Chlorapatit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und entwickelt oft prismatische Kristalle mit hexagonaler Grundfläche, kommt aber auch in Form körniger bis massiger Mineral-Aggregate vor und kann zonare Verwachsungen mit Fluorapatit bilden. In reiner Form wäre Chlorapatit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung ist er jedoch meist durchscheinend weiß oder nimmt durch Fremdbeimengungen verschiedene Farben wie unter anderem grünlichgelb, rosaweiß oder hellgrünlichgrau[6] an.
Der Name Chlorapatit weist einerseits auf seine enge Verwandtschaft und chemische Ähnlichkeit mit den anderen Mitgliedern der Apatitgruppe hin und andererseits auf das in der chemischen Zusammensetzung maßgebliche Element Chlor. Die chemische Zusammensetzung der bereits bekannten Apatite analysierte 1827 erstmals Gustav Rose, der neben dem Fluorapatit auch den Chlorapatit als eigene Mineralart ansprach.[8]
Als erste Typlokalitäten gilt die Gemeinde Kragerø (auch Krageröe) in der norwegischen Provinz Telemark, da nach der Aufzählung der Fundorte von Mineralproben mit den höchsten Chlor- bzw. den geringsten Fluorgehalten nach Carl Rammelsberg an diesem Fundort auftraten.[9]
Als Co-Typlokalität gilt der Dicksberg bei Ransäter in der schwedischen Gemeinde Munkfors (Provinz Värmland), da Lars Johan Igelström (1822–1897) aus diesem Fundort Mineralproben zur vollständigen Beschreibung der Kristallstruktur entnommen hatte.[10]
Im Zuge der 2008 erfolgten Publikation „Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks“ erfolgte eine Umbenennung der Mitglieder der Apatitgruppe. um deren Namen zu vereinheitlichen. Das jeweilige Haupt-Kation und -Anion wurden als Suffix in Klammern dem Gruppennamen angehängt und aus dem Chlorapatit wurde entsprechend Apatit-(CaCl).[11] Zwei Jahre später wurde diese Namensänderung bei der Neuordnung und Nomenklatur der Apatit-Supergruppen-Minerale allerdings wieder rückgängig gemacht und das Mineral erhielt wieder seinen ursprünglichen Namen Chlorapatit.[12] Seitdem wird das Mineral in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „2010 s.p.“ (special procedure) geführt.[1] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von MineralName lautet „Clap“.[2]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[13]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Chlorapatit in die Abteilung „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich großen Kationen; (OH usw.): RO4 = 0,33: 1“ zu finden, wo es zusammen mit Alforsit, Belovit-(Ce), Belovit-(La), Carbonat-Fluorapatit, Carbonat-Hydroxylapatit, Fluorphosphohedyphan, Fluorstrophit, Hydroxylapatit, Hydroxylapatit-M (D), Deloneit-(Ce), Johnbaumit-M (D), Fluorapatit, Fluorcaphit, Hedyphan, Hydroxylpyromorphit, Johnbaumit, Kuannersuit-(Ce), Mimetesit, Morelandit, Phosphohedyphan, Pyromorphit, Svabit, Stronadelphit, Turneaureit und Vanadinit die „Apatitgruppe“ mit der Systemnummer 8.BN.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Chlorapatit die System- und Mineralnummer 41.08.01.02. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (A)5(XO4)3Zq“ in der „Apatitgruppe“, in der auch Apatit, Fluorapatit, Hydroxylapatit, Carbonat-Fluorapatit, Carbonat-Hydroxylapatit, Belovit-(Ce), Belovit-(La), Kuannersuit-(Ce), Fluorstrophit, Fluorcaphit, Deloneit-(Ce), Stronadelphit, Fluorphosphohedyphan und Phosphohedyphan eingeordnet sind.
Die Kristallstruktur von Chlorapatit besteht aus 9-fach koordinierten Calcium-Polyedern, die Ketten über gemeinsam genutzte Flächen parallel der c-Achse [0001] bilden. Diese Ketten werden über kanten- und eckenteilende PO4-Tetraeder miteinander verknüpft und bilden so ein hexagonales Gerüst mit großen hexagonalen Kanälen. In diesen, ebenfalls parallel zur c-Achse ausgerichteten, Kanälen sind die Chlorionen eingelagert.[3]
Apatitkristalle mit Quarz, Chlorit und Stilbit aus Kurokura, Yamakita, Präfektur Kanagawa, Japan (Vergleichsmaßstab: 1Zoll mit Kerbe bei 1cm)
Chlorapatit bildet sich weit seltener als Fluor- oder Hydroxylapatit und tritt nur in Umgebungen mit einem Mangel an Fluor auf. An seiner Typlokalität Kragerø in Norwegen fand sich das Mineral in den magmatisch gebildeten Pegmatiten zusammen mit Hornblende, Ilmenit, Magnetit, Pyrrhotin, Rutil, Skapolith (Wernerit) und Titanit (Sphen).[14]
An seiner Co-Typlokalität am Dicksberg bei Ransäter in Schweden trat das Mineral in den dortigen Gneisen zusammen mit Quarz, Damourit und nicht näher bestimmten Feldspat auf.[15]
Als seltene Mineralbildung konnte Chlorapatit nur an wenigen Orten weltweit nachgewiesen werden, wobei bisher rund 220 Fundorte dokumentiert sind (Stand 2025), die sich allerdings mehrheitlich auf Meteoritenfunde beschränken.[16]
In Deutschland fand sich Chlorapatit unter anderem in den Meteoriten Stubenberg in Niederbayern, Linum und Trebbin in Brandenburg, Bremervörde in Niedersachsen und Salzwedel in Sachsen-Anhalt. Daneben trat das Mineral noch am Nickenicher Sattel (Eicher Sattel) bei Nickenich im rheinland-pfälzischen Landkreis Mayen-Koblenz sowie in der Zinngrube Sauberg bei Ehrenfriedersdorf in Sachsen auf.[17]
In Österreich konnte das Mineral bisher nur im Marmor-SteinbruchMalaschofsky bei Lichtenau im Waldviertel (Niederösterreich) sowie am Höllkogel nahe dem Ort Alpl und bei Granegg im Ortsteil Freßnitzgraben in der Gemeinde Krieglach (Steiermark) entdeckt werden. Außerdem wurde es in dem 1976 nahe der Gemeinde Ischgl in Tirol entdeckten, gleichnamigen Meteoriten nachgewiesen.[18]
Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist die gering vererzte Uran-LagerstätteBoitses nahe Lavey-Morcles im Schweizer Kantons Waadt.[19]
Erwähnenswert aufgrund außergewöhnlicher Chlorapatitfunde sind vor allem Pegmatite in der Umgebung von Bamble in Norwegen, wo perfekt ausgebildete und bis zu 35cm lange, prismatische Kristalle gefunden wurden.[20]
Weitere bekannte irdische Fundorte sind unter anderem Sar-e-Sang in Afghanistan, Daşkəsən (auch Dashkesan) in Aserbaidschan, Linópolis in Minas Gerais und Parauapebas in Pará in Brasilien, eine Höhle auf San Salvador Island sowie verschiedene Orte in Chile, China, Dänemark, Finnland, im Irak, in Italien, Japan, Kasachstan, Neuseeland, Pakistan, Rumänien, Russland, Ungarn, den USA und Venezuela.[17]
Als Meteoritenfund kennt man das Mineral außerdem von verschiedenen Marsmeteoriten, die vielfach in Nordwestafrika entdeckt wurden nur eine Katalog-Nr. tragen wie beispielsweise NWA2046 und NWA3171 aus Algerien, NWA856 aus Marokko sowie NWA1460, NWA2737, NWA7251 und viele weitere aus Tunesien und der Westsahara. Vorwiegend in Meteoriten entdeckte man Chlorapatit auch in der Antarktis, genauer in den Allan Hills (ALH), wonach die entsprechenden Meteoriten auch benannt wurden (z.B. ALHA77176, ALHA77304).
Weitere bekannte Meteoritenfunde wurden unter anderem in Argentinien (Campo del Cielo), Australien (Forest Vale, Karoonda, Miles und andere), England im Vereinigten Königreich, Mexiko, der Mongolei, den Niederlanden, Nigeria, Oman, Polen, Serbien, Spanien und der Ukraine bekannt.[17]
Chlorapatite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 54kB; abgerufen am 28.Dezember 2025]).
Chlorapatite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 28.Dezember 2025(englisch).
1234567Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.467 (englisch).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 28.Mai 2023(englisch).
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123Chlorapatite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 28.Dezember 2025(englisch).
↑Ernst A. J. Burke:Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks. In: Mineralogical Record. Band39, Nr.2, 2008, S.132 (englisch, Digitalisat (Memento vom 25. Juli 2025 im Internet Archive) [PDF; 751kB; abgerufen am 28.Dezember 2025]).
↑Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig:Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S.860–861 (englisch).
↑L. J. Igelström:XXXI. Kürzere Originalmittheilungen und Notizen. In: Zeitschrift für Kristallographie – Crystalline Materials. Band27, Nr.1–6, 1897, S.601–609, doi:10.1524/zkri.1897.27.1.601.
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Fundortliste für Chlorapatit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 28. Dezember 2025.
↑Franz Brandstätter, Jürgen Konzett, Christian Koeberl, Ludovic Ferrière:The Ischgl meteorite, a new LL6 chondrite from Tyrol, Austria. In: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien, Serie A. Band115, Januar 2013, S.5–18 (englisch, zobodat.at[PDF; 1,8MB; abgerufen am 28.Dezember 2025]).
↑H. A. Stalder, A. Wagner, S. Graeser, P. Stuker:Mineralienlexikon der Schweiz. Wepf & Co., Basel 1998, ISBN 3-85977-200-7, S.44.
↑Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.171.