Violetter Fluorapatit aus der Typlokalität Greifensteine (Sichtfeld 12 mm)
Der ursprüngliche Name Apatit, abgleitet von altgriechischἀπατάωapatáō, deutsch ‚täuschen‘, wurde bereits 1786 von dem deutschen Geologen Abraham Gottlob Werner geprägt.[6][7] 1827 untersuchte Gustav Rose (1798–1873) die chemische Zusammensetzung verschiedener Apatite genauer und stellte fest, dass es sich um eine isomorphe Mischreihe handelt. Er schlug daher für das fluorhaltige Endglied den Namen Fluorapatit und für das chlorhaltige Endglied Chlorapatit vor.[8] Diese Unterscheidung der Apatite wurde 1860 von Carl F. Rammelsberg bestätigt.[9]
Der Name Fluorapatit weist einerseits auf seine enge Verwandtschaft und chemische Ähnlichkeit mit den anderen Mitgliedern der Apatitgruppe hin und andererseits auf das in der chemischen Zusammensetzung maßgebliche Element Fluor.
Als Typlokalität für den Fluorapatit gelten die Greifensteine (Steinbruch Kopper) bei Ehrenfriedersdorf im sächsischen Erzgebirge.[10] Als Co-Typlokalitäten werden zudem einerseits die Holmbush Mine im Stokeclimsland in der englischen Grafschaft Cornwall[11] und zum anderen die Grube Sauberg bei Ehrenfriedersdorf[12] angegeben.
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[13]
Fluorapatit war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Fluorapatit theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. Im Rahmen einer vom damaligen Vorsitzenden der IMA/CNMNC E. A. J. Burke initiierten Überarbeitung der mineralogischen Nomenklatur mit dem Ziel, Suffixe anstelle von Adjektivpräfixen zur Abgrenzung von Reihen-Endgliedern zu verwenden, wurde 2008 auch der Fluorapatit in Apatit-(CaF) umbenannt.[14] Zwei Jahre später wurde diese Umbenennung von einer neu gebildeten Unterkommission zur Überarbeitung der Nomenklatur der Minerale der Apatit-Supergruppe (englischNomenclature of the apatite supergroup minerals) wieder zurückgenommen; unter anderem, weil mehrere Suffixe schwer zu lesen, fast unmöglich auszusprechen, nicht sofort selbsterklärend und für das Auge unangenehm seien sowie viele traditionelle Namen ersetzt würden, die zu Ehren würdiger Persönlichkeiten vergeben wurden.[15] Seitdem wird das Mineral in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „2010 s.p.“ (special procedure) geführt.[1]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[17]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Fluorapatit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit ausschließlich großen Kationen; (OH usw.): RO4 = 0,33: 1“ zu finden, wo es zusammen mit Alforsit, Belovit-(Ce), Belovit-(La), Carbonat-Fluorapatit, Carbonat-Hydroxylapatit, Chlorapatit, Fluorphosphohedyphan, Fluorstrophit, Hydroxylapatit, Hydroxylapatit-M, Deloneit-(Ce), Fermorit (diskreditiert), Fluorcaphit, Hedyphan, Hydroxylpyromorphit, Johnbaumit, Kuannersuit-(Ce), Mimetesit, Morelandit, Phosphohedyphan, Pyromorphit, Svabit, Stronadelphit, Turneaureit und Vanadinit die „Apatit-Gruppe“ mit der Systemnummer 8.BN.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Fluorapatit die System- und Mineralnummer 41.08.01.01. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (A)5 (XO4)3 Zq“ in der „Apatitgruppe“, in der auch Apatit, Chlorapatit, Hydroxylapatit, Carbonat-Fluorapatit, Carbonat-Hydroxylapatit, Belovit-(Ce), Belovit-(La), Kuannersuit-(Ce), Fluorstrophit, Fluorcaphit, Deloneit-(Ce), Stronadelphit, Fluorphosphohedyphan und Phosphohedyphan eingeordnet sind.
Vor dem Lötrohr ist das Mineral nur sehr schwer schmelzbar und bildet eine farblose, glasartige Perle. Zusammen mit Phosphorsalz entsteht beim Erkalten in ungesättigter Lösung eine unklare, facettierte und bei vollkommener Sättigung eine milchweisse Perle. In Soda schwillt er unter Brausen an und mit Schwefelsäure befeuchtet, färbt er die Lötrohrflamme grünlich. Zudem ist Fluorapatit löslich in Salz- und Salpetersäure.[9]
Rosa Fluorapatit auf Muskovit aus Chumar Bakhoor im Hunzatal, Pakistan (Größe: 7,6 cm × 6,2 cm × 4,6 cm)Blauer, perfekt ausgebildeter Fluorapatit aus São Geraldo do Baixio, Doce valley, Minas Gerais, Brasilien
In der Schweiz fand sich Fluorapatit vor allem in den Kantonen Graubünden, Tessin, Uri und Wallis. Erwähnenswert aufgrund außergewöhnlicher Funde von Fluorapatit ist hier unter anderem Fiesch im Schweizer Kanton Wallis, wo Kristalle mit bis zu 10cm Durchmesser zutage traten.
Große Lagerstätten von massigem Fluorapatit wurden auf der russischen Halbinsel Kola bekannt, aus denen Kristallblöcke mit bis zu 300kg Gewicht gefördert wurden.
Im Zahnschmelz entsteht Fluorapatit z.B., wenn Hydroxylapatit, der ein Hauptbestandteil menschlicher Zähne ist, mit fluoridhaltigen Stoffen (beispielsweise Fluoridzahncremes) behandelt wird; er ist säureresistenter als Hydroxylapatit. Auch in Knochen kann Fluor eingelagert werden und sich in ihnen sogar dann noch anreichern, wenn sie als Fossilien tausende Jahre in Erdreich eingebettet sind. Dieser Umstand wurde vor allem zwischen 1950 und 1970 in Form der Fluor-Datierung für die Altersbestimmung von Knochenfunden genutzt.[21]
Fluorapatite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 10.November 2025(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.466 (englisch).
1234Fluorapatite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 10.November 2025(englisch).
↑Apatite Group.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 19.Juli 2022(englisch).
↑Patrick D. Roycroft, Martine Cuypers:The Etymology of The Mineral Name ‘Apatite’: A Clarification. In: Irish Journal of Earth Sciences. Band33, 2015, S.71–75, doi:10.3318/ijes.2015.33.71, JSTOR:10.3318/ijes.2015.33.71 (englisch).
↑Gustav Rose:Ueber die chemische Zusammensetzung der Apatite. In: Annalen der Physik. Band9, 1827, S.185–214;hier:196 (Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 10. November 2023 im Internet Archive) [PDF; 990kB; abgerufen am 25.Dezember 2025]): „Nennen wir die erstern Chlorapatite, die letztern Fluoroapatite…“
↑Ernst A. J. Burke:Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks. In: Mineralogical Record. Band39, Nr.2, 2008, S.131–135 (englisch, Digitalisat (Memento vom 25. Juli 2025 im Internet Archive) [PDF; abgerufen am 25.Dezember 2025]).
↑Marco Pasero, Anthony R. Kampf, Cristiano Ferraris, Igor V. Pekov, John R. Rakovan, Timothy J. White:Nomenclature of the apatite supergroup minerals. In: European Journal of Mineralogy. Band22, 2010, S.163–179, doi:10.1127/0935-1221/2010/0022-2022 (englisch, Digitalisat verfügbar bei pubs.geoscienceworld.org[PDF; 775kB; abgerufen am 25.Dezember 2025]).
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑
Fluorapatite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 54kB; abgerufen am 10.November 2025]).