Der Typ 30 war der erste Serienwagen mit acht Zylindern von Bugatti. Solche Reihen-Achtzylindermotoren waren aber technisch kein Neuland für Ettore Bugatti. Er hatte bereits vor dem Ersten Weltkrieg mit dem Type 14 mit zwei hintereinander gekoppelten „Brescia“-Vierzylindermotoren experimentiert, und auf dem Automobilsalon von Paris 1921 zeigte er das Fahrgestell des Dreiliterwagens Type 28, der nicht weiterverfolgt wurde. Der Type 29 von 1922 kann als Vorgänger des Type 30 angesehen werden.
Der Type 30 war der erste Serienwagen von Bugatti mit Vierradbremse.
Der Type 30 kam als sportlicher Tourenwagen auf den Markt. Bugatti entwickelte jedoch auch Rennwagen auf der Basis des Type 30, sodass es in diesen Jahren oft schwierig zu erkennen war, welche Modelle welchem Zweck dienen sollten. Der Type 30 wurde zwischen November 1922 und 1926 produziert.[3] Nachfolger wurde der Type 38 von 1926.
Das etwas verlängerte Fahrgestell und die Radaufhängung stammten vom Type 23. Eine Quelle nennt 240cm Radstand für Rennwagen und 285cm Radstand für Straßenfahrzeuge.[3] Eine zweite Quelle gibt zusätzlich 255cm an.[4] Eine dritte Quelle nennt nur 255 und 285cm.[1] Eine vierte Quelle gibt 252 und 285cm an.[2] Die Spurweite ist in mehreren Quellen übereinstimmend mit 115cm für Sportmodelle und 120cm für Tourenwagen angegeben.[1][2][4] Eine vierte Quelle nennt davon abweichend einheitlich 122cm.[3]
Eine Quelle gibt 340cm Fahrzeuglänge und etwa 140cm Fahrzeugbreite an.[2] Eine andere Quelle nennt als Länge 335cm für das Sportmodell und 365cm für die Tourenwagen.[1]
Mit dem Type 30 führte Bugatti Schrauben, Muttern und Bolzen nach eigenem Patent ein. Sie wurden künftig in allen neuen Modellen verwendet. Die Schrauben haben integrierte Unterlegscheiben und Gewinde mit unüblicher Steigung.[5]
Der Motor ist der erste der Marke mit der typischen kantigen Form. Er besteht aus zwei Motorblöcken, die auf einem gemeinsamen Kurbelwellengehäuse stehen und eine gemeinsame Kurbelwelle antreiben. Beim Type 30 drehte diese zunächst in drei Gleitlagern; bei späteren Ausführungen ersetzten Kugellager die äußeren Gleitlager.
Block und Zylinderkopf bilden ein gemeinsames Bauteil. Typisch für diese Motorenfamilie ist auch die Ventilanordnung mit drei horizontal angebrachten Ventilen pro Zylinder (zwei Einlassventile, ein etwas größeres Auslassventil). Sie sind über abschraubbare Öffnungen seitlich am Motorblock zugänglich. Ihr Antrieb erfolgt über eine obenliegendeNockenwelle und zweiteilige Kipphebel. Die Nockenwelle wird von einer vorn stehenden Königswelle angetrieben.
Eine Quelle bezeichnet die Rennwagen als Type 30 A.[4]
Vier Fahrgestelle wurden in großer Eile für den Großen Preis von Frankreich in Straßburg fertiggestellt, der im Juli 1922 stattfand. Die Fahrgestellnummern waren 4001 bis 4004, und die Wagen können als eine Art Vorserie angesehen werden. Die reguläre Produktion des Type 30 lief erst im November an. Andere Quellen bezeichnen diese Fahrzeuge als Type 29/30.
Griffith Borgeson: Bugatti by Borgeson. Osprey Publishing, London 1981, ISBN 0-85045-414-X (englisch).
Hugh G. Conway: Bugatti: Le Pur-sang des Automobiles. G. T. Foulis & Co Ltd., 1987, ISBN 978-08542-9538-8 (englisch).
Joachim Kurz: Bugatti. Der Mythos – Die Familie – Das Unternehmen. Econ-Verlag, Berlin, ISBN 3-43015809-5.
Wolfgang Schmarbeck, Gabriele Wolbold: Typenkompass. Bugatti. Personen- und Rennwagen seit 1909. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-613-03021-3.
123456Ingo Seiff: Bugatti. Eleganz auf Rädern. Bleicher-Verlag, Gerlingen 1993, ISBN 3-88350-190-5, S. 150.
12345678Wolfgang Schmarbeck, Gabriele Wolbold: Typenkompass. Bugatti. Personen- und Rennwagen seit 1909. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-613-03021-3, S. 35.
123456789Serge Bellu: Bugatti. Inszenierung einer Legende. Delius-Klasing-Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-7688-3356-1, S. 74–75.
↑Hugh G. Conway: Grand Prix Bugatti. Robert Bentley, Cambridge 1968, ISBN 0837600189, S. 164 (englisch).
↑Hugh G. Conway: Bugatti: Le Pur-sang des Automobiles. G. T. Foulis & Co Ltd., 1987, ISBN 978-08542-9538-8, S. 370 (englisch).
↑Wolfgang Schmarbeck, Gabriele Wolbold: Typenkompass. Bugatti. Personen- und Rennwagen seit 1909. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-613-03021-3, S. 34.