklasse | ||||
| Karosseriebauform | Coupé | ||||
| Motor | Ottomotoren: 3,3–4,7 Liter (180–400 PS) | ||||
| Länge | etwa 4100 mm | ||||
| Breite | etwa 1550 mm | ||||
| Radstand | 3300 mm | ||||
| Leergewicht | 1265–1300 kg | ||||
| Serienmodell | keines | ||||
| Kenngrößen | Daten |
|---|---|
| Bauzeit: | 1939 |
| Motor: | Reihenachtzylinder |
| Ventile: | 16 |
| Hubraum: | 4432 cm³ |
| Bohrung / Hub: | 84 / 100 mm |
| Gemischaufbereitung: | Stromberg-Vergaser, Kompressor |
| Leistung: | 170 PS |
Quelle:[3] Eine andere Quelle nennt 180 PS.[4]
Das im einzigen komplett fertig gestellten Chassis (#64101) verwendete Triebwerk ist lediglich eine leicht überarbeitete und vergrößerte Version des vom Type 57 bekannten Leichtmetall-Reihenmotors mit acht Zylindern und Doppelnockenwellen. Bereits dieser war eine Weiterentwicklung des OHC-Motors für den Type 49.[5]
Die Hubraumvergrößerung von 3257 auf 4432 cm³ ist auf eine größere Bohrung (84 statt 72 mm) zurückzuführen. Der Hub ist gegenüber dem Ausgangsmotor unverändert und beträgt 100 mm. Bugatti-typisch hat er keinen abnehmbaren Zylinderkopf („Monobloc“-Bauweise); eine zunehmend überholte und unpraktische Konstruktion, die zu sehr hohen Wartungskosten führte. Pro Zylinder sind je ein Ein- und Auslassventil vorgesehen. Der Motor hat wiederum zwei obenliegende Nockenwellen, die aber nicht mehr über Stirnräder, sondern mit Kegelzahnrädern am hinteren Ende des Blocks gesteuert werden.[6][7] Auch das bei Bugatti jahrelang verfolgte Dreiventil-Prinzip[8], wie es der Type 50 noch vorsah, kam bereits seit dem Type 49 nicht mehr zur Anwendung.[7] Die Brennräume sind hemisphärisch.
Für die Verzögerung dieses 180 km/h schnellen Viersitzers sorgen hydraulische Trommelbremsen von Lockheed.
Kraftübertragung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Type 64 erhielt das klassenübliche Viergang-Vorwählgetriebe, das wie bei den meisten französischen Oberklassefahrzeugen von Cotal geliefert wurde. Motor und Getriebe sind verblockt und der Antrieb auf die Hinterachse erfolgt über Kardanwelle und Differential auf die Hinterräder.
Fahrgestell
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wie beschrieben, besteht der Leiterrahmen des Fahrgestells aus Längsträgern, die aus je zwei gegeneinander gestellten und vernieteten U-Profilen geformt und somit hohl sind. Dies war für Bugatti eine neue Bauweise. Der Kastenrahmen war zudem bogenförmig nach außen ausgeführt, wodurch mehr Innenraum gewonnen wurde („Fischbauchrahmen“).
Tragendes Element des Wagens war ein mit einer Bodenplattform verschweißter Kastenrahmen. Die Vorderräder waren an Querlenkern und Viertelelliptikfedern aufgehängt, die Hinterräder an einer Pendelachse mit Zugstreben und Querblattfeder. Das Differenzial war mit dem Rahmen verschraubt. Alle vier Räder hatten hydraulische Stoßdämpfer und hydraulisch betätigte Trommelbremsen.
Es ist bekannt, dass Ettore und Jean Bugatti unterschiedliche Auffassungen zur Vorderachse hatten. Jean hätte schon beim Type 57 gerne eine moderne vordere Einzelradaufhängung verwendet, doch Ettore hatte bereits deren Erprobung untersagt. Er selber hatte in den 1920er Jahren eine robuste und leichte Starrachse konstruiert, die sehr gelobt worden war und viel zum Erfolg seiner Fahrzeuge beigetragen hatte. Zum Zeitpunkt der Konstruktion des Type 64 war sie aber veraltet. Trotzdem weist das Fahrzeug sowohl vorn wie hinten Starrachsen auf.
Ein Type 57 als Design-Versuchsträger
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Parallel zum Type 64 entwarf Jean Bugatti eine Karosserie für einen Type 57, die als Designstudie dienen kann. Sie wurde tatsächlich realisiert und ist in restauriertem Zustand erhalten geblieben, allerdings nicht auf dem ursprünglichen Fahrgestell. Einiges deutet darauf hin, dass dieses Design der werksinternen Nummer 1089 vom 25. März 1939 entspricht. Derzeit sitzt es auf Chassis Nr. 57625. Alte Fotos zeigen, dass das ursprüngliche Fahrgestell Teleskopstoßdämpfer und hydraulische Bremsen hatte, wie sie frühestens ab Ende 1938 verwendet wurden.[9]
Karosserien für den Type 64
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Außer dem nachstehend beschriebenen Coach auf dem Fahrgestell Nr. 64101 (Design Nr. 1091 vom 25. Mai 1938) wird ein Entwurf von Jean Bugatti für eine Berline (Design Nr. 1093 vom 14. Januar 1939) genannt.[9] Vor allem aber soll Jean Bugatti mit einem Flügeltüren-Coupé experimentiert haben,[10] wie ein Entwurf mit der Nummer 1089 vom 25. März 1938 nahelegt.
Das Leergewicht ist je nach Quelle mit 1265 kg[11] oder 1300 kg[3] angegeben.
Die einzelnen Fahrgestelle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Chassis 64101
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Karosserie entstand nach einem Entwurf von Jean Bugatti bei der Carrosserie Gangloff in Colmar.
Das Fahrzeug präsentiert sich heute in schwarz. Dies scheint nicht die originale Lackierung zu sein, zeitgenössische Aufnahmen zeigen den Type 64 in einer sehr hellen Farbe.
Das vollständig fahrtüchtige Auto wurde 1940 im Zuge der von der französischen Regierung angeordneten Evakuierung der Molsheimer Anlagen nach Bordeaux überführt. In der Folge wurde es nur noch gelegentlich verwendet, etwa um Gäste zu befördern oder als Ersatzwagen für die Geschäftsleitung. Wann genau der Type 64 stillgelegt wurde, ist nicht bekannt, es dürfte jedoch in den späten 1940er Jahren gewesen sein. Dies scheint auch kein bewusster Akt gewesen zu sein: Das immer noch fahrbereite Auto wurde ohne größere Vorbereitung und bei einem Tachometerstand von etwas über 20.000 km einfach abgestellt.
Das Fahrzeug kam wohl beim Kauf der Werkanlagen und des Inventars der Molsheimer Fabrik 1964 in den Besitz der Brüder Hans und Fritz Schlumpf. Nach der Insolvenz der Textilunternehmer und Autosammler wurde das Fahrzeug Bestandteil der Sammlung in der Cité de l’Automobile. Es stand viele Jahre lang wenig beachtet in der großen Ausstellungshalle. 2009 wurde der Type 64 so weit restauriert, dass er wieder fahrbar ist. Eine komplette Restaurierung ist nicht vorgesehen, um möglichst viel von der originalen Substanz zu erhalten.[11]
Eine Quelle gibt etwa 410 cm Fahrzeuglänge und etwa 155 cm Fahrzeugbreite an.[12]
Chassis 64102
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zusätzlich zum komplettierten Type 64 des Museums in Mulhouse wurden zwei weitere Fahrgestelle gebaut, die jedoch werksseitig nie einen Motor erhielten. Beide blieben bis 1960 im Besitz von Bugatti und wurden dann an den belgischen Bugatti-Händler Jean de Dobbeleer aus Brüssel verkauft. 64102 erhielt hier den Motor eines Type 57 und eine neue Karosserie, die von M. Jean Bats angefertigt wurde.[13]
Chassis 64103
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das dritte Fahrgestell wurde von de Dobbeleer weiterverkauft und ging danach durch verschiedene Hände. Ein originaler Type-64-Motor fand sich in einem Type 59. Erst später gelang der Erwerb des Motors, der Ende der 1960er Jahre einen korrekten Antriebsstrang erhielt.[13]
Fahrgestell 64103 wurde 2002 am Pebble Beach Concours d’Elegance als Rolling Chassis, also komplett mit Motor, Antrieb und Rädern, der Öffentlichkeit vorgestellt und gemäß einer Quelle[13] im folgenden Jahr von Peter Mullin erworben.[14]
Dieses Fahrzeug erhielt später eine extra angefertigte Karosserie.[15]
Chassis 64104
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dieses erhaltene Fahrgestell ohne Motor befindet sich ebenfalls im Besitz des Museums in Mülhausen.[13]
Chassis 64105
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dieser Rahmen gehört dem Bugatti-Spezialisten und Buchautor Robert Jarraud.[13]
Technische Daten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Daten | Chassis 64101 Motor T57 4,4L | Chassis 64102 Motor T57 3,3L | Chassis 64103 Motor 50 B 4,7L | Chassis 64104 ohne Motor | Chassis 64105 ohne Motor |
|---|---|---|---|---|---|
| Motor: | Achtzylinder-Reihenmotor (Viertakt) | ohne | ohne | ||
| Hubraum cm³: | 4432 | 3257 | 4741 | - | - |
| Bohrung × Hub mm: | 84 × 100 | 72 × 100 | 84 × 107 | - | - |
| Leistung | 170 PS[3] oder 180 PS[4] | ab 135 PS | 400 PS | - | - |
| bei 1/min: | 5000 | 5100 | - | - | |
| Benzinzufuhr: | elektrische (?) Benzinpumpe mechanische Benzinpumpe (?) | - | - | ||
| Gemischaufbereitung: | Vergaser | Vergaser | Kompressor Vergaser | - | - |
| Ventilsteuerung: | zwei obenliegende Nockenwellen | - | - | ||
| Kühlung: | Wasserkühlung | - | - | ||
| Antrieb: | Hinterradantrieb | ||||
| Getriebe: | Viergang-Schaltgetriebe Cotal-Vorwählgetriebe | - | - | ||
| Fahrgestell: | Stahlleiterrahmen aus je zwei gegeneinander gestellten und vernieteten U-Profilen. Längsträger nach außen gebogen („Fischbauchrahmen“). Bodenplattform als tragendes Element mit dem Rahmen verschweißt. Frontmotor | ||||
| Radaufhängung vorn: | Starrachse; Querlenker und Viertelelliptikfedern; hydraulische Stoßdämpfer | ||||
| Radaufhängung hinten: | Starrachse; Pendelachse mit Zugstreben und Querblattfeder. Differenzial mit dem Rahmen verschraubt; hydraulische Stoßdämpfer | ||||
| Bremsen: | hydraulisch betätigte Vierrad-Trommelbremsen | ||||
| Radstand m: | 3,30 | ||||
| Spurweite vorn/hinten m: | 1,35 | ||||
| Karosserie: | Coach Gangloff | Coupé Recreation (2012) Studenten des Art Center College of Design, Pasadena. | - | - | |
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Joachim Kurz: Bugatti. Der Mythos – Die Familie – Das Unternehmen. Econ-Verlag, Berlin, ISBN 3-430-15809-5.
- Wolfgang Schmarbeck, Gabriele Wolbold: Typenkompass. Bugatti. Personen- und Rennwagen seit 1909. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-613-03021-3.
- Hugh G. Conway: Bugatti: Le Pur-sang des Automobiles. G. T. Foulis & Co. Ltd., 1987, ISBN 0-85429-538-0 (englisch).
- Griffith Borgeson: Bugatti by Borgeson. Osprey Publishing, London 1981, ISBN 0-85045-414-X (englisch).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Nick D: Bugatti Type 64 Coupe Auf supercars.net vom 6. April 2016 (englisch)
- Bugatti news, 2012 Plus events Auf bugattipage.com (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Serge Bellu: Bugatti. Inszenierung einer Legende. Delius-Klasing-Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-7688-3356-1, S. 226.
- ↑ Hugh G. Conway: Bugatti: Le Pur-sang des Automobiles. G. T. Foulis & Co. Ltd., 1987, ISBN 0-85429-538-0, S. 285–286 (englisch).
- 1 2 3 Bugatti Typ 64 auf bugatti.com ( vom 22. Dezember 2014 im Internet Archive)
- 1 2 Axel von Saldern: Bugatti. Kunstwerke auf Rädern. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 1991, ISBN 3-89234-218-0, S. 122–123.
- ↑ Wolfgang Schmarbeck, Gabriele Wolbold: Typenkompass. Bugatti. Personen- und Rennwagen seit 1909. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-613-03021-3, S. 88.
- ↑ Daniel Vaughan: 1939 Bugatti Type 57 Auf conceptcarz.com vom November 2019, abgerufen am 2. Januar 2021 (englisch).
- 1 2 Wolfgang Schmarbeck, Gabriele Wolbold: Typenkompass. Bugatti. Personen- und Rennwagen seit 1909. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-613-03021-3, S. 92.
- ↑ Wolfgang Schmarbeck, Gabriele Wolbold: Typenkompass. Bugatti. Personen- und Rennwagen seit 1909. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-613-03021-3, S. 66–67.
- 1 2 Bugatti news, 2006 Plus events Auf bugattipage.com vom 23. November 2006, abgerufen am 2. Januar 2021 (englisch).
- ↑ Jacob Munkhammar: Bugatti Type 64 Auf bugattipage.com von 1998, abgerufen am 2. Januar 2021 (englisch).
- 1 2 Hans-Jörg Götzl: Bugatti Typ 64 im Fahrbericht. Jean Bugattis Vermächtnis Auf Motor Klassik vom 16. Februar 2014, abgerufen am 2. Januar 2021.
- ↑ Wolfgang Schmarbeck, Gabriele Wolbold: Typenkompass. Bugatti. Personen- und Rennwagen seit 1909. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-613-03021-3, S. 104.
- 1 2 3 4 5 Michael T. Lynch: Lynch: The Dénouement of the Third Bugatti Type 64 Auf velocetoday.com vom 8. August 2012 (englisch) ( vom 28. Juni 2018 im Internet Archive)
- ↑ Nick D: 2002 Pebble Beach Concours d’Elegance – 4 Auf supercars.net vom 11. Februar 2016, abgerufen am 2. Januar 2021 (englisch).
- ↑ the Mullin Museum's 1939 Bugatti Type 64 Coupe Auf justacarguy.blogspot vom 28. Oktober 2013, abgerufen am 2. Januar 2021 (englisch).
