Chalkosin kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und entwickelt meist prismatische, tafelige und durch Zwillingsbildung auch pseudohexagonale Kristalle. Des Weiteren findet er sich in Form körniger bis massiger Aggregate. Frische Proben sind zunächst von bleigrauer bis stahlgrauer Farbe und metallischem Glanz. Mit der Zeit laufen sie jedoch schwarz an und werden matt.
Den bis heute gültigen Namen Chalkosin erhielt das Mineral 1832 durch François Sulpice Beudant, der die Bezeichnung aus dem griechischen Wort χαλκός chalkos für Kupfer ableitete.[9]
Bekannt war das Mineral allerdings mindestens seit dem 16. Jahrhundert. Nachweislich verwendete Lazarus Ercker die bergmännische Bezeichnung „Kupffer glaß ertz“ (also Kupferglaserz oder kurz Kupferglas) in seinem 1580 herausgegebenen Werk Beschreibung der allerfürnemsten Mineralischen Erzt und Bergwerksarten.[10] Auch in Abraham Gottlob Werners Werk, das von Christian August Siegfried Hoffmann 1789 unter dem Titel Mineralsystem des Herrn Inspektor Werners mit dessen Erlaubnis herausgegeben wurde, findet sich noch der Begriff Kupferglas, aufgeteilt in dichtes und blättriges Kupferglas.[11] In Johann Friedrich Ludwig Hausmanns Werk Handbuch der Mineralogie (1. Auflage herausgegeben 1813) ist das Mineral dann unter der Bezeichnung Kupferglanz (siehe auch Glanze) zu finden.[12]
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Chalkosin zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide etc. mit [dem Stoffmengenverhältnis] M:S>1:1“, wo er zusammen mit Berzelianit die „Chalkosin-Berzelianit-Gruppe“ mit der System-Nr. II/A.01 und den weiteren Mitgliedern Djurleit und Weissit bildete.
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[13]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Chalkosin in die Abteilung der „Metallsulfide, M:S>1:1 (hauptsächlich 2:1)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Kupfer (Cu), Silber (Ag), Gold (Au)“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 2.BA.05a bildet.
Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Chalkosin ebenfalls in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er als alleiniger Namensgeber in der „Chalkosingruppe (Formel: Cu2-xS)“ mit der System-Nr. 02.04.07 und den weiteren Mitgliedern Anilith, Digenit, Djurleit, Geerit, Roxbyit und Spionkopit innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=2:1“ zu finden.
Bei einer Temperatur von über 103°C geht Tief-Chalkosin in die hexagonale Modifikation über und wird entsprechend als Hoch-Chalkosin oder auch Hoch-Kupferglanz bezeichnet. Die Raumgruppe von Hoch-Chalkosin ist RaumgruppeP63/mmc(Raumgruppen-Nr. 194)Vorlage:Raumgruppe/194 und die Gitterparameter betragen a=3,95Å und c=6,75Å bei 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[5]
Chalkosin mit Covellin, Pyrit und Quarz aus der „Leonard Mine“, Butte, Montana, USA (Gesamtgröße der Stufe: 8,0 × 5,9 × 2,4 cm)Chalkosin und Bornit aus der „Flambeau Mine“, Ladysmith, Rusk County, Wisconsin, USA (Größe: 2,9 × 2,8 × 1,9 cm)
Als häufige Mineralbildung ist Chalkosin an vielen Fundorten anzutreffen, wobei weltweit bisher rund 6400 Fundorte dokumentiert sind (Stand 2023).[14] Bei den bekannten Fundstätten können hauptsächlich zwei Bildungsarten unterschieden werden:
In absteigenden (deszendenten) Sedimentations- und Zementationszonen reichert sich Chalkosin oft durch Ausfällen von kupfersulfathaltigen Lösungen an, wobei andere Sulfide verdrängt werden. Viele dieser erzreichen Zementationszonen und Ganglagerstätten sind vor allem in Europa und den USA inzwischen abgebaut und der Abbau von eher armen porphyrischen Kupfererzlagerstätten ist oft nur bei sekundären Anreicherungen wirtschaftlich möglich. Bekannte Lagerstätten sind hier unter anderem die Bingham Canyon Mine (Utah) und Bisbee (Arizona) in den USA sowie Cerro de Pasco in Peru.[16] Von großer Bedeutung sind auch die Kupferschiefer bei Mansfeld-Sangerhausen in Deutschland, die Kupfermergel in der Umgebung von Legnica in Polen,
Qonyrat (Kounrad) in Kasachstan, Olmaliq (Almalyk) in Usbekistan sowie das mittelasiatische Altaigebirge.[15]
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Chalkosinfunde sind außerdem die „M’Sesa Mine“ bei Kambove (Provinz Katanga) in der Demokratischen Republik Kongo, wo bis zu 25cm große Kristalle gefunden wurden. Gut ausgebildete Kristalle mit mehreren Zentimetern Durchmesser traten auch bei Redruth und St Just (England) im Vereinigten Königreich, Bristol (Connecticut) und in der „Flambeau Mine“ bei Ladysmith (Wisconsin) in den USA auf.[17]
Chalkosin war bis zur Erschöpfung der ergiebigsten Abbaugebiete in England und den USA ein wichtiger Rohstoff zur Gewinnung von Kupfer. Heute spielt Chalkosin neben anderen Kupfersulfiden wie Bornit und Covellin noch eine große Rolle als Erzmineral in schichtgebundenen Lagerstätten wie z.B. um Lubin in Niederschlesien, Polen.
John Hill:Of vitriolic minerals. In: A History of the Materia Medica. Longman, Hitch and Hawes, London 1751, S.140–147 (englisch).
Martin Okrusch, Siegfried Matthes:Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer, Berlin [u.a.] 2005, ISBN 3-540-23812-3, S.32.
Chalcocite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 4.Mai 2020(englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.62.
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Chalcocite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 66kB; abgerufen am 4.Mai 2020]).
↑Chalcocite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 8.Mai 2023(englisch).
↑F. S. Beudant:Chalkosine, cuivre sulfuré. In: Traité Élémentaire de Minéralogie. Band2, 1832, S.408–410 (rruff.info[PDF; 119kB; abgerufen am 4.Mai 2020]).
↑Hans Lüschen:Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S.260 (als Kupferglanz).
↑C. A. S. Hoffmann:Mineralsystem des Herrn Inspektor Werners mit dessen Erlaubnis herausgegeben von C A S Hoffmann. In: Bergmannisches Journal. Band1, 1789, S.369–398 (rruff.info[PDF; 2,0MB; abgerufen am 9.Mai 2023]).
↑Johann Friedrich Ludwig Hausmann:Handbuch der Mineralogie. Band1. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1813, S.142 (Digitalisat des MDZ[abgerufen am 9.Mai 2023]).
12Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.297–298.