Molybdänit kristallisiert je nach Polytyp im hexagonalen oder trigonalen Kristallsystem und findet sich meist in Form von krummblättrigen, schuppigen bis massigen Aggregaten, entwickelt aber selten auch sechseckige, tafelige Kristalle. Das Mineral ist im Allgemeinen undurchsichtig bis nahezu opak und zeigt auf den bleigrauen bis blauvioletten Oberflächen einen metallischen Glanz.
Mit einer Mohshärte von 1 bis 1,5 gehört Molybdänit zu den weichen Mineralen, dass sich ähnlich wie das Referenzmineral Talk mit dem Fingernagel ritzen bis schaben lässt.
Molybdänit wurde nicht nach seinem chemischen Bestandteil Molybdän benannt, sondern nach dem altgriechischen Wort μόλυβδοςmólybdos (Variante: μόλιβοςmólibos) für „Blei“. Unter dieser Bezeichnung (latinisiert auch molybdaena) wurden tatsächliche und vermeintliche Bleiminerale zusammengefasst.[7] Das Element Molybdän ist seinerseits nach dem Mineral benannt.
Das heutige Synonym Wasserblei wurde 1778 von Karl Wilhelm Scheele geprägt, der aus dem Mineral mithilfe von Salpetersäure ein bis dahin unbekanntes chemisches Element abscheiden konnte.[7] Dessen Schüler Peter Jacob Hjelm konnte schließlich 1781 metallisches, wenn auch stark kohlenstoffhaltiges, Molybdän darstellen.[8]
Da der Molybdänit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Molybdänit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Molybdänit lautet „Mol“.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/D.25-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall:S,Se,Te<1:1“, wo Molybdänit zusammen mit Castaingit (diskreditiert), Drysdallit, Jordisit, Rheniit und Tungstenit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/D.25 bildet.[4]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Molybdänit in die Abteilung „Metallsulfide mit M:S≤1:2“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis und den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M:S=1:2; mit Cu,Ag,Au“ zu finden, wo es zusammen mit Drysdallit, Jordisit und Tungstenit die „Molybdänitgruppe“ mit der Systemnummer 2.EA.30 bildet.[10]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Molybdänit die System- und Mineralnummer 02.12.10.01. Auch dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich in der „Molybdänitgruppe“, in der auch Drysdallit und Tungstenit eingeordnet sind.
In der idealen, stoffreinen Zusammensetzung von Molybdänit (MoS2) besteht das Mineral im Verhältnis aus je einem Atom Molybdän (Mo) und zwei Atomen Schwefel (S) pro Formeleinheit. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 59,94Gew.-%Mo und 40,06Gew.-%S.[11]
Das seltene Element Rhenium kommt immer in geringer Konzentration von etwa 0,1 bis 0,3%[7] anstelle des Molybdäns vor.
Die Kristallstruktur von Molybdänit ähnelt der von Graphit, wobei allerdings statt der einzelnen Graphitschichten wechselnde Schichten von Molybdän- und Schwefelteilchen vorliegen, die leicht gegeneinander verschiebbar sind.
Molybdänit ist in Aussehen und Härte dem Graphit sehr ähnlich, unterscheidet sich aber von diesem in der Strichfarbe. Diese ist beim Graphit schwarz bis stahlgrau, beim Molybdänit jedoch grünlichgrau bis bläulichgrau. Molybdänit fühlt sich fettig an und färbt ab.[13]
Das Mineral hat eine Dichte von 4,7 bis 4,8g/cm3 und ist normalerweise undurchsichtig. In dünnen Flocken ist Molybdänit allerdings durchscheinend und im Infrarotlicht fast durchsichtig.
Molybdänit lässt sich aufgrund seines hohen Schmelzpunktes von über 1900°C[7] nur schwer schmelzen. Vor dem Lötrohr ist er unschmelzbar, färbt aber die Flamme gelblichgrün (zeisiggrün). In Salpetersäure wird Molybdänit unter Abscheidung von MoO3 zersetzt und in Königswasser ist er löslich.[7]
Molybdänit-Kristallaggregat aus Øvrebø (Kommune Vennesla), Norwegen (Größe 5 cm)Molybdänit (dunkelsilbriggrau) – Quarz (mittelgrau) – Ader in alkalischem Granit (hellfarbige Gebiete) aus der Climax Mine, Lake County (Colorado), USA (Breite 5,3cm an der Basis)
Molybdänit ist das wichtigste Erzmineral zur Gewinnung von Molybdän. Sieht man vom extrem seltenen Rheniit ab, ist Molybdänit das einzige Mineral mit einer lohnenden Rheniumkonzentration, so dass er auch die wichtigste Rheniumquelle darstellt.
Neben Graphit ist er das wichtigste Mineral zur Herstellung von mineralischen Schmiermitteln (Festschmierstoffen).
Nachdem bisher vor allem Silicium und Graphen als Transistormaterial für Mikrochips bekannt waren, könnte nach bisherigen Forschungsergebnissen einer Schweizer Forschungsgruppe um Andras Kis von der ETH Lausanne zukünftig auch Molybdänit diese Aufgabe übernehmen. Dieser soll ähnlich wie Graphen in nur einer Atomlage herzustellen sein. Bei einer Schichtdicke von nur 0,65nm soll er dennoch die gleiche Elektronenbeweglichkeit wie eine Siliciumschicht von 2nm aufweisen. Die Energieeffizienz soll dagegen sogar um den Faktor 100.000 höher sein. Im Gegensatz zum Graphen, bei dem die für Halbleiter notwendige Bandlücke für das An- und Ausschalten eines Transistors künstlich erzeugt werden muss, ist sie beim Molybdänit bereits vorhanden.[16][17]
Richard Kirwan:Elements of Mineralogy. 2. Auflage. P. Elmsly, London 1796, S.319–323, Chapter XIX. Molybdenite. Molybdenum of Hielm (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 27. Januar 2022 im Internet Archive) [PDF; 241kB]).
Alexandre Brongniart:Traité Élémentaire de Minéralogie. 2. Auflage. Deterville, Paris 1807, S.91–93, 3e Genre. Molybdène. Esp. Molybdène sulfuré. Haüy (französisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 6. Juni 2024 im Internet Archive) [PDF; 196kB; abgerufen am 15.August 2026]).
MineralNamee search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 15.August 2026(englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Molybdenite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 51kB; abgerufen am 15.August 2026]).
12Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.336.
12Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.102 (englisch).
↑Martin Okrusch, Siegfried Matthes:Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer, Berlin [u.a.] 2005, ISBN 3-540-23812-3, S.38.
↑Hans-Dieter Jakubke, Ruth Karcher (Hrsg.):Lexikon der Chemie. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2001, ISBN 978-3-8274-0552-4.
↑
Fundortliste für Molybdänit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 15. August 2026.
↑Willem Ongena:Molybdänit: Transistor der Zukunft?Energie & Technik,16.März 2011,archiviertvomOriginal(nicht mehr online verfügbar)am20.Februar 2025;abgerufen am 15.August 2026.