Mimetesit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und entwickelt prismatische oder pyramidale Kristalle, aber auch traubige, radialstrahlige oder erdige Mineral-Aggregate mit einem harzähnlichen bis schwach diamantähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Die durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle sind meist von sattgelber oder orange-, grünlich- bis braungelber Farbe. Im Durchlicht kann Mimetesit auch farblos bis weiß oder blassgelb erscheinen.
Benannt ist Mimetesit nach dem altgriechischen Wort μίμησιςmímēsis für Nachahmung oder Nachahmer, da es aufgrund seiner großen Ähnlichkeit in Form und Farbe leicht mit Pyromorphit verwechselt werden kann.
Vor der Entdeckung von Mimetesit als eigenständige Mineralart wurden die verschiedenen Bleierze vor allem nach ihren Farben unterschieden, die aus der Bergmannsprache übernommen wurde; namentlich Rot- (heute Krokoit), Gelb- (heute Wulfenit), Grün-, Blau-, Braun-, Schwarzbleierz und Weißbleierz (heute Cerussit) durch Abraham Gottlob Werner (Abraham Gottlob Werner's letztes Mineral-System 1817) sowie Buntbleierz (auch Polychrom) durch Friedrich Hausmann (Handbuch der Mineralogie 1813).[3]
Schon Mitte des 18. Jahrhunderts fiel Axel Frederic Cronstedt (1722–1765) bei seinen Lötrohrversuchen das unterschiedliche Kristallisationsverhalten einiger „Bleispäte“ auf. Das Bleiphosphat mit dem Verhalten, nach dem Schmelzen in vielflächiger Polyederform zu kristallisieren, erhielt schließlich den Namen Pyromorphit und das so ähnliche Bleiarsenat den Namen Mimetesit. Der erstmals von dem französischen Mineralogen François Sulpice Beudant 1832 geprägte Begriff „Mimetèse“ entspricht dabei dem griechischen Nominativ.[3]
August Breithaupt hängte 1841 in seiner deutschsprachigen Mineralbeschreibung die mineraltypische Endung -it an, entsprechend also Mimetesit, und gab als Synonyme pollachites arsenicus, Arsenischer Blei-Spath (auch Arsenikbleispath), Grünbleierz und Arsenikbleispath an.[14]Wilhelm von Haidinger wählte in seinen Aufzeichnungen von 1845 dagegen den Namen Mimetit, der wie Beudants Mimetèse sprachrichtig vom griechischen Wortstamm abgeleitet ist. Dieser setzte sich jedoch nur im englischen Sprachraum durch.[3]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) anerkannte Kurzbezeichnung für den Mimetesit lautet „Mim“.[1] Er ist als eigenständige Mineralart schon lange bekannt und wurde von der Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) daher als sogenanntes grandfathered (G) Mineral anerkannt.[6]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[9]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Mimetesit ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der weiteren Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadat-Komplex (RO4). Das Mineral ist daher entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich großen Kationen; (OH usw.):RO4=0,33:1“ zu finden, wo es zusammen mit Alforsit, Belovit-(Ce), Belovit-(La), Carbonat-Fluorapatit, Carbonat-Hydroxylapatit, Chlorapatit, Fluorphosphohedyphan, Fluorstrophit, Hydroxylapatit, Hydroxylapatit-M, Deloneit-(Ce), Fermorit, Fluorapatit, Fluorcaphit, Hedyphan, Hydroxylpyromorphit, Johnbaumit, Kuannersuit-(Ce), Morelandit, Phosphohedyphan, Pyromorphit, Svabit, Stronadelphit, Turneaureit und Vanadinit die „Apatit-Gruppe“ mit der Systemnummer 8.BN.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Mimetesit die System- und Mineralnummer 41.08.04.02. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“, wo das Mineral zusammen mit Hydroxylpyromorphit, Pyromorphit und Vanadinit in einer unbenannte Gruppe/in der „Pyromorphitgruppe“ mit der Systemnummer 41.08.04 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (A)5(XO4)3Zq“ zu finden ist.
Strukturuntersuchungen, z.B. am Mimetesit aus der Typlokalität bei Johanngeorgenstadt, zeigten, dass noch eine monokline Form vorkommt, die als Klinomimetit oder Mimetesit-M bezeichnet wird und in der Raumgruppe P21/b(Nr. 14, Stellung 4)Vorlage:Raumgruppe/14.4 kristallisiert.[15] Eine weitere polytype Varietät mit der Bezeichnung Mimetesit-2M (P21(Nr. 4)Vorlage:Raumgruppe/4) konnte an einem Mimetesit aus China (Xianghualing, Linwu County, Provinz Hunan) nachgewiesen werden.[18]Mimetesit-M und Mimetesit-2M waren zeitweise als eigenständige Minerale anerkannt, wurden jedoch 2010 diskreditiert.[19]
Goldgelber sphärolithischer Mimetesit aus der Congreso-León-Mine, Mexiko (Größe: 3,0 cm × 1,7 cm × 1,0 cm)
Häufig tritt der Mimetesit in gut entwickelten Kristallen auf, die entweder kurz- bis langprismatisch gestreckt nach [0001], tonnen- oder walzenförmig nach {1010} bzw. {1000} oder spitzpyramidal geformt sein können. Daneben finden sich aber auch erdige, körnige, nadelige, traubige bzw. sphärolithische, nierige und radialstrahlige Mineral-Aggregate, oft aufgewachsen auf seine Begleitminerale.[12]
Mimetesit ist piezoelektrisch, baut also ähnlich wie Quarz oder Turmalin bei periodisch wechselnder, elastischer Verformung eine elektrische Spannung auf.[11]
Unter lang- bis kurzwelligem UV-Licht können manche Mimetesite eine rötlichgelbe Fluoreszenz zeigen.[11] Bekannt sind aber auch im kurzwelligen UV-Licht fluoreszierende Mimetesite aus Wickenburg (Arizona) (USA).[20]
Bekannte Varietäten sind der Kampylit, ein phosphorhaltiger Mimetesit mit orangeroter Farbe, der unter anderem als tonnenförmige Kristalle in Cumberland gefunden wurde,[13] sowie ein faseriges bzw. haariges Aggregat namens Prixit.[21]
Bellit ist dagegen ein Mineralgemenge aus Quarz, Mimetesit und Krokoit.[22] Er ist damit definitionsgemäß als Gestein zu werten.
Kampylit aus Cumberland, Cumbria, England (Gesamtgröße der Stufe: 7,9 × 6,8 × 3,5cm)
Prixit (hellgelb, faserig) mit Arsendescloizit (grün) und aus der Ojuela Mine, Mapimí, Durango, Mexiko (Bildbreite: 3mm)
Mimetesit (gelb), Cuprit (dunkelrot) und Dolomit (weiß) aus Tsumeb, NamibiaPseudomorphose von Bayldonit (grün) nach Mimetesit (langprismatische Kristallform) aus Tsumeb, Namibia
Weitere bekannte Fundorte in Deutschland liegen unter anderem im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (Münstertal, Staufen im Breisgau, Sulzburg), im Ortenaukreis (Biberach, Haslach im Kinzigtal, Hausach, Oberwolfach) und im Landkreis Waldshut sowie in den Landkreisen Karlsruhe (Freudenstadt, Rhein-Neckar-Kreis) und der Region Stuttgart in Baden-Württemberg, in Ober- und Unterfranken in Bayern, in den Landkreisen Bergstraße (Lautertal) und Wetterau (Ober-Mörlen) in Hessen, im Landkreis Goslar (Clausthal-Zellerfeld, Odertal, St. Andreasberg) und im Landkreis Göttingen (Steinbruch Winterberg, Grube Floßberg) in Niedersachsen, im Kreis Arnsberg (Hochsauerlandkreis, Olpe, Siegen-Wittgenstein) und im Großraum Düsseldorf-Köln (Mettmann, Wuppertal, Stolberg, Euskirchen, Oberbergischer Kreis) in Nordrhein-Westfalen, in den Landkreisen Altenkirchen (Herdorf, Niederfischbach), Donnersberg (Imsbach), Neuwied (Puderbach, Rheinbreitbach) und Rhein-Lahn (Bad Ems, Lahnstein) in Rheinland-Pfalz, am Grubenberg bei Walhausen im Saarland, in den Landkreisen Harz (Harzgerode, Wernigerode) und Mansfeld-Südharz (Hettstedt, Leimbach, Wolfsberg) in Sachsen-Anhalt, in der Umgebung von Eckernförde in Schleswig-Holstein sowie in den Landkreisen Greiz (Steinbruch am Kuhberg) und Ilm (Gräfenroda, Tannenglasbachsgrund) in Thüringen.[24]
In Österreich wurde Mimetesit bisher vor allem in Kärnten (Sankt Veit an der Glan, Spittal an der Drau, Villach), Salzburg (St. Johann im Pongau, Zell am See), der Steiermark (Bruck-Mürzzuschlag, Murau, Rettenegg), Tirol (Kufstein) und Niederösterreich (Lilienfeld) entdeckt.
In der Schweiz kennt man das Mineral vor allem aus dem Kanton Wallis (Binntal, Saint-Luc, Val de Bagnes), aber auch im Kanton Glarus (Mürtschenalp) und im Kanton Graubünden (Tieftobel, Val Müstair) wurde Mimetesit gefunden.
Aufgrund herausragender Fundstätten für Mimetesit gelten die Congreso-León-Mine im Municipio Casas Grandes in Mexiko, wo hell- bis sattgelbe traubig-nierige Aggregate und Stufen von bis zu 14cm Größe entdeckt wurden.[25] Vollkommene und bis zu 3cm große Mimetesitkristalle traten zudem in der thailändischen Amphoe (Landkreis) Hat Yai und bis zu 2cm lange Mimetesitkristalle in Johanngeorgenstadt (Erzgebirgskreis) auf. Im berühmten Bergbaugebiet um Tsumeb in Namibia fanden sich außerdem Kristalle mit bis zu 5cm Durchmesser.[26]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Algerien, Argentinien, Australien, Belgien, Bulgarien, Chile, China, Frankreich, Griechenland, im Iran, in Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, der Republik Kongo, Marokko, Norwegen, Polen, Portugal, Russland, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England, Schottland, Wales) und den Vereinigten Staaten von Amerika (Alaska, Arizona, Colorado, Idaho, Kalifornien, Montana, Nevada, New Mexico, South Dakota, Texas, Utah).[24]
Honiggelber Mimetesitkristall auf Limonit aus Hat Yai, Thailand
Mimetesit auf Baryt aus der Rowley-Mine, Arizona, USA
Orangefarbener Mimetesit aus der Pingtouling-Mine, China
Roter Mimetesit mit Baryt aus der Bilbao-Mine, Mexiko
Sphärolithischer Mimetesit (grün) mit Wulfenit (orange) aus Mexiko
Mimetesit kommt zwar selbst nicht in abbauwürdigen Mengen vor, wird aber als Nebengemengteil zusammen mit anderen Bleierzen zur Gewinnung von Blei abgebaut.
Selten werden Mimetesitkristalle zu Sammlungszwecken auch geschliffen.[27]
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12345678910111213
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12Yongshan Dai, John M. Hughes, Paul B. Moore:The crystal structures of mimetite and clinomimetite, Pb5(AsO4)3Cl. In: The Canadian Mineralogist. Band29, 1991, S.369–376 (englisch, rruff.info[PDF; 748kB; abgerufen am 25.Dezember 2025]).
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↑Helga Kuhlmann, Gerhard Schweigardt:Die geheimnisvolle Welt der UV-Mineralien. Ein Bestimmungsbuch der besonderen Art. Christian Weise Verlag, München 2016, S.83.