Powellit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und entwickelt meist dünntafelige bis dipyramidale Kristalle mit Harzglanz bis schwachem Diamantglanz auf den Oberflächen, findet sich aber auch in Form derber Massen, Krusten und Anflüge. Ebenfalls bekannt sind Pseudomorphosen nach Molybdänit.[8] In reiner Form ist Powellit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine graue, hellgelbe, grünlichgelbe, bräunlichgelbe oder blaue bis fast schwarze Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.
Namensgeber John Wesley Powell zwischen 1881 und 1894
Erstmals entdeckt wurde Powellit in Mineralproben aus dem Kupferbergwerk „Peacock“ nahe Cuprum im Bergbaubezirk der Seven Devils Mountains (Hells Canyon) etwa neunzig Meilen nördlich von Huntington und fünfzehn Meilen östlich des Snake River im Adams County des US-Bundesstaates Idaho. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte 1891 durch William Harlow Melville,[9] der das Mineral nach dem US-amerikanischen Geologen und Forscher John Wesley Powell (1834–1902) benannte.
Da der Powellit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Powellit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Powellit lautet „Pwl“.[1]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Powellit die System- und Mineralnummer 48.01.02.02. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Molybdate und Wolframate“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Molybdate und Wolframate mit A XO4“ in der Gruppe „Scheelit-Reihe“, in der auch Scheelit eingeordnet ist.
In der idealen Zusammensetzung von Powellit (CaMoO4) besteht das Mineral im Verhältnis aus je einem Teil Calcium (Ca) und Molybdän (Mo) sowie vier Teilen Sauerstoff (O) pro Formeleinheit. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 20,04Gew.-%Ca, 47,97Gew.-%Mo und 32,00Gew.-%O oder in der Oxidform 28,04Gew.-%Calciumoxid (CaO) und 71,96Gew.-%Molybdän(VI)-oxid (MoO3).[5][6]
Die genannten Werte werden im Allgemeinen nur bei synthetischen Verbindungen erreicht. Bei natürlich vorkommenden Powelliten können je nach Bildungsbedingungen die Massenanteile der Hauptkomponenten in geringem Umfang abweichen und formelfremde Beimengungen enthalten. So ergab beispielsweise die Analyse eines chemisch ähnlichen Materials aus dem westlichen Altaigebirge in Russland einen Anteil von 28,11Gew.-%CaO und 71,67Gew.-%MoO3 sowie 0,34Gew.-%Kupfer(II)-oxid (CuO), das möglicherweise aus dem ebenfalls dort entdeckten Malachit stammt.[6][13]
Als eher seltene Mineralbildung kann Powellit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 600 Fundorte dokumentiert (Stand 2024).[14] Neben seiner Typlokalität „Peacock“ trat Powellit noch an vielen weiteren Stellen in den USA von Alaska bis Wyoming auf.
In der Schweiz konnte das Mineral an einigen Stellen in den Kantonen Graubünden, Tessin und Wallis gefunden werden.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Brasilien, Bulgarien, Kanada, Chile, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Indien, Italien, Japan, Kasachstan, Marokko, Mexiko, der Mongolei, Namibia, Nicaragua, Norwegen, Russland, Schweden, Simbabwe, Somalia, Spanien, Südafrika, Tschechien, der Türkei und dem Vereinigten Königreich.[15]
W. H. Melville:Powellite – Calcium molybdate: A new mineral species. In: The American Journal of Science. Band141, 1891, S.138–141 (englisch, rruff.info[PDF; 179kB; abgerufen am 7.Juli 2024]).
V. B. Aleksandrov, L. V. Gorbatyii, V. V. Ilyukhin::Crystal structure of powellite CaMoO4. In: Soviet Physics – Crystallography. Band13, 1968, S.414–415 (englisch, rruff.info[PDF; 112kB; abgerufen am 7.Juli 2024]).
Powellite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 7.Juli 2024(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.419 (englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345678910111213
Powellite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 7.Juli 2024]).
123Powellite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 7.Juli 2024(englisch).
↑United States Geological Survey (Hrsg.):Bulletin 746. Geologic Literature on North America 1785–1918. U.S. Department of the Interior, Geological Survey, Washington, D.C. 1949, S.737 (englisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 8.Juli 2024]).
↑A. A. Potseluev, D. I. Babkin, V. I. Kotegov:The Kalguty complex deposit, the Gorny Altai: Mineralogical and geochemical characteristics and fluid regime of ore formation. In: Geology of Ore Deposits. Band48, Nr.5, 2006, S.384–401, doi:10.1134/s1075701506050047 (englisch).
↑Localities for Powellite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 7.Juli 2024(englisch).
↑
Fundortliste für Powellit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 7. Juli 2024.