August Horch, der ab 1896 bei Benz & Cie. Erfahrungen im Automobilbau gesammelt hatte, gründete 1899 sein eigenes Unternehmen, Horch. Im Juni 1909 verließ er es im Streit. Im Folgemonat gründete er ein neues Unternehmen, die August Horch Automobilwerke GmbH. Die Eintragung ins Handelsregister erfolgte am 16. Juli 1909. Der Sitz war in Zwickau. Ziel war die Herstellung von Motoren und Motorwagen und der dazugehörenden Artikel sowie Kauf und Verkauf von Patenten und Lizenzen. Damit trat er in direkte Konkurrenz zu Horch.[1.1] Zunächst sorgten Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten für Einnahmen. Außerdem begann die Entwicklung des ersten Automodells.[1.2]
Das Unternehmen Horch war im Besitz der Markenrechte an Horch, klagte gegen die nahezu identische Firmierung und bekam Recht. August Horch musste einen anderen Firmennamen wählen. Dazu fand eine Sitzung in der Wohnung seines Freundes Franz Fikentscher statt. Dessen Sohn Heinrich, der anwesend war, wird nachgesagt, dass er Audi vorschlug. Das ist der Imperativ des lateinischenVerbsaudire, das auf Deutsch hören oder horchen bedeutet. Der Vorschlag wurde begeistert angenommen. Die neue Firmierung Audi Automobil-Werke mbh wurde am 25. April 1910 ins Handelsregister eingetragen. August Horch wurde Geschäftsführer.[1.1] Am 28. April 1910 wurde der Schutzeintrag der Marken Audi und Audite im Warenzeichenregister beantragt und am 10. August 1910 gewährt.[1.3]
Im Mai 1910 war der erste Personenkraftwagen fertig. Er erhielt den Markennamen Audi. Alle frühen Anzeigen beinhalteten den Hinweis auf August Horch als Direktor oder Leiter, um von seinem guten Ruf zu profitieren. Bis 1914 war er auch maßgeblich an der Entwicklung der Fahrzeuge beteiligt.[1.2] Weitere Modelle folgten. Hermann Lange und Erich Horn waren ab dem zweiten Modell an der Entwicklung beteiligt. 1912 kamen Lieferwagen auf Pkw-Basis sowie Lastkraftwagen auf veränderten Fahrgestellen dazu.[1.4] 1913 waren 252 Mitarbeiter beschäftigt.[1.5] Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wurden Fahrzeuge an das Deutsche Kaiserreich geliefert.[1.6] Bis Ende 1914 entstanden insgesamt 756 Fahrzeuge.[1.2]
Am 21. Dezember 1914 wurde die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft beschlossen, die am 1. Januar 1915 vollzogen wurde. Die neue Firmierung war Audiwerke AG.[1.6] August Horch war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr für die Fahrzeugentwicklung zuständig, sondern für Absatz und Vertrieb.[1.2] Außerdem gehörten Hermann Lange mit dem Aufgabenbereich Technik und Werner Wilm für die allgemeine Verwaltung der Direktion an. Im Aufsichtsrat waren die Brüder Leonhardt und Fikentscher. Während des Kriegs machte das Unternehmen hohe Gewinne.[1.6]
Auf einer Aufsichtsratssitzung am 3. April 1919 wurde beschlossen, zukünftig in Anzeigen auf die Hinweise auf August Horch als Direktor oder Leiter zu verzichten.[1.2] Am 4. März 1920 schied August Horch aus dem Vorstand aus und wurde durch Ernst Baus ersetzt, der von der Robert Bosch GmbH kam. Horch wurde am 21. Juni 1920 in den Aufsichtsrat gewählt und zog wenig später nach Berlin.[1.6] 1920 waren 538 Mitarbeiter beschäftigt. 1923 war der Höchststand von 873 erreicht.[1.7]
In den 1920er Jahren wurden mehr als 200 Nutzfahrzeugfahrgestelle an Johannes Walter Darr in Dänemark geliefert, der sie als Omnibusse karossierte und einsetzte.[1.8]
Emailleschild mit der stilisierten Eins
Ab 1923 zierte eine stilisierte Eins auf einer Halbkugel den Kühler, entworfen von Arno Drescher und Hermann Gilbert. Das Symbol befand sich auch auf anderen Dingen wie Emailleschildern.[1.3]
In den 1920er Jahren lief die Produktion der Vorkriegsmodelle langsam aus. Zwei neue Modelle wurden entwickelt, was viel Geld kostete. Nach Überstehen der Deutschen Inflation 1914 bis 1923 wurde der Konkurrenzkampf stärker, was dazu führte, dass die Verkaufspreise reduziert werden mussten. Im Oktober 1925 beantragte das Unternehmen wegen Liquiditätsproblemen Geschäftsaufsicht. Das Ergebnis war, dass alle Gläubiger ihre Forderungen bis 500 Reichsmark vollständig erhielten, die darüber liegenden Werte aber nur zu 40%. Im Februar 1926 wurde die Geschäftsaufsicht aufgehoben.[1.5]
Im Juni 1926 wurde Heinrich Schuh Chefkonstrukteur als Nachfolger von Ernst Baus, der das Unternehmen verließ.[1.5]
Die Papierfabrik Leonhardt & Söhne in Crossen bei Zwickau war im Besitz der meisten Aktien des Unternehmens. Der Wert der Aktien fiel. Die Betreiber der Papierfabrik erkannten die Zeichen der Zeit, dass sie die Audiwerke nicht mehr halten konnten. Am 10. November 1927 wurde das bisherige Geschäftskapital der AG im Verhältnis 6:1 abgewertet, sodass aus 3.000.000RM 500.000RM wurden. Außerdem wurden neue Aktien im Wert von 600.000RM herausgegeben. Im Aufsichtsrat waren Carl Leonhardt als Vorsitzender, Dr. Heinrich (als damaliger Zwickauer Bürgermeister angegeben), Franz Fikentscher, der Bankdirektor Dr. Zimmermann von der Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt und August Horch. Frank Fikentscher war alleiniger Vorstand. Erich von Gilsa unterstützte ihn als Verkaufsdirektor.[1.5]
Anfang 1928 gaben die Audiwerke einen Verlust von 189.000RM bekannt. Am 20./21. August 1928 übernahm Jørgen Skafte Rasmussen, Inhaber der Zschopauer Motorenwerke und der Marke DKW, Aktien im Nennwert von 1.090.000RM. Fikentscher schied als Vorstand aus, Heinrich Schuh und Erich von Gilsa übernahmen den Posten. Rasmussen war im Besitz der Produktionsrechte und -maschinen für Motoren der amerikanischen Rickenbacker Motor Company, die billiger herzustellen waren als die Eigenentwicklungen. In der Folge erschienen neue Modelle mit diesen Motoren, die sich allerdings nicht bewährten.[1.5]
Im Herbst 1929 erhöhte Rasmussen das Kapital auf 2.600.000RM. Dennoch gab es im September 1930 erneut Liquiditätsprobleme. Am 15. Oktober 1930 schied Erich von Gilsa aus, Heinrich Schuh war nun alleiniger Vorstand. Rasmussen ließ den TypP entwickeln, der zwar den Markennamen Audi trug, aber nicht bei den Audiwerken montiert wurde.[1.5]
1930 entwickelte Heinrich Schuh einen Kleinwagen mit Frontantrieb, der 1931 als DKW F1 auf den Markt kam. Er wurde, ebenso wie die folgenden DKW Frontwagen, im Audi-Werk montiert, dadurch erhöhte sich die Anzahl hergestellter Fahrzeuge erheblich.[1.5]
Der Konzern Auto Union AG wurde am 29. Juni 1932 gegründet, allerdings auf den 1. Oktober 1931 zurückdatiert. Dies war ein Zusammenschluss der Audiwerke AG, der Zschopauer Motorenwerke (DKW), Horch und der Automobilsparte der Wanderer-Werke.[1.5] Am selben Tag, also am 29. Juni 1932, wurde die Audiwerke AG aufgelöst.[1.9]
Den Typ A gab es von 1910 bis 1912. Er wurde anfangs auch 10/22PS genannt, was für 10Steuer-PS und 22PS Motorleistung stand. Sein Vierzylindermotor hatte 2614cm³ Hubraum und leistete je nach Ausführung 22, 25, 26 oder 28PS. Der Radstand betrug 3065mm. Hiervon entstanden 137 Fahrzeuge.
Der TypB, auch 10/28PS genannt, kann als direkter Nachfolger angesehen werden. Er stand von 1912 bis 1917 im Angebot. Er hatte einen Motor gleicher Größe, der 28PS leistete. Drei verschiedene Radstände von 2900, 3050 und 3200mm standen zur Wahl. 350 Fahrzeuge wurden gefertigt.
Der TypC mit dem Zusatz 14/35PS hatte den gleichen Radstand wie der TypB, war aber stärker motorisiert. Der Motor leistete 35PS aus 3563cm³ Hubraum. Zwischen 1911 und 1925 entstanden 1116 Fahrzeuge.
Den TypD 18/45PS gab es von 1911 bis 1920. Sein Motor hatte 4712cm³ Hubraum und 45PS Leistung. Der Radstand betrug je nach Wahl 3020, 3170 oder 3320mm. Die Nachfrage blieb mit 53 hergestellten Fahrzeugen gering.
Der TypE 22/55PS hatte einen noch größeren Motor mit 5702cm³ Hubraum und 55PS Leistung. Bei ihm hatte der Kunde die Wahl zwischen 3170, 3320 und 3465mm Radstand. 1911 entstand ein einzelner Prototyp, und von 1913 bis 1924 weitere 300 Serienfahrzeuge.
Der TypG war mit 8/22PS angegeben. Er war das bis dahin kleinste und schwächste Modell von Audi. Sein Motor leistete zunächst 22PS, ab 1922 28PS, aus 2085cm³ Hubraum. Der Radstand betrug je nach Ausführung 2745 oder 2995mm. Während der langen Bauzeit von 1914 bis 1926 wurden 1122 Fahrzeuge hergestellt.
Der TypK 14/50PS erschien 1921 als erstes neues Modell nach dem Krieg. Der Hubraum von 3563cm³ entsprach dem TypC, allerdings war die Leistung auf 50PS gesteigert worden. Außerdem war der Radstand mit 3430mm länger. Bis 1926 entstanden 192 Fahrzeuge.
Der TypM 18/70PS war das erste Modell mit einem Sechszylindermotor. Er hatte 4657cm³ Hubraum und leistete zunächst 70PS, in der 1928er Ausführung 80PS. Der Radstand von anfangs 3750mm wurde 1928 auf 3850mm verlängert. 1923 wurden zwei Prototypen angefertigt. Die Serienfertigung lief von 1924 bis 1928 und umfasste 228 Fahrzeuge.
Der TypR mit dem Zusatz 19/100PS Imperator hatte einen Achtzylinder-Reihenmotor. Er leistete 100PS aus 4906cm³ Hubraum. Der Radstand betrug 3620mm. Zwischen 1927 und 1929 entstanden 145 Wagen dieses Typs.
Der TypSS 20/100PS Zwickau hatte einen Achtzylindermotor amerikanischer Herkunft. Ursprünglich eine Entwicklung der Rickenbacker Motor Company, hatte Rasmussen die Produktionsrechte und -anlagen nach deren Geschäftsaufgabe erworben und nach Deutschland überführt. Der Motor war billiger herzustellen als die Eigenentwicklung im TypR. Er hatte 5166cm³ Hubraum und 100PS Leistung. Der Radstand maß 3500mm. Zwischen 1929 und 1932 entstanden 457 Fahrzeuge.
Der TypS 17/80PS hatte ebenfalls einen Rickenbacker-Achtzylindermotor. Er hatte 4402cm³ Hubraum und 80PS Leistung. Der Radstand passte mit jenem des TypSS überein. Die Produktion beschränkte sich auf zwei Fahrzeuge, 1930.
Der TypT trug den Zusatz 15/75PS Dresden. Sein Rickenbacker-Motor hatte sechs Zylinder, die gleichen Zylindermaße wie der TypSS, 3874cm³ Hubraum und 75PS Leistung. Der Radstand betrug 3100mm. Die Produktion lief von 1930 bis 1932 und umfasste 76 Wagen.[1.10]
Der TypBt der Bauzeit 1913–1914 wurde auch Bt1000,25/28PS genannt. Es war ein Lieferwagen auf Basis des TypB mit dem gleichen Motor. Der Radstand maß 3170mm. Die Nutzlast betrug 1000kg. Der Produktionsumfang blieb mit acht Fahrzeugen gering.
Der TypFb mit der gleichen Basis wurde auch als Fb150025/28PS bezeichnet. Der Lkw hatte ein verstärktes Fahrgestell mit einem auf 3320mm verlängertem Radstand und Doppelbereifung an der angetriebenen Hinterachse. Bei diesem Typ durften 1500kg zugeladen werden. Zwischen 1913 und 1914 entstanden sechs Fahrzeuge.
Der TypCt 14/35PS basierte auf dem TypC. Der Radstand des Lieferwagens betrug 3050mm. Während der langen Bauzeit von 1912 bis 1928 wurden 326 Fahrzeuge gefertigt.
Der TypFc 150035/36PS war die entsprechende Lkw-Ausführung mit dem gleichen Motor. Das Fahrgestell war verstärkt und der Radstand auf 3320mm verlängert worden. Auch hier befanden sich Zwillingsreifen an der Hinterachse. Die Nutzlast betrug 1500kg. Von 1913 bis 1916 entstanden 221 Fahrzeuge.
Der TypHc 14/35PS hatte den gleichen Motor. Der Radstand ist nicht überliefert. Aufgrund der erhöhten Nutzlast von 2000kg ist von der Beibehaltung der hinteren Zwillingsreifen auszugehen. Zwischen 1916 und 1928 wurden 332 Lkw gefertigt.
TypEt und TypHe, beide mit dem Zusatz 22/55PS, basierten auf dem TypE. Der erstgenannte wird als Polizeiwagen bezeichnet, von dem 54 Stück zwischen 1924 und 1929 entstanden. Der TypHe brachte es zwischen 1928 und 1929 auf 29 Exemplare.[1.10]
Die Audiwerke stellten von 1931 bis zur Auflösung für die Zschopauer Motorenwerke die DKW Frontwagen her.[1.5] Dazu gehörten der DKW F1 und die frühen DKW F2.
Im Juni 1910 gewann ein Audi TypA eine Zuverlässigkeitsfahrt in Schweden. 1911, 1912, 1913 und 1914 gab es Erfolge bei der Österreichischen Alpenfahrt.[1.4]
Die folgende Tabelle listet die Anzahl der hergestellten Audi-Kraftfahrzeuge (Personenkraftwagen und Nutzfahrzeuge) bei den Audiwerken pro Jahr auf.[1.10]
Jahr
Produktionszahlen
Anmerkung
1910
32
1911
112
1912
178
1913
216
1914
218
1915
281
1916
258
1917
380
1918
455
1919
255
1920
269
1921
386
1922
322
1923
268
1924
309
1925
278
1926
116
1927
92
1928
109
1929
310
1930
229
1931
74
Die 327 Fahrzeuge vom TypP sind nicht enthalten, weil die im Werk der Zschopauer Motorenwerke gefertigt wurden. Die etwa 3500 Fahrzeuge vom DKW F1 sind wegen des abweichenden Markennamens nicht enthalten.
1932
10
Die DKW-Fahrzeuge sind wegen des abweichenden Markennamens nicht enthalten.
Peter Kirchberg, Ralf Hornung: Audi-Automobile 1909–1940. Das Unternehmen · Die Marke · Die Autos. Delius-Klasing-Verlag, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-7688-2577-1.
Peter Kirchberg, Ralf Hornung: Audi-Automobile 1909–1940. Das Unternehmen · Die Marke · Die Autos. Delius-Klasing-Verlag, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-7688-2577-1.