Hedyphan kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und entwickelt dipyramidale und tafelige bis prismatische Kristalle von bis zu drei Zentimeter Größe mit einem glas- bis fettähnlichen oder auch diamantähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Daneben findet sich Hedyphan oft auch in Form massiger Mineral-Aggregate. In reiner Form ist Hedyphan farblos und durchsichtig. Meist wirkt er jedoch durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung durchscheinend weiß oder nimmt durch Fremdbeimengungen eine graue, braune, gelbe oder violette Farbe an.
Entdeckt wurde Hedyphan erstmals in der zur Gemeinde Filipstad gehörenden Erz-Lagerstätte und Grubengemeinde Långban in der schwedischen Provinz Värmlands län. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte 1830 durch August Breithaupt, der das Mineral aufgrund seines starken Glanzes nach dem altgriechischen Wort ἡδυφανἠς [hedyphanys] für „lieblich glänzend“ benannte.[11][12]
Hedyphan war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und allgemein als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Hedyphan theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. In der 1980 erfolgten Publikation der International Mineralogical Association (IMA): Commission on new minerals and mineral names wurde allerdings das 1889 vom schwedischen Mineralogen Lars Johan Igelström (1822–1897) erstbeschriebene und 1973 als identisch mit Hedyphan diskreditierte[4] Mineral Pleonektit (engl.: Pleonectite)[13] endgültig diskreditiert und der Name als Synonym dem Hedyphan zugeschrieben.[14] Da dies automatisch eine nachträgliche Ankerkennung von Hedyphan bedeutete, wird das Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 1980 s.p.“ (special procedure) geführt.[1]
Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[17]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Hedyphan in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4). Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich großen Kationen; (OH usw.):RO4=0,33:1“ zu finden, wo es zusammen mit Alforsit, Belovit-(Ce), Belovit-(La), Carbonat-Fluorapatit, Carbonat-Hydroxylapatit, Chlorapatit, Fluorphosphohedyphan, Fluorstrophit, Hydroxylapatit, Hydroxylapatit-M, Deloneit-(Ce), Fermorit (diskreditiert), Fluorapatit, Fluorcaphit, Hydroxylpyromorphit, Johnbaumit, Kuannersuit-(Ce), Mimetesit, Morelandit, Phosphohedyphan, Pyromorphit, Stronadelphit, Svabit, Turneaureit und Vanadinit die „Apatit-Gruppe“ mit der System-Nr. 8.BN.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Hedyphan die System- und Mineralnummer 41.08.02.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier ist er als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 41.08.02 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (A)5(XO4)3Zq“ zu finden.
Vor dem Lötrohr schmilzt Hedyphan zu einer weißen Fritte, jedoch bedeutend schwieriger als andere arsensaure Bleioxyde (z.B.: Mimetesit). Eine Blei-Reduktion ist mit dem Lötrohr nicht möglich.[11]
Als seltene Mineralbildung konnte Hedyphan nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 70 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2025).[18] Außer an seiner Typlokalität in der Grubengemeinde Långban sowie in den ebenfalls zur Gemeinde Filipstad gehörenden Orten Nordmark und Persberg in der Provinz Värmlands län trat das Mineral in Schweden noch in der Manganerz-Lagerstätte Sjögruvan bei Grythyttan (Gemeinde Hällefors) in der Provinz Örebro län sowie in der manganreichen Hämatit-Lagerstätte Fredriksgruvan 1 und Unga Assersorskan in der Gemeinde Norberg in der Provinz Västmanlands län auf.
In Deutschland fand sich Hedyphan bisher nur in der Grube Gottesehre bei Urberg in Baden-Württemberg und im Steinbruch „Schmitt“ bei Altenmittlau im hessischen Main-Kinzig-Kreis.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist eine Manganmineralisation im Gebiet „Fuchsalp-Fuchssee“ nahe Tweng im Bezirk Tamsweg, Salzburger Land.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Bulgarien, Chile, Griechenland, Irland, Italien, Japan, Mexiko, Namibia, Nordmazedonien, Papua-Neuguinea, Spanien, Tschechien, im Vereinigten Königreich (England) und den Vereinigten Staaten von Amerika (Arizona, Kalifornien, Nevada, New Jersey, Utah).[19]
Roland C. Rouse, Pete J. Dunn, Donald R. Peacor:Hedyphane from Franklin, New Jersey and Lângban, Sweden: cation ordering in an arsenate apatite. In: American Mineralogist. Band69, 1984, S.920–927 (englisch, minsocam.org[PDF; 891kB; abgerufen am 30.Dezember 2025]).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.643.
12Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band58, 1973, S.560–562;hier:562, Discredited Minerals. Pleonectite (Dana, 902). The type material = Hedyphane (englisch, minsocam.org[PDF; 348kB; abgerufen am 30.Dezember 2025]).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.467 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Hedyphane Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 30.Dezember 2025(englisch).
123456789
Hedyphane. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 30.Dezember 2025]).
1234Hedyphane.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 30.Dezember 2025(englisch).
↑Franz von Kobell:Die Mineral-Namen und die mineralogische Nomenklatur. J. G. Cotta’sche Buchhandlung, München 1853, S.72 (digitale-sammlungen.de[abgerufen am 30.Dezember 2025]).
↑Charles Palache, Harry Berman, Clifford Frondel:The System of Mineralogy of James Dwight Dana and Edward Salisbury Dana. 7. Auflage. Band2. John Wiley & Sons, New York u. a. 1951, S.902.
↑
International Mineralogical Association: Commission on New Minerals and Mineral Names. In: Mineralogical Magazine. Band43, Dezember 1980, S.1053–1055 (englisch, rruff.net[PDF; 191kB; abgerufen am 30.Dezember 2025]).