Diopsid entwickelt kurze bis lange, prismatische Kristalle, findet sich aber auch in Form säuliger, lamellenförmiger oder körniger Mineral-Aggregate. In reiner Form ist er farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine gelbe, hell- bis dunkelgrüne oder schwarze Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend bis zur Undurchsichtigkeit abnimmt.
Diopsid bildet zusammen mit Hedenbergit CaFe[Si2O6] und Augit (Ca,Na)(Mg,Fe,Al)[(Si,Al)2O6] eine vollständige Mischreihe.
Der Name Diopsid stammt aus dem griechischen δίς dis für doppelt, ὄψις opsis für Anblick und εἶδος eidos für Gestalt und weist darauf hin, dass die Diopsidkristalle häufig als Zwillinge auftreten.
Erstmals beschrieben wurde das Mineral 1800 von José Bonifácio de Andrada e Silva, allerdings unter der Bezeichnung Coccolit. Als Fundorte gab er die Hellesta- und Åssebro-Eisengruben im schwedischen Södermanland an. Später konnte allerdings nachgewiesen werden, dass de Andradas Mineral mit dem von René-Just Haüy 1806 beschriebenen Diopsid identisch ist, und der Name Coccolit wurde diskreditiert.[11]
Diopsid war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Diopsid theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. In der 1988 erfolgten Publikation der IMA/CNMNC: Nomenclature of pyroxenes wurde Diopsid als Teil der Gruppe der Calcium-Pyroxene und als Endglied der Mischkristallreihe Diopsid–Hedenbergit anerkannt. Daneben wurden die Mineralnamen Alalit und Canaanit sowie Baikalit (eisenhaltiger Diopsid), Lawrowit (englischLavroffite; vanadiumhaltiger Diopsid) und Schefferit (manganhaltiger Diopsid) diskreditiert und als Synonym beziehungsweise Varietät dem Diopsid zugeordnet.[3] Aufgrund der nachträglichen Ankerkennung von Diopsid wird das Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 1988 s.p.“ (special procedure) geführt.[1]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Diopsid in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatketten beziehungsweise -bänder, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Einfachketten Si2O6; Pyroxen-Familie“ zu finden ist, wo es zusammen mit Augit, Davisit, Esseneit, Hedenbergit, Johannsenit, Kushiroit und Petedunnit die Gruppe der „Ca-Klinopyroxene, Diopsidgruppe“ mit der Systemnummer 9.DA.15 bildet.[14]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Diopsid die System- und Mineralnummer 65.01.03a.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Kettensilikatminerale“, wo das Mineral zusammen mit Augit, Davisit, Esseneit, Hedenbergit, Johannsenit, Petedunnit in einer unbenannte Gruppe/„C2/c Klinopyroxene (Ca-Klinopyroxene)“ mit der Systemnummer 65.01.03a innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=2“ zu finden ist.
Außerhalb der Erde konnte ebenfalls bereits Diopsid gefunden werden, nämlich in Gesteinsproben vom Mond, vom Noctis Labyrinthus auf dem Mars und im Kometenstaub von Wild 2.[15]
J. B. d’Andrada:Kurze Angabe der Eigenschaften und Kennzeichen einiger neuen Fossilien aus Schweden und Norwegen nebst einigen chemischen Bemerkungen über dieselben. In: D. Alexander Nicolaus Scherer (Hrsg.): Allgemeines Journal der Chemie. Band4, 1800, S.28–39 (rruff.info[PDF; 2,4MB; abgerufen am 16.Mai 2024] als Coccolit).
Haüy:Sur L’Analogie du Diopside avec le Pyroxène. In: Annales du Muséum d’histoire naturelle. Band11, 1808, S.77 (französisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 16.Mai 2024]).
Martin Okrusch, Siegfried Matthes:Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer, Berlin [u.a.] 2005, ISBN 3-540-23812-3, S.94.
Diopside search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 16.Mai 2024(englisch).
1234567Subcommite on Pyroxenes, IMA/CNMMN; Nobuo Morimoto:Nomenclature of Pyroxenes. In: Mineralogical Magazine. Band52, 1988, S.535–550 (rruff.info[PDF; 899kB; abgerufen am 18.Mai 2024]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Diopside Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 16.Mai 2024(englisch).
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.620 (englisch).
12345678910
Diopside. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 82kB; abgerufen am 16.Mai 2024]).
↑Morten M. Smedskjaer, Martin Jensen, Yuan-Zheng Yue:Theoretical calculation and measurement of the hardness of diopside. In: Journal of the American Ceramic Society. Band91, 2008, S.514–518, doi:10.1111/j.1551-2916.2007.02166.x (englisch, eps.mcgill.ca[PDF; 192kB; abgerufen am 16.Mai 2024]).
123456Diopside.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 16.Mai 2024(englisch).
↑Coccolite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 16.Mai 2024(englisch).