Mottramit ist das Kupfer-Analogon zu Descloizit (PbZn[OH|VO4][4]) und bildet mit diesem eine lückenlose Mischreihe. In natürlichem Mottramit ist daher meist ein geringer Teil Kupfer durch Zink ersetzt (substituiert), was in der Formel mit in runden Klammern gesetzten Elementsymbolen ausgedrückt wird: Pb(Cu,Zn)[OH|VO4].[5] In jedem Mischungsverhältnis bilden sich orthorhombische Kristalle mit ähnlichen kristallographischen und physikalischen Eigenschaften. Allerdings ändert sich die Farbe immer mehr in ein bräunliches, fast schwarzes Rot, je höher der Zinkanteil wird. Beim kupferreichen Mottramit ist die Farbe dagegen olivgrün bis schwarzgrün.[10]
Das Mineral entwickelt meist unterschiedlich gut geformte Kristalle, kommt aber auch in Form traubiger, dendritischer oder massiger Aggregate sowie Kusten und Überzüge vor. Häufig finden sich auch verschiedene Pseudomorphosen von Mottramit nach Calcit oder Kupfer.
Da der Mottramit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Mottramit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[4] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Mottramit lautet „Mott“.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/B.27-030. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Phosphate, mit fremden Anionen F,Cl,O,OH“, wo Mottramit zusammen mit Arsendescloizit, Čechit, Descloizit und Pyrobelonit die „Descloizitgruppe“ mit der Systemnummer VII/B.27 bildet.[6]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Mottramit die System- und Mineralnummer 41.05.02.02. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)2(XO4)Zq“ in der „Descloizitgruppe“, in der auch Descloizit, Pyrobelonit, Čechit und Duftit-Alpha eingeordnet sind.
Als eher seltene Mineralbildung kann Mottramit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 470 Vorkommen dokumentiert (Stand 2026).[14] Neben seiner Typlokalität Mottram trat das Mineral im Vereinigten Königreich noch an mehreren Orten in den Grafschaften Cornwall, Cumbria und Leicestershire sowie in der „Pim Hill Mine“ bei Shrewsbury und im Steinbruch „Judkins“ bei Nuneaton in England auf. In Schottland konnte Mottramit unter anderem in der Umgebung von Wanlockhead (Dumfries and Galloway) und Leadhills (Strathclyde) gefunden werden.
Reichhaltige Mottramitfunde kennt man vor allem aus der Tsumeb Mine in Namibia, wo neben unterschiedlichen Paragenesen auch Pseudomorphosen nach Calcit und Kupfer zutage traten.
In Deutschland trat das Mineral bisher vor allem im Schwarzwald (z.B. Grube Clara) in Baden-Württemberg, in der Gemeinde Lautertal im hessischen Odenwald, bei Bad Lauterberg und Sankt Andreasberg in Niedersachsen, in der Grube „Ferdinande“ nahe Heiligenhaus im Kreis Mettmann in Nordrhein-Westfalen, an mehreren Orten in der Eifel (Andernach, Ettringer Bellerberg), von Nordrhein-Westfalen bis Rheinland-Pfalz, bei Krettnich/Wadern im Saarland, bei Sayda und Schneeberg im sächsischen Erzgebirge sowie an der Nordküste von Helgoland in Schleswig-Holstein auf.
In Österreich fand sich Mottramit bisher im Kleinelendtal in der Ankogelgruppe und im Dornergraben (nächst Plachgraben) in der Koralpe in Kärnten,[15] am Nasenkopf im Habachtal sowie in der Grube „Stüblbau“ bei Schellgaden in der Salzburger Region Lungau (Bezirk Tamsweg),[16] im Basalt-Steinbruch in der steiermarker Gemeinde Klöch und in der Grube „Fuchsloch“ im Tiroler Teil des Inntals.
In der Schweiz ist Mottramit bisher nur vom Albignagletscher im Kanton Graubünden und aus Saint-Luc VS im Kanton Wallis bekannt.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Bolivien, Brasilien, Chile, Frankreich, Gabun, Kanada, Kirgisistan, der Demokratischen Republik Kongo (Zaire), Italien, Japan, Madagaskar, Mexiko, Polen, Russland, Sambia, Schweden, Spanien, Südafrika, Tschechien sowie mehrere Bundesstaaten in den USA.[17]
Mottramit mit Calcit (Größe 8,8 × 7,3 × 4,3cm)
...und mit Cerussit (Größe 3,4 × 3,2 × 2,7cm) aus der „Tsumeb Mine“, Namibia
Mottramit-Pseudomorphose nach Calcit... (Größe 3,0 × 3,0 × 1,3cm)
...und nach Kupfer aus demselben Fundort (Größe 3,1 × 1,2 × 0,2cm)
Vanadinit (rot), Mottramit (schwarz) und Baryt (weiß) aus Bergbaurevier Mibladen, Provinz Midelt, Marokko (Größe 5,2 × 2,8 × 2,1cm)
Mottramit (grünlichgelb) und Chrysokoll (bläulich) aus der Long Chance & Vanelmart Mine, Mono County, Kalifornien, USA (Gesamtgröße: 8,0 × 3,0 × 3,4cm)
H. E. Roscoe:On two new vanadium minerals. In: Proceedings of the Royal Society of London. Band25, 1876, S.109–112, doi:10.1098/rspl.1876.0023 (englisch, royalsocietypublishing.org[PDF; 585kB; abgerufen am 21.Februar 2026]).
Mark A. Cooper, Frank C. Hawthorne:The crystal structure of mottramite, and the nature of Cu⇌Zn solid solution in the mottramite–descloizite series. In: The Canadian Mineralogist. Band33, Nr.5, 1995, S.1119–1124 (englisch, Download verfügbar bei researchgate.net[PDF; 540kB; abgerufen am 21.Februar 2026]).
Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.167.
Mottramite search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 21.Februar 2026(englisch).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.645.
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.459 (englisch).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345678
Mottramite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 21.Februar 2026]).
123456Mottramite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 21.Februar 2026(englisch).
↑H. E. Roscoe:On two new vanadium minerals. In: Proceedings of the Royal Society of London. Band25, 1876, S.109–112, doi:10.1098/rspl.1876.0023 (englisch, royalsocietypublishing.org[PDF; 585kB; abgerufen am 21.Februar 2026]).
↑Localities for Mottramite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 21.Februar 2026(englisch).
↑Manfred Puttner:Mottramit, Vanadinit und Mimetesit aus dem Koralpenmarmor im Dornergraben, Lavanttal (Kärnten). In: Carinthia II, Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Kärnten. 106. Jahrgang, Band186, 1996, S.183–186 (zobodat.at[PDF; 1,9MB; abgerufen am 21.Februar 2026]).
↑Manfred Puttner:Das Bleiwolframat Stolzit und der Scheelit sowie Anmerkungen zum Wulfenit und zum Mottramit aus den Goldlagerstätten des Typus Schellgaden, Hohe Tauern. In: Carinthia II, Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Kärnten. 104. Jahrgang, Band184, 1994, S.383–390 (zobodat.at[PDF; 1,4MB; abgerufen am 21.Februar 2026]).
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Fundortliste für Mottramit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 21. Februar 2026.