Monpazier
| Monpazier | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Nouvelle-Aquitaine | |
| Département (Nr.) | Dordogne (24) | |
| Arrondissement | Bergerac | |
| Kanton | Lalinde | |
| Gemeindeverband | Bastides Dordogne-Périgord | |
| Koordinaten | 44° 41′ N, 0° 54′ O | |
| Höhe | 144–222 m | |
| Fläche | 0,53 km² | |
| Einwohner | 441 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 832 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 24540 | |
| INSEE-Code | 24280 | |
| Website | monpazier.fr | |
Blick auf Monpazier | ||
Monpazier (Aussprache [mɔ̃paˈzje], okzitanisch Mont Pasièr) ist eine französische Gemeinde mit 441 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Bergerac und zum Gemeindeverband Communauté de communes des Bastides Dordogne-Périgord. Die Einwohner werden Monpaziérois und Monpaziéroises genannt.
Von der Vereinigung Les plus beaux villages de France wurde Monpazier zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs erklärt.[1]
Die Gemeinde erhielt 2025 die Auszeichnung „Drei Blumen“, die vom Conseil national des villes et villages fleuris (CNVVF) im Rahmen des jährlichen Wettbewerbs der blumengeschmückten Städte und Ortschaften verliehen wird.[2]
Geografie
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Monpazier liegt etwa 58 Kilometer südsüdöstlich von Périgueux, etwa 35 Kilometer südwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 37 Kilometer ostsüdöstlich von Bergerac am südöstlichen Rand des Départements in der Landschaft des Bergeracois, Teil des touristisch benannten Périgord pourpre. Das Gemeindegebiet befindet sich im Einzugsgebiet der Garonne und wird entwässert von Dropt, der es im Süden begrenzt, und von zwei kleineren Fließgewässern.
Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Monpazier liegt auf der vierten Stufe von Nordosten, einem Plateau aus Kieselsandsteinablagerungen und lakustrischen Kalksteinen aus dem Tertiär.[3] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär und aus Sedimentgesteinen, teils aus dem Känozoikum, andere aus dem Mesozoikum.
Das relativ kleine Gebiet von Monpazier erstreckt sich über eine baumlose Hügellandschaft, die durch das Tal des Dropt begrenzt wird und deren Erhebungen nach Norden hin zunehmen und Höhen von über 200 m erreichen. Der topografisch höchste Punkt liegt mit 222 m im äußersten Norden in der Nähe zu den Grenzen zu den Nachbargemeinden Marsalès und Capdrot. Der tiefste Punkt befindet sich mit 144 m im äußersten Südwesten beim Austritt des Dropt aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum von Monpazier mit dem zentralen Platz befindet sich auf etwa 198 m Höhe.
Rund 57 % der Fläche der Gemeinde sind bebaute Zonen, rund 43 % werden landwirtschaftlich, hauptsächlich als Grünland, genutzt (Stand: 2018).[4]
Umgeben wird Monpazier von den drei Nachbargemeinden:
| Marsalès | ||
| Capdrot | ||
| Gaugeac |
Klima
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die klimatischen Bedingungen in Monpazier werden als warm und gemäßigt eingestuft. In Monpazier kommt es das ganze Jahr über zu erheblichen Niederschlägen. Selbst im trockensten Monat Juli fallen noch große Niederschlagsmengen. Nach der Köppen-Geiger-Klassifikation werden die vorherrschenden Wetterbedingungen in diesem Gebiet als Cfb (Gemäßigtes Ozeanklima) eingeordnet. Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Monpazier beträgt 13,1 °C, die niedrigste Durchschnittstemperatur im Januar mit 5,3 °C, die höchste im Juli mit 21,4 °C. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt gemäß den meteorologischen Aufzeichnungen etwa 867 mm.[5]
Natürliche und technologische Risiken
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Naturrisiken manifestieren sich in Monpazier als
- Überschwemmungen und den mit ihnen assoziierten Schlammströmen und Hangrutschungen, besonders entlang des Dropt
- Dürren
- Waldbrände
- Bodensetzungen
- Bodenbewegungen
Aufgrund der Schäden, die durch Überschwemmungen und Schlammlawinen in den Jahren 1982, 1990, 1999 und 2003 verursacht wurden, wurde für die Gemeinde der Naturkatastrophenzustand ausgerufen. Im Dossier des Départements über Hauptrisiken sind vorbeugende Maßnahmen zur Reduktion von Hochwasserschäden festgelegt. Dazu gehören u. a. die Ausweisung von Zonen, die nicht oder nur nach Genehmigung bebaut werden dürfen, die Instandhaltung des Wasserlaufs, um Hindernisse zu begrenzen, und die Schaffung von Regenrückhaltebecken.
Obwohl das Gemeindegebiet kaum mit Wald bedeckt ist, besteht im größten Teil des Gemeindegebiets zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser und Zufahrten und eine zeitliche und/oder räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk. Der vom Département erstellte Plan zur Verhütung von Waldbränden (PPRIF) definiert nicht bebaubare und vorbehaltspflichtige Bauzonen, um die Exposition von Gütern zu verringern.[6]
Wie die Risikokarte zeigt, ist über die Hälfte des Gemeindegebiets von einer mittleren, im Norden von einer starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Dürreperiode im Jahr 2011 ist als Naturkatastrophe der Gemeinde klassifiziert worden. Die Erdbebengefahr wird als niedrig eingestuft. Das Gemeindegebiet ist nur einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 von 3 zugeordnet.
Bodenbewegungen umfassen eine Reihe von Verschiebungen des Bodens oder Untergrunds, manche abrupter als andere. Die dabei auftretenden Volumina können von wenigen Kubikmetern bis zu mehreren Millionen Kubikmetern reichen. Diese Verschiebungen können langsam (einige Millimeter pro Jahr) bis sehr schnell (einige hundert Meter pro Tag) erfolgen. Im Allgemeinen verlaufen Bodenbewegungen mit einem signifikanten Volumen relativ langsam. Eine solche Bodenbewegung im Jahr 1999 ist als Naturkatastrophe der Gemeinde klassifiziert worden. In Monpazier besteht die Gefahr von Bodenbewegungen als Senkungen und Einstürzen anthropogenen Ursprungs, natürlich entstandene unterirdische Hohlräume, deren Decken einsturzgefährdet sind.
Ein technologisches Risiko bilden verschmutzte oder potenziell verschmutzte Standorte, die weniger als 250 Meter vom Zentrum entfernt sind. Es handelt sich im Falle von Monpazier um ein früheres Lager für brennbare Flüssigkeiten und zur Verteilung von Benzin, das von einzelnen Wohnhäusern umgeben ist. Nach einem Vorfall vom 22. November 2005 beschloss der Betreiber, den Betrieb endgültig einzustellen.[7]
Etymologie und Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Name des Dorfes, der im 19. Jahrhundert noch als Montpazier geschrieben wurde, erschien erstmals am Ende des 13. Jahrhunderts in einer latinisierten Form in Castrum (deutsch befestigter Ort) Montis Pazerii. Er setzt sich aus mont, hervorgegangen aus dem lateinischen mons, montis, und aus pazier zusammen. Letzteres bezeichnete einen Beamten für die Aufrechterhaltung der Ordnung, vielleicht einen Personennamen aus dem Mittelalter. Pazier leitet sich von patz ab, das aus dem lateinischen pax (deutsch Frieden) stammt.[8]
Die Gemeinde Monpazier liegt in einer weitläufigen ländlichen Gegend zwischen den Tälern der Dordogne und des Lot, einer Region, deren frühe Besiedlungsgeschichte bislang nur unzureichend erforscht ist. Gelegentliche Funde im Umland belegen eine menschliche Präsenz in diesem Gebiet seit prähistorischer Zeit, während Überreste aus benachbarten Gemeinden Aufschluss über die Landnutzung und die Siedlungsstrukturen der Antike geben. Im Frühmittelalter befand sich dieser Abschnitt des Dropt-Tals an der Peripherie jener Pfarrnetzwerke, die von den Bischöfen von Périgueux und Agen im Zuge ihrer frühen Christianisierungsbemühungen errichtet worden waren.
Obwohl im Hochmittelalter mächtige lokale Kräfte, allen voran das Adelsgeschlecht von Biron, an Bedeutung gewannen, behielt das Tal seinen Charakter als „Schnittstellenregion“ an der Grenze bedeutender Herrschaftsgebiete bei. Infolgedessen beäugten sich die Könige von Frankreich und England von ihren jeweiligen Territorien aus misstrauisch und strebten danach, ihre direkte Kontrolle über die Region auszuweiten, insbesondere durch die Gründung von Bastiden (Planstädten) wie Monpazier.
Die Bastide Monpazier entstand, ebenso wie andere Orte in der Umgebung, sowohl aus dieser Rivalität heraus als auch aus dem Bestreben, Wirtschaftskraft und Vitalität einer Region zu stärken, der es an struktureller Organisation mangelte und deren Bevölkerung weit verstreut lebte. Die neue Stadt wurde 1284 auf Initiative von Eduard I., König von England und Herzog von Aquitanien, sowie Pierre de Gontaud, dem Seigneur von Biron, auf dessen Grundbesitz gegründet, konkret auf dem Gut La Boursie, das seinerzeit zur Pfarrei Notre-Dame de Capdrot gehörte. Bertrand de Panissals wurde beauftragt, die Stadtentwicklung festzulegen: Straßenverlauf, Grundstücksgröße und -lage usw. Die neue Stadt wurde rasch von einem Verteidigungssystem – Mauern, Tortürmen und einem Graben – umgeben. Die Rechte und Einkünfte aus dieser neuen Bastide wurden systematisch zwischen den Gründern aufgeteilt, die das Potenzial für wirtschaftliches Wachstum gezielt nutzen wollten. Bereits 1289 erhielt Monpazier dank Landschenkungen von Aymeric de Biron ein festgelegtes Verwaltungsgebiet, den sogenannten détroit, das die Pfarreien Capdrot, Marsalès, Lavalade, Gaugeac und Saint-Cassien umfasste. Die Bastide wurde von einem Bayle (Vogt) namens Bertrand de Panissals verwaltet, jenem „Initiator“, der ursprünglich vom Seneschall des Königs und Herzogs, Jean I. de Grailly, zur Zeit der Stadtgründung ausgewählt worden war, während die Einwohner durch ein Gremium von Konsuln vertreten wurden, deren Namen überliefert sind: Pierre de la Faye, Etienne de Mansac, Gilbert de Sarlat, Guillaume du Puy und Arnaud del Camps. Obwohl die den Einwohnern gewährte Freiheitsurkunde, eine Art frühes Regelwerk für Straf-, Rechts-, Verwaltungs- und Steuerangelegenheiten des Gemeindelebens, nicht erhalten geblieben ist, wurde ihre Geltung im Spätmittelalter mehrfach von den Königen Ludwig XI. (1462) und Karl VIII. (1484) bestätigt. Die Bastide hatte einen schwierigen Start. Eduard I. stellte dies bei einem Besuch am 6. November 1286 mit Missfallen fest. Bevor er drei Jahre später nach England zurückkehrte, versuchte er, die Besiedlung zu beschleunigen, indem er Geldstrafen für jene Einwohner androhte, die trotz entsprechender Zusage ihren Einzug in die Bastide hinauszögerten. Die eingenommenen Gelder waren für den Bau der Stadtmauern und der Kirche bestimmt, wenngleich es keine Belege dafür gibt, dass die Strafen tatsächlich eingetrieben wurden. Zudem war das Verhältnis zwischen den Gründern spannungsgeladen. Zwischen 1293 und 1305 musste Pierre de Gontaud die Vertreter des Königs und Herzogs wiederholt dazu auffordern, den Paréage-Vertrag (über die gemeinsame Herrschaft) strikt durchzusetzen, eine Forderung, der Eduard I. schließlich nachkam. Trotz dieser schwierigen Anfänge entwickelte sich Monpazier bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts zu einer blühenden Stadt. Im Jahr 1365 zählte die Bastide sogar zu den sechs größten Siedlungen im Périgord, mit einer verzeichneten Einwohnerzahl von 315 Haushalten.
Trotz dieses offensichtlichen Wohlstands blieb die Stadt von den Unruhen, die die Provinz im 14. und 15. Jahrhundert erschütterten, nicht verschont. Der Krieg von Saint-Sardos (oder Gascognekrieg) leitete eine Phase der Instabilität ein, auf die der Hundertjährige Krieg folgte. Während dieser Zeit wechselte Monpazier mehrfach die Seiten zwischen England und Frankreich, bis sich die Stadt 1369 schließlich für Letzteres entschied. Über die Konflikte, die die Bastide unmittelbar bedroht haben könnten, ist nur wenig bekannt, wenngleich mehrere Überfälle, darunter einer, der vom Herrn von Biron persönlich angezettelt wurde, durch königliche Erlasse zur Stadt indirekt belegt sind. Auch die Auswirkungen der aufeinanderfolgenden Pestepidemien, die die Bevölkerung dezimierten, lassen sich nur schwer abschätzen.
Im Jahr 1490 gestattete der Bischof von Sarlat den im nahegelegenen und finanziell notleidenden Dorf Capdrot ansässigen Kanonikern, ihr Kapitel nach Monpazier zu verlegen. Die Übernahme der Kirche Saint-Dominique durch die geistliche Gemeinschaft verlief nicht ohne Schwierigkeiten. Die daraus resultierenden Rechtsstreitigkeiten, Symptome eines spannungsgeladenen Machtkampfs, belasteten rasch das Verhältnis zwischen den städtischen Konsuln und dem Klerus. Dennoch wurde der bereits bestehende wirtschaftliche Wohlstand der Bastide, belegt durch zahlreiche Bauvorhaben an Häusern jener Epoche, nun durch bedeutenden religiösen Einfluss ergänzt, da die Kanoniker ein weitläufiges Gebiet verwalteten, das 68 Pfarreien umfasste.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts schloss sich Monpazier unter dem Einfluss der Familie Biron der protestantischen Bewegung an. Damit wurde die Bastide in die Hugenottenkriege hineingezogen und beherbergte wiederholt Truppen unter Befehlshabern wie Geoffroy de Vivans oder Jacques Nompar de Caumont. Chroniken des Kanonikers Tarde berichten von gegenseitigen Plünderungen zwischen den Bastiden Monpazier und Villefranche-du-Périgord im Jahr 1577. Kaum war der religiöse Konflikt (mit der Unterzeichnung des Edikts von Nantes 1598) abgeklungen, traten zu Beginn des 17. Jahrhunderts Bauernaufstände an seine Stelle, gefolgt von den Auswirkungen der Fronde. Zu den berüchtigtsten Episoden dieser Unruhen zählt zweifellos das Schicksal von Buffarot, dem kurzzeitigen Anführer der Rebellion der Croquants (aufständischen Bauern), der 1637 auf der Place des Cornières in Monpazier gevierteilt wurde. Innerhalb der Bastide führte der wachsende Anteil von Protestanten an der Bevölkerung 1644 zur Gründung eines Klosters des Rekollettenordens. Die Ordensbrüder versuchten, durch Predigten die Ideen der katholischen Gegenreformation zu verbreiten. Am 30. Mai 1644 wurde eine Vereinbarung über die Gründung des Klosters unterzeichnet, zwischen den städtischen Magistraten (den Konsuln), den Kanonikern und dem Orden (der bereits in Bergerac, Périgueux, Thiviers und Sarlat ansässig war). Die Ordensbrüder errichteten ihr Kloster im Herzen der Bastide mit Mitteln, die durch Sammlungen unter der Bevölkerung sowie durch eine jährliche Zuwendung des Herrn von Biron aufgebracht wurden (eine Maßnahme zur Wiedergutmachung seiner zuvor offen bekundeten Unterstützung für die Protestanten). Den Rekolletten gelang es jedoch nicht, die Ausübung des reformierten Glaubens zu unterbinden, ein Unterfangen, das durch die Zerstörung der protestantischen Kirche im Jahr 1671 und die Zwangsunterbringung von Truppen in Privathäusern (1672) noch radikaler vorangetrieben werden sollte. Der katholische Glaube wurde indes nicht gänzlich aufgegeben. So war in der Bastide eine Bruderschaft der „Weißen Büßer“ (Confrérie des Pénitents Blancs) aktiv.
Im 18. Jahrhundert schien sich die Stadt, die bereits im vorangegangenen Jahrhundert geschwächt worden war, im Niedergang zu befinden. Um kurzfristige Einnahmen zu erzielen, veräußerten die Magistrate schrittweise Gemeindeeigentum an Privatpersonen, indem sie etwa Gassen verkauften und Stadtgräben verpachteten. Zudem billigten sie den Abriss der Stadtmauern und nahmen den baufälligen Zustand öffentlicher Gebäude hin (ein Gefängnis in desolatem Zustand, eine verfallene Markthalle und das Fehlen eines Rathauses). Die Rechtsstreitigkeiten und Beschwerden, die zwischen dem Stadtrat, dem Grundherrn und der königlichen Sénéchaussée (Gerichts- und Verwaltungsbezirk) über ihre jeweiligen Pflichten ausgetragen wurden, zeichnen das Bild einer „statisch“ gewordenen Stadt, eines Ortes, dessen Organisation und Einnahmeverhältnisse recht genau bekannt sind. Die Bevölkerung, die im Jahr 1760 etwas mehr als 1500 Seelen zählte, litt am stärksten unter den wiederkehrenden Hungersnöten und den hohen staatlichen Steuerlasten jener Zeit. Vor diesem Hintergrund entstand eine wohltätige Einrichtung. Die Kanoniker, die ein Grundstück samt Haus innerhalb der Bastide geerbt hatten, gestatteten der Gemeinschaft der Dames de la Miséricorde (Damen der Barmherzigkeit), dort ein Krankenhaus und ein Waisenhaus zu errichten sowie eine Textilwerkstatt einzurichten. Eine der Schlüsselfiguren hinter dieser Einrichtung, deren Ausmaß durch einen Bericht von 1775 treffend veranschaulicht wird, war Barthélémy de Laborie du Pourteil. Als die Französische Revolution ausbrach, kämpfte dieser Erzpriester und Kanoniker von Monpazier mit ganzem Herzen für den Fortbestand der Institution, in die er so viel Mühe und einen Teil seines Privatvermögens investiert hatte.
Die sichtbarste Auswirkung der Französischen Revolution in Monpazier war zweifellos die Verstaatlichung und der Verkauf von Kirchengütern. Das Kloster der Rekollekten wurde aufgelöst. Die Gemeinschaft, in der im 18. Jahrhundert offenbar nicht mehr als ein Dutzend Mönche in einem augenscheinlich baufälligen Gebäude gelebt hatten, wurde 1791 auseinandergejagt. Auch das Vermögen der Kanoniker, einschließlich des Kapitelsaals und verschiedener Grundstücke, war davon betroffen. Zwar war diese Zeit von einigen Unruhen geprägt, einem Aufstand, einer Schlägerei zwischen Royalisten und Republikanern, einem Mord sowie dem Diebstahl von Steuereinnahmen, doch herrschte im Allgemeinen Ruhe. Monpazier, dessen Pläne für einen Zusammenschluss mit benachbarten Gemeinden gescheitert waren, wurde zum Hauptort des Kantons bestimmt, nachdem es nicht gelungen war, den Sitz des Distrikts zu erhalten, der an Belvès ging.
Die Bastide verfügte über die für ihre Funktion typischen Einrichtungen, eine Gendarmeriestation und eine Steuerstelle, diente aber auch als Sitz eines Friedensgerichts. Umfangreiche Archive aus dem 19. und 20. Jahrhundert belegen, dass Monpazier tatsächlich als Kleinstadtzentrum für die umliegenden Dörfer und Weiler des Kantons fungierte. Das breite Spektrum an Gewerben, das im Kataster von 1845 verzeichnet ist, darunter Holzschuhmacher, Zimmerleute, Maurer, Wagner, Gastwirte und Bäcker sowie Hutmacher, Cafébesitzer, Lebensmittelhändler, Notare, Gerichtsvollzieher, Perückenmacher, Tierärzte und Apotheker, zeugt von der Präsenz zahlreicher Handwerker und Kaufleute. Dennoch hatte sich der Einzugsbereich der Stadt erheblich verkleinert. Dies lag vor allem daran, dass sie nicht von jenen Infrastrukturverbesserungen profitierte, die während der industriellen Revolution zur Erschließung anderer Gebiete beitrugen, wie etwa dem Eisenbahnbau oder der Kanalisierung des Flusses Dropt. Zwischen 1850 und 1950 erlebte die Stadt einen starken Bevölkerungsrückgang im Zuge der Landflucht und verlor rund die Hälfte ihrer einst 1130 Einwohner.

Gleichzeitig begannen Bemühungen, das kulturelle Erbe der Stadt zu bewahren, das man gerade erst wiederentdeckte. Félix de Verneilh, ein Archäologe aus dem Périgord, verfasste 1847 eine der ersten architektonischen Studien über den Ort. Er hob unter anderem den bemerkenswert gut erhaltenen, regelmäßigen Grundriss hervor und bezeichnete ihn als idealen Bastiden-Plan – wohl das gelungenste Beispiel seiner Art. Auch Eugène Viollet-le-Duc würdigte 1856 in mehreren Artikeln seines berühmten Dictionnaire raisonné de l’architecture française (Lexikon der französischen Architektur) die „vollkommene Regelmäßigkeit und Anlage“ der Stadt. So gewann Monpazier als historisches Erbe an Anerkennung, während andernorts der Fortschritt dazu führte, dass historische Bauten in anderen Bastiden abgerissen wurden. Die Kirche Saint-Dominique war das erste Gebäude, das bereits 1862 als historisches Denkmal (Monument historique) ausgewiesen wurde. Es dauerte mehr als vierzig Jahre, bis auch die Place des Cornières von ähnlichen Schutzmaßnahmen profitierte. Im Jahr 1904 wurden fünfzehn der dreiundzwanzig Häuser, die den Platz säumen, offiziell unter Denkmalschutz gestellt. Darauf folgten 1960 die Unterschutzstellung der Markthalle und der Platzfläche sowie 1961 die zweier weiterer Häuser. Schließlich erhielten 1962 sechs Häuser einen Schutzstatus für ihre Fassaden und die dazugehörigen Dächer, eine weniger weitgehende Schutzmaßnahme, als die vollständige Klassifizierung , ähnlich wie bereits 1929 der ehemalige Zehntspeicher (bekannt als „Kapitelhaus“), 1936 die befestigten Tore und 1961 der östliche Wehrturm unter Schutz gestellt worden waren. Zuletzt wurde 1990 ein „geschützter Bereich“ (secteur sauvegardé) eingerichtet, um einen umfassenden Schutz der Bastide zu gewährleisten. Dies ergänzte die Ausweisung als „geschützte Stätte“ (site classé), die darauf abzielte, die Qualität des Naturerbes in den an Monpazier angrenzenden Gemeinden zu bewahren.[9][10]
Bevölkerungsentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Monpazier: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1793 | 949 | |||
| 1800 | 1.028 | |||
| 1806 | 1.033 | |||
| 1821 | 1.027 | |||
| 1831 | 1.061 | |||
| 1836 | 1.127 | |||
| 1841 | 1.133 | |||
| 1846 | 1.187 | |||
| 1851 | 1.133 | |||
| 1856 | 1.088 | |||
| 1861 | 1.025 | |||
| 1866 | 1.076 | |||
| 1872 | 981 | |||
| 1876 | 994 | |||
| 1881 | 978 | |||
| 1886 | 883 | |||
| 1891 | 886 | |||
| 1896 | 812 | |||
| 1901 | 749 | |||
| 1906 | 731 | |||
| 1911 | 694 | |||
| 1921 | 609 | |||
| 1926 | 683 | |||
| 1931 | 686 | |||
| 1936 | 703 | |||
| 1946 | 692 | |||
| 1954 | 610 | |||
| 1962 | 664 | |||
| 1968 | 656 | |||
| 1975 | 558 | |||
| 1982 | 533 | |||
| 1990 | 531 | |||
| 1999 | 516 | |||
| 2006 | 533 | |||
| 2013 | 548 | |||
| 2020 | 452 | |||
| Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[11] INSEE ab 2006[12] Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz | ||||
Stadtbild
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Monpazier wurde, wie bei allen Bastiden üblich, über einem Rechteck mit streng rechtwinkelig verlaufenden Straßenzügen um einen zentralen Platz herum angelegt. Das ursprüngliche Stadtbild hat sich im Laufe der Jahrhunderte nur wenig verändert. Die Häuser um den Platz herum sind durch gleichartige Untergeschosse mit Arkaden, die sich zum Platz hin öffnen, untereinander verbunden. Die Bauten aus dem Mittelalter, der Renaissance und dem Barock bilden auf diese Weise einen rund um den Platz führenden Laubengang.
Auf dem Platz befinden sich ein Brunnen und die aus Kastanienstämmen gezimmerte Markthalle aus dem 16. Jahrhundert. Wie bei den Bastiden üblich, steht die Kirche ganz in der Nähe, an der Nordostecke des Platzes. Sie stammt noch aus der Zeit der Stadtgründung, wurde jedoch des Öfteren beschädigt und mehrmals erneuert bzw. umgebaut.
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fotogalerie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Vor- und Grundschule (École primaire) mit 77 Schülerinnen und Schülern in vier Klassen (2025).[13]
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erwerbstätigkeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahre 2023 waren 146 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Monpazier erwerbstätig, entsprechend 66,1 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse, wobei der Anteil der Männer (64,8 %) niedriger war als bei den Frauen (67,5 %). Die Zahl der Arbeitslosen war mit 13 Personen im Jahr 2023 niedriger als im Jahr 2017 (34). Die Arbeitslosenquote sank entsprechend von 19,3 % (2017) auf 8,7 % (2023). Die Arbeitslosenquote bei den 15- bis 24-Jährigen sank dabei in diesem Zeitraum von 50,0 % auf 22,6 %.[14]
Branchen und Betriebe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]109 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2024 in Monpazier wirtschaftlich aktiv:[14]
| Branche | Anzahl | % |
|---|---|---|
| Fertigung, Bergbau und andere Industrien | 20 | 18,3 % |
| Baugewerbe | 4 | 3,7 % |
| Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie | 40 | 36,7 % |
| Information und Kommunikation | 1 | 0,9 % |
| Finanzen und Versicherungen | 4 | 3,7 % |
| Immobilien | 7 | 6,4 % |
| Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten | 12 | 11,0 % |
| Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln | 9 | 8,3 % |
| Andere Dienstleistungen | 12 | 11,0 % |
| Gesamt | 109 |
Fernwanderweg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der GR 36, ein 1928 Kilometer langer Fernwanderweg von Ouistreham im Département Calvados nach Bourg-Madame im Département Pyrénées-Orientales, führt durch das Zentrum der Gemeinde.[15]
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die zur Departementsstraße D 660 herabgestufte ehemalige Nationalstraße N 660 von Bergerac nach Saint-Médard im Département Lot durchquert das Gemeindegebiet. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden das Zentrum mit den Weilern der Gemeinde und mit Nachbargemeinden.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Julien Guiomar (1928–2010), französischer Schauspieler, verstarb in Monpazier
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Thorsten Droste: Périgord und Atlantikküste. Kunst und Natur im Tal der Dordogne und an der Côte d’Argent von Bordeaux bis Biarritz (= DuMont-Dokumente. DuMont-Kunst-Reiseführer). 10. Auflage. DuMont, Köln 1991, ISBN 3-7701-1197-4, S. 119.
- Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Monpazier auf Les plus Beaux Villages de France (französisch)
- ↑ Monpazier. Conseil national des villes et villages fleuris, abgerufen am 14. August 2026 (französisch).
- ↑ Géologie de la Dordogne-Périgord. Éditions Esprit de Pays, abgerufen am 14. August 2026 (französisch).
- ↑ Répartition des superficies en 15 postes d’occupation des sols (métropole). CORINE Land Cover, 2018, abgerufen am 14. August 2026 (französisch).
- ↑ Klima Monpazier. Climate-Data.org, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Dossier des Départements über Hauptrisiken. (PDF) Département Dordogne, abgerufen am 14. August 2026 (französisch).
- ↑ Natürliche und technologische Risiken. Ministerium für ökologischen Wandel, Biodiversität, Wälder, Meer und Fischerei, abgerufen am 14. August 2026 (französisch).
- ↑ Siehe Tanet, Hordé, Seiten 227–228
- ↑ Baptiste Quost: Bastide de Monpazier. Region Nouvelle-Aquitaine, 2014, abgerufen am 14. August 2026 (französisch).
- ↑ Baptiste Quost: Présentation de la commune de Monpazier. Region Nouvelle-Aquitaine, 2014, abgerufen am 12. August 2026 (französisch).
- ↑ Notice Communale Monpazier. EHESS, abgerufen am 14. August 2026 (französisch).
- ↑ Populations légales 2006, Populations légales 2013, Populations légales 2020, INSEE, abgerufen am 2026-08-12
- ↑ École primaire. Nationales Bildungsministerium, abgerufen am 14. August 2026 (französisch).
- 1 2 Dossier complet - Commune de Monpazier (24280). INSEE, abgerufen am 14. August 2026 (französisch).
- ↑ GR®36 De la Manche aux Pyrénées. gr-infos.com, abgerufen am 14. August 2026 (französisch).
