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Artikel des Tages
Der Begriff deutscher Kaiser hat drei miteinander verbundene Bedeutungsdimensionen. Ideengeschichtlich verweist er erstens auf die im 19. Jahrhundert wirksam werdende Verbindung von Monarchievorstellungen und nationalen Einheitsideen. Verfassungsgeschichtlich bezeichnet er zweitens das im Staatsaufbau des Deutschen Kaiserreiches verankerte Amt des Kaisers als konstitutionelles Staatsoberhaupt. Ereignisgeschichtlich umfasst er drittens die konkrete historische Ausübung dieses Amtes von der Reichsgründung 1871 bis zum Ende der Monarchie in Deutschland 1918. Nachdem Kaiser Franz Ⅱ. 1806 auf den Druck Napoleons hin das Kaisertum des Heiligen Römischen Reiches für erloschen erklärt hatte, forderten national gesinnte Kreise im Adel und Bürgertum eine Restauration dieses Amtes. Befürworter dieser Idee sahen die Rückkehr von Franz Ⅱ. auf einen „deutschen Kaiserthron“ vor, obwohl das Heilige Römische Reich eine dynastisch, christlich und ständisch geprägte Herrschaftsordnung ohne nationale Staatsidee gewesen war und zudem Gebiete umfasste, die sprachlich und kulturell nicht einer deutschen Nation zugerechnet wurden. Andere, von der Romantik geprägte Vertreter der restaurativen Kaiseridee verbanden ihre Vorstellungen mit Volkssagen um den Stauferkaiser Friedrich I. In Literatur, Theater und bildender Kunst entstand dabei das Bild einer mythisch überhöhten Gestalt, die Deutschland vor einer (erneuten) französischen „Fremdherrschaft“ bewahren, die Einigung der Nation vollziehen und zu neuer Größe führen sollte. – Zum Artikel …
Was geschah am 25. Oktober?
- 1351 – In der Schlacht am Schoppendamm des Zweiten Rügischen Erbfolgekrieges fällt Johann V. von Gützkow.
- 1851 – Das norwegische Illustreret Nyhedsblad, das erste seiner Art in Skandinavien, erscheint erstmals.
- 1876 – In Stuttgart stirbt die Schriftstellerin, Reisende und Kulturforscherin Ida von Reinsberg-Düringsfeld, die europäische Volkslieder, Bräuche und Sprichwörter dokumentierte.
- 1926 – Günter Malkowski, 1952 als Aktivist einer West-Berliner antikommunistischen Organisation in Moskau hingerichtet, kommt zur Welt.
- 1951 – In Indien beginnt in ersten Wahlkreisen die erste landesweite Wahl zum gesamtindischen Parlament nach Inkrafttreten der Verfassung.
In den Nachrichten
- Der Schriftstellerin Christine Wunnicke ist der diesjährige Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen worden.
- In der Nacht zum Sonntag endete die Sommerzeit: Um 3:00 Uhr wurden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt.
- Meta ist wegen seiner Kooperation mit Cambridge Analytica und der folgenden Nutzermanipulation zugunsten von Donald Trump im Wahlkampf 2016 zu einer Rekordstrafe von 25 Milliarden US-Dollar verurteilt worden.
Kürzlich Verstorbene
- Derrick Harriott (87), jamaikanischer Sänger und Musikproduzent († 24. Oktober)
- Dónal Lunny (79), irischer Folkmusiker († 23. Oktober)
- Claude Cohen-Tannoudji (93), französischer Physiker († 22. Oktober)
- Ryū Murakami (74), japanischer Schriftsteller († 17. Oktober)
- Barbara Jay (94), britische Jazzsängerin († 15. Oktober)
Schon gewusst?
- Der mutmaßlich aus dem 15. Jahrhundert stammende Einhorn-Teppich gibt bis heute Rätsel auf.
- Zum Pilzartenschutz gehört die Wiederansiedlung vom Aussterben bedrohter Pilze.
- Eine größere tidegesteuerte Mondphasenuhr als der Stein der Selene an einem anderen Standort ist bereits in Planung.
- Anneliese Tuchel wurde auch die „Eiserne Lady des Buchhandels“ genannt.