Wulfenit ist durchsichtig bis durchscheinend und entwickelt meist dünne, tafelige oder bipyramidale Kristalle, kann aber auch in körnigen bis derben Aggregaten auftreten. Sichtbare Kristallflächen weisen einen fettähnlichen bis diamantähnlichen Glanz auf. Die Farbe von Wulfenit variiert überwiegend zwischen gelb, orange und rot.
Wulfenit wurde erstmals im Jahre 1785 in Bad Bleiberg im österreichischen Bundesland Kärnten gefunden und nach seinem Erstbeschreiber Franz Xaver Freiherr von Wulfen (1728–1805) benannt, einem österreichischen Naturforscher.
Anlässlich des 175. Jubiläums seiner Namensgebung wurde Wulfenit 2020 zum „Mineral des Jahres“ in Österreich gewählt und die Gültigkeitszeit aufgrund eingeschränkter Durchführbarkeit öffentlicher Aktionen während der COVID-19-Pandemie auch auf das Jahr 2021 verlängert.[6]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/G.01-030. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ und dort der Abteilung „Molybdate [MoO4]2− und Wolframate [WO4]2−, Polywolframate“, wo Wulfenit zusammen mit Paraniit-(Y), Powellit, Scheelit, Stolzit und Suseinargiuit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/G.01 bildet.[7]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Wulfenit die System- und Mineralnummer 48.01.03.01. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Molybdate und Wolframate“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Molybdate und Wolframate mit A XO4“ in der Gruppe „Wulfenit-Reihe“, in der auch Stolzit eingeordnet ist.
In reiner Form ist Wulfenit farblos und durchsichtig bzw. durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung auch weiß. Durch Fremdbeimengungen von Calcium, Vanadium, Arsen, Chrom und/oder Titan kann er jedoch eine große Bandbreite an Farben annehmen, die von Hellgelb über Orange nach Rot reicht. Auch hell- bis dunkelblaue, grünliche, rötlichbraune bis schwarze Kristalle sind bekannt.
Wulfenit wird durch Säuren zersetzt und bildet mit Schwefelsäure und Ethanol eine blaue Lösung. Vor dem Lötrohr zerknistert Wulfenit und schmilzt leicht. Zusammen mit Kohle kann er zu Blei reduziert werden.[9]
Die bisher einzige bekannte Varietät ist der wolframhaltigeChillagit. Dieser wurde erstmals im Kupfer-, Blei- und Silbertagebau Christmas Gift nahe Chillagoe im australischen Bundesstaat Queensland entdeckt und 1912 durch Albert Thomas Ullman zunächst als neue Mineralart beschrieben.[10] Neuere Untersuchungen durch Christine M. Jury, Peter Leverett, Peter A. Williams, Ian R. Plimer und David E. Hibbs konnten allerdings nachweisen, dass Chillagit ein Mischkristall der Reihe Wulfenit–Stolzit (Pb[WO4]) mit der entsprechenden Mischformel Pb[(Mo,W)O4] ist.[11]
Durchsichtig-roter, dicktafeliger Wulfenit in Schmucksteinqualität
Bei lokaler Anhäufung wird Wulfenit aufgrund seines hohen Blei- und Molybdängehaltes als Erz abgebaut. Auch wenn Wulfenit mitunter schöne und klare Kristalle ausbildet, ist er als Schmuckstein für die kommerzielle Schmuckindustrie aufgrund seiner geringen Härte uninteressant. Von versierten Hobbyschleifern facettiert kann er für Sammler dennoch zu einem begehrten Tausch- oder Kaufobjekt werden.[14][15]
Anwendung findet Wulfenit als aktiver Kristall in akustooptischen Modulatoren, bei denen durch akustische Wellen Dichteschwankungen im Kristall erzeugt werden. Diese Dichteschwankungen wirken dann wie ein optisches Gitter und lenken Teile der einfallenden Lichtstrahlen je nach akustischer Frequenz ab.
W. Haidinger:Handbuch der Bestimmenden Mineralogie, enthaltend die Terminologie, Systematik, Nomenklatur und Charakteristik der Naturgeschichte des Mineralreiches. Braumüller & Seidel, Wien 1845, S.499–506 (rruff.info[PDF; 512kB; abgerufen am 24.September 2018]).
Wulfenite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 3.August 2024(englisch).
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.419 (englisch).
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Wulfenite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 54kB; abgerufen am 3.August 2024]).
12345Wulfenite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 3.August 2024(englisch).
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑A. T. Ullmann:A new mineral. In: Journal and Proceedings of the Royal Society of New South Wales. Band46, 1912, S.186 (englisch, online verfügbar auf biodiversitylibrary.org[abgerufen am 31.Oktober 2018]).
↑Christine M. Jury, Peter Leverett, Peter A. Williams, Ian R. Plimer, David E. Hibbs:Mineralogical note: the status of 'chillagite'. In: Australian journal of mineralogy. Band7, Nr.1, 2001, S.39 (englisch, Abstract bei der Western Sydney University online[abgerufen am 31.Oktober 2018]).
↑Localities for Wulfenite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 3.August 2024(englisch).
↑
Fundortliste für Wulfenit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgeerufem am 3. August 2024.
↑Walter Schumann:Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5.