Tangeit entwickelt schuppige, kurzprismatische oder blättrige bis dünntafelige Kristalle mit bis zu drei Millimetern Länge und spitzwinkligen Enden, die oft in rosettenförmigen Mineral-Aggregaten angeordnet sind. Er findet sich aber auch in Form traubiger bis kugeliger, faseriger oder massiger Aggregate und krustiger Überzüge. Die durchsichtigen Kristalle sind von hell- bis dunkelgrüner, gelblichgrüner oder grauer Farbe und zeigen auf den Oberflächen einen glasähnlichen Glanz.
Erstmals entdeckt wurde Tangeit in der sogenannten Glavnaya-Ader (russisch главная жила glawnaja schila), einer Kupfer-Vanadium-Uran-Lagerstätte bei Tyuya-Muya (Tyuya-Muyun) im Gebiet Osch in Kirgisistan und beschrieben 1925 durch Alexander Jewgenjewitsch Fersman, der das Mineral nach seiner ersten Fundstätte (Typlokalität) in der Tangeschlucht innerhalb des Ferghanatals benannte.
Teilweise wird als Synonym für Tangeit die Bezeichnung Calciovolborthit verwendet, allerdings ist die genaue Identität der Zusammensetzung des ursprünglich von Heinrich Credner 1848 als Kalkvolborthit[9] benannten und in Friedrichroda in Thüringen zusammen mit Volborthit entdeckten Materials zweifelhaft. Da es sich beim Calciovolborthit ebenso um Tangeit wie um Vésigniéit handeln könnte, wurde der Mineralname 2006 von der CNMNC zusammen mit vielen anderen endgültig diskreditiert.[10]
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/B.26-060. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Phosphate, mit fremden Anionen F,Cl,O,OH“, wo Tangeit zusammen mit Adelit, Austinit, Cobaltaustinit, Duftit, Gabrielsonit, Gottlobit, Hermannroseit, Konichalcit und Nickelaustinit die „Adelitgruppe“ mit der Systemnummer VII/B.26 bildet.[5]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Tangeit in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen (OH usw.) zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und meist großen Kationen; (OH usw.):RO4=1:1“ zu finden ist, wo es zusammen mit Adelit, Arsendescloizit, Austinit, Cobaltaustinit, Duftit, Gabrielsonit, Gottlobit, Konichalcit und Nickelaustinit die „Adelitgruppe“ mit der Systemnummer 8.BH.35 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Tangeit die System- und Mineralnummer 41.05.01.06. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“, wo das Mineral zusammen mit Adelit, Arsendescloizit, Austinit, Cobaltaustinit, Duftit-beta, Gabrielsonit, Gottlobit, Konichalcit und Nickelaustinit in der „Adelitgruppe“ mit der Systemnummer 41.05.01 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)2(XO4)Zq“ zu finden ist.
Als seltene Mineralbildung konnte Tangeit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2015) rund 50 Fundorte[12] als bekannt gelten. Neben seiner Typlokalität, der Glavnaya-Ader, und der nahe gelegenen Zelenaya-Höhle bei Tyuya-Muya (Tyuya-Muyun) trat das Mineral in Kirgisistan am Berg Kara-Chagyr etwa 38km südöstlich von Fargʻona (Fergana) und damit im kirgisischen Teil des Ferghanatal zutage.
In Deutschland konnte Tangeit unter anderem in der Grube „Floßberg“ bei Bad Lauterberg im Harz in Niedersachsen; am Nickenicher Weinberg (Sattelberg), im Tagebau „Kahlenberg“ (Auf'm Kopp) bei Oberstadtfeld und im Steinbruch „Caspar“ am Ettringer Bellerberg in der rheinland-pfälzischen Vulkaneifel; an der Südwestküste der Insel Helgoland in Schleswig-Holstein sowie in der Grube „Glückstern“ am Berg Gottlob bei Friedrichroda in Thüringen gefunden werden.
In Österreich fand man das Mineral bisher nur in den Kalksteinbrüchen „Dullinger“ (Nr. 21) und „Lienbach“ (Nr. 22b) in der Salzburger Gemeinde Adnet.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Chile, Italien, Kanada, Mexiko, Namibia, Russland, im Vereinigten Königreich (UK) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[13]
К. А. Ненадкевич, П. А. Волков:О новом Минерале – Тангеите из Тюямуюна. In: Доклады Академии наук. 1926, S.43–46 (russisch, rruff.info[PDF; 194kB; abgerufen am 13.Dezember 2023] französische Übersetzung: K. Nenadkevič, P. Volkov: La tanguéite - nouvell espèce minérale des mines de Tjuja Moujoun en Ferghana. In: Comptes Rendus (Doklady) de l’Académie des Sciences de l’URSS.).:
R. Basso, L. Zefiro:Mineral nomenclature: status of calciovolborthite and tangeite. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. 1994, S.205–208 (englisch).
John Leslie Jambor, Andrew C. Roberts:New mineral names. In: American Mineralogist. Band80, 1995, S.184–188, Tangeit ab S. 185 (englisch, rruff.info[PDF; 486kB; abgerufen am 29.Dezember 2023]).
Tangeite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 13.Dezember 2023(englisch).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.645.
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.458 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234
Tangeite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 53kB; abgerufen am 13.Dezember 2023]).
123456Tangeite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 13.Dezember 2023(englisch).
↑H. Credner:Ueber das Vorkommen des vanadinsauren Kupfers und des Mangankupfers bei Friedrichsrode am Thüringer Wald. In: J. C. Poggendorff (Hrsg.): Annalen der Physik und Chemie. Band74/150, 1848, S.546–558 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 13.Dezember 2023]).
↑Ernst A. J. Burke:A mass discreditation of GQN Minerals. In: The Canadian Mineralogist. Band44, 2006, S.1557–1560, doi:10.2113/gscanmin.44.6.1557 (englisch, rruff.info[PDF; 119kB; abgerufen am 28.März 2025]).