Vanadinit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und entwickelt kurz- bis langprismatische (selten auch pyramidale) Kristalle mit einem schwachen harz- bis diamantähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Er kommt aber auch in Form traubiger bis erdiger oder radialstrahliger Mineral-Aggregate vor. Das Mineral ist durchscheinend bis undurchsichtig und meist von rotoranger bis bräunlichroter, seltener auch tiefroter oder gelber bis bräunlichgelber Farbe. Seine Strichfarbe ist dagegen weiß bis blassgelb oder blassrot.
1833 untersuchte Gustav Rose einige Bleierze aus den Goldgruben von Beresow (heute Berjosowski bei Katharinenburg (heute Jekaterinburg). Auf einer Probe fand sich neben dem als Grünbleierz bezeichneten Pyromorphit (Pb5[Cl|PO4)3]) auch äußerlich ähnliche, aber braune Kristalle, die sich bei genauerer Analyse als Vanadinbleierz herausstellten. Er stellte durch Vergleichsproben auch fest, dass sich das Vanadinbleierz von Beresow in den Eigenschaften nicht von dem aus Zimapán in Mexiko unterschied.[8]
Seinen bis heute gültigen Namen erhielt Vanadinit (Synonym Vanadinbleierz) 1838 durch Franz von Kobell, der das Mineral bezugnehmend auf dessen Vanadium-Gehalt benannte.[9]
Da der Vanadinit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Vanadinit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Vanadinit lautet „Vna“.[1]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Vanadinit in die Abteilung „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich großen Kationen; (OH usw.): RO4 = 0,33: 1“ zu finden, wo es zusammen mit Alforsit, Belovit-(Ce), Belovit-(La), Carbonat-Fluorapatit, Carbonat-Hydroxylapatit, Chlorapatit, Fluorphosphohedyphan, Fluorstrophit, Hydroxylapatit, Hydroxylapatit-M, Deloneit-(Ce), Fermorit (diskreditiert), Fluorapatit, Fluorcaphit, Hedyphan, Hydroxylpyromorphit, Johnbaumit, Kuannersuit-(Ce), Mimetesit, Morelandit, Phosphohedyphan, Pyromorphit, Svabit, Stronadelphit und Turneaureit die „Apatitgruppe“ mit der Systemnummer 8.BN.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Vanadinit die System- und Mineralnummer 41.08.04.03. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (A)5 (XO4)3 Zq“ in der „Pyromorphitgruppe“, in der auch Pyromorphit, Mimetesit und Hydroxylpyromorphit eingeordnet sind.
Pyromorphit, Mimetesit und Hydroxylpyromorphit bilden untereinander zumindest teilweise ein Mischkristallsystem, bei dem (VO4)3− durch (PO4)3− zu Pyromorphit oder (AsO4)3− zu Mimetesit substituiert wird.[11]
Vanadinit kristallisiert hexagonal in der RaumgruppeP63/m(Raumgruppen-Nr. 176)Vorlage:Raumgruppe/176 (Kristallklasse 6/m) mit den Gitterparameterna= 10,32Å und c= 7,34Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle. Vanadium wird tetraedrisch von Sauerstoff umgeben. Die Chlorid-Anionen befinden sich auf den Ecken der Elementarzelle und auf den Zellkanten bei c/2. Blei besetzt zwei unterschiedlich koordinierte Gitterplätze.[4]
Vanadinit bildet eine Vielzahl unterschiedlicher Farbnuancen und findet sich in unterschiedlichen mineralogischen Paragenesen.
Besonders hervorzuheben ist, dass im Kristallgitter das Vanadium durch Arsen ausgetauscht werden kann. Als Endlichit oder auch Arsen-Vanadinit wird eine durch geringe Beimengungen von Arsen gelb gefärbte Varietät von Vanadinit bezeichnet.[13] Beschrieben wurde Endlichit 1885 von Friedrich August Genth (1820–1893) und Gerhard vom Rath (1830–1888).[14] Dies führt schlussendlich zu einer Mischkristallreihe, von rotem Vanadinit zu gelbem Mimetesit. Bei letzterem sind alle Vanadiumatome durch Arsenatome ersetzt. Je nachdem, wie stark arsenhaltig ein Vanadinit ist, zeigen die Kristalle, bedingt durch den unterschiedlichen Ionenradius von V und As, entweder ein ausgeprägtes Längenwachstum, eine gelbe Farbe oder auch eine Kombination von beidem.
Eine klassische Paragenese sind hellrote Vanadinitkristalle, die auf farblosem Baryt aufgewachsen sind und vor allem in Mibladen gefunden wurden. Hier finden sich freistehende Kristalle wie auch dichte Kristallrasen, die den Baryt teilweise vollkommen überwachsen.
Funde aus Taouz zeigen häufig dunkelrote Vanadinite auf schwarzem, teilweise botryoidalen, Goethit oder oxidischen Manganmineralen wie Hausmannit; seltener finden sich gelbe Vanadinite auf Goethit.
Orange-rote Vanadinitkristalle aus Mibladen, Marokko (Bildbreite ca. 40 mm)
Orangerote Vanadinitkristalle mit dunkelrotem Zentrum auf farblosem Baryt aus Mibladen (Bildbreite ca. 10 mm)
Gelbe Vanadinit-Kristalle auf Goethit aus Taouz, Marokko (Bildbreite ca. 40 mm)
Längliche orange Vanadinit-Kristalle aus Mibladen, Marokko (Bildbreite ca. 25 mm)
Hellorange Vanadinit-Kristalle aus der Pure Potential Mine, Arizona (Bildbreite ca. 15 mm)
Einkristall eines gelben Vanadinits aufgewachsen auf botryoidalem Goethit aus Taouz, Marokko (Kristallgröße ca. 3 mm)
Dunkelrote Vanadinitkristalle als dichter Kristallrasen auf Barytschichten aus Mibladen (Bildbreite ca. 10 mm)
Vanadinit dient als Rohstoff zur Gewinnung des für Spezialstähle wichtigen Legierungselementes Vanadium.
Als Schmuckstein ist Vanadinit aufgrund seiner geringen Härte nicht zu verwenden. Gelegentlich wird er jedoch von Sammlern in Cabochon-Form geschliffen.[16]
Zudem wird Vanadinit auch als Pigment verwendet. Beim Mahlen des Minerals ergibt sich ein gelbes Pulver mit welchem, in Bindemittel angerieben, intensiv gelbe bis orange Farbschichten erzeugt werden können. Verwendet wurde das Pigment nahezu ausschließlich in China, vor allem in der Gegend um Xi’an, beispielsweise an den Soldaten der Terrakottaarmee des Kaisers Qin Shihuangdi. Außerhalb von China wurde das Vanadinit als Pigment ausschließlich an einer hellenistischen Stele aus Alexandria nachgewiesen, welche sich heute im Louvre befindet.[17]
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.467 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345678
Vanadinite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 51kB; abgerufen am 22.Dezember 2025]).
123Vanadinite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 22.Dezember 2025(englisch).
↑Gustav Rose:Ueber das Vanadinbleierz von Beresow im Ural. In: Annalen der Physik. Band29, 1833, S.455–458 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 25.Dezember 2025]).
↑Franz von Kobell:Grundzüge der Mineralogie. Zum Gebrauche bey Vorlesungen, sowie zum Selbststudium entworfen. Johann Leonhard Schrag, Nürnberg 1838, S.283 (darwin-online.org.uk[PDF; 12,5MB; abgerufen am 23.Dezember 2025]).
↑Yongshan Dai, John M. Hughes:Crystal-Structure Refinement of Vanadinite and Pyromorphite. In: Canadian Mineralogist. Band27, 1989, S.189–192 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 7. August 2024 im Internet Archive) [PDF; 384kB; abgerufen am 22.Dezember 2025]).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.644.
↑
Fundortliste für Vanadinit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 22. Dezember 2025.
↑Walter Schumann:Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S.242.
↑Catharina Blänsdorf:Studien zur Farbfassung von Figuren der Terrakottaarmee und aus anderen Beigabengruben der Grabanlage des Ersten chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi. Siegl, München 2015, ISBN 978-3-935643-64-1, S.255–262.