Tafeliger und prismatischer Stolzit (orange) auf Vesuvianit (grün) mit schwarzen Manganoxid-Dendriten aus der Grube Kara Nr. 1, Hampshire, Burnie City, Tasmanien, Australien
Stolzit, auch unter verschiedenen, veralteten, bergmännischen Bezeichnungen wie Scheelbleierz, Wolframbleierz[8], Scheelbleispat(h) und Scheelsaures Blei[7] bekannt, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate, Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ mit der chemischen Zusammensetzung Pb(WO4)[2] und damit chemisch gesehen Bleiwolframat. Als dessen tetragonaleModifikation wird die Formel präziser auch mit β-Pb[WO4][3] angegeben.
Stolzit entwickelt meist dicktafelige bis kurzsäulige oder spitze, dipyramidale Kristalle, aber auch garbenförmige bis kugelige Aggregate von graugelber, brauner, orangegelber, roter oder grüner Farbe. Die Kristallflächen zeigen einen harz- bis diamantähnlichen Glanz.
Erstmals erwähnt wird das Mineral 1820 durch August Breithaupt in seiner Publikation Kurze Charakteristik des Mineral-Systems, der es als tetragonalen (Scheel-)Bleispath bezeichnet.[9] Seinen bis heute gültigen Namen Stolzit erhielt das Mineral 1845 durch Wilhelm Ritter von Haidinger, der es nach dem tschechischen Arzt und Mineraliensammler Johann Anton Stolz (1778–1855) aus Teplice[10] benannte. Dieser widmete einen Großteil seines Lebens dem Studium der Minerale und stellte das erste Exemplar von Stolzit für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung.[7]
Als Typlokalität gilt der Ort Cínovec (deutsch: Böhmisch Zinnwald) in Tschechien nahe der deutsch-tschechischen Grenze bzw. der nahegelegene, deutsche Ort Zinnwald-Georgenfeld im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.[11]
Da der Stolzit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Stolzit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Stolzit lautet „Sz“.[1]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Stolzit die System- und Mineralnummer 48.01.03.02. Das entspricht im Gegensatz zu den Strunz-basierten Systematiken der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Molybdate und Wolframate“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Molybdate und Wolframate mit A XO4“ in der Gruppe „Wulfenit-Reihe“, in der auch Wulfenit eingeordnet ist.
Die Verbindung des Bleiwolframats (PbWO4) ist dimorph und kommt in der Natur neben dem tetragonal kristallisierenden Stolzit noch als monoklin kristallisierender Raspit vor.
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Stolzitfunde ist unter anderem die Sainte-Lucie Mine bei Saint-Léger-de-Peyre im französischen Département Lozère, wo Kristalle von bis zu 6 Zentimeter Größe zutage traten. Bis zu 2,5 Zentimeter große Kristalle und Kristallnadeln kennt man aus Broken Hill im australischen Bundesstaat New South Wales und Tsumeb in Namibia.[15]
In Österreich fand man Stolzit erstmals im Stüblbau (Hangendlager Nordfeld und Südfeld) zu Schellgaden (Gemeinde Muhr) in Salzburg, wo er in der Scheelitvererzung in idiomorphen Kristallen vorkommt. Daneben soll Stolzit auch in einer Goldschlacke im Hüttwinkltal in der Gemeinde Rauris in Salzburg, aufgetreten sein.[16][17] Auch im Bleiberger Erzrevier in der gleichnamigen Marktgemeinde in Kärnten soll Stolzit gefunden worden sein.[18] Dem Gegenüber stehen allerdings mehrere Studien der geochemischen Charakteristik in der Bleiberg-Kreuther Blei-Zink-Lagerstätte durch Erich Schroll (1923–2008),[19] die als Hauptelemente erwartbar vor allem Blei und Zink sowie Calcium, Magnesium, Barium, Silicium und Fluor ausweisen, das für den Stolzit nötige Wolfram jedoch nicht einmal bei den Spurenelementen.[20][21]
Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist Tête Noire im Val Trient im Kanton Wallis.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Brasilien, Bulgarien, China, Griechenland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Mexiko, Neuseeland, Nigeria, Norwegen, Peru, Portugal, Russland, Schweden, Spanien, der Slowakei, Thailand, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (UK) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[22]
Farblose, tafelige Stolzitkristalle aus dem Bergwerk San Nicolás, Valle de la Serena, Badajoz, Extremadura, Spanien (Sichtfeld: 1,6 mm)
Hellgelber Stolzitkristall aus der Sainte-Lucie Mine, Frankreich (Größe: 5,3 cm × 5,4 cm × 2,1 cm)
Tafelige, hellgelbe Stolzitkristalle und prismatischer, dunkeloranger Raspitkristall aus Broken Hill, New South Wales, Australien
Stolzit-Kristalle auf Muttergestein aus dem Darwin District, Inyo County, California, USA (Größe: 27 × 27 × 26 mm)
W. Haidinger:Handbuch der Bestimmenden Mineralogie. Braumüller und Seidel, Wien 1845, S.504, Zweite Klasse: Geogenide. II. Ordnung. Baryte. VII. Bleibaryt. 7. Dystomer. Stolzit (digitale-sammlungen.de[abgerufen am 15.Februar 2026]).
C. Hlawatsch:Ueber den Stolzit und ein neues Mineral »Raspit« von Brokenhill. In: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien. Band12, 1897, S.33–41 (zobodat.at[PDF; 929kB; abgerufen am 15.Februar 2026]).
Stolzite search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 15.Februar 2026(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.419 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Stolzite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 15.Februar 2026(englisch).
123456789
Stolzite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 15.Februar 2026]).
12345Stolzite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 15.Februar 2026(englisch).
↑August Breithaupt:Kurze Charakteristik des Mineral-Systems. Freiberg 1820, S.14 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 15.Februar 2026]).
↑Johann Anton Stolz 1778–1855 (auch Johan Anton Stolz).In:historyofscience.cz.Live Map. History of Natural Sciences in the Czech Lands. Projekt der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Karlsuniversität, unterstützt vom Kulturministerium der Tschechischen Republik,abgerufen am 15.Februar 2026.
↑Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.152.
↑Manfred Puttner:Mottramit, Stolzit und andere Mineralien aus der Goldlagerstätte Schellgaden (Salzburg). In: Der Aufschluss. Band39, 1988, S.253–256.
↑Manfred Puttner:Das Bleiwolframat Stolzit und der Scheelit sowie Anmerkungen zum Wulfenit und zum Mottramit aus den Goldlagerstätten des Typus Schellgaden, Hohe Tauern. In: Carinthia II, Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Kärnten. 104. Jahrgang, Band184, 1994, S.383–390 (zobodat.at[PDF; 1,4MB; abgerufen am 15.Februar 2026]).
↑
Fundort Bleiberger Revier, Villach, Kärnten, Österreich mit Liste von Mineralfunden beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 23. Februar 2026.
↑Erich Schroll (1923–2008).In:geologie.or.at.Österreichische Geologische Gesellschaft,abgerufen am 23.Februar 2026.
↑Erich Schroll:Mineralparagenese und Mineralisation der Bleiberg-Kreuther Blei-Zink-Lagerstätte. In: Carinthia II, Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Kärnten. 63. Jahrgang, Band143, 1953, S.47–55;hier:52, Geochemische Charakteristik (zobodat.at[PDF; 4,5MB; abgerufen am 23.Februar 2026]).
↑Oskar Schulz, Erich Schroll:Die Pb-Zn-Lagerstätte Bleiberg-Kreuth. Stand der geowissenschaftlichen Forschung 1976, Projekte 2437, 2776 S. In: Verhandlungen der Geologischen Bundesanstalt. Band3, 1977, S.375–386 (zobodat.at[PDF; 686kB; abgerufen am 23.Februar 2026]).
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Fundortliste für Stolzit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 15. Februar 2026.