Stark:[4] X = gelb bis farblos Y = gelblichbraun bis rötlichorange Z = gelborange bis dunkelorangerot
Goethit (IMA-Symbol Gth[2]), auch als Nadeleisenerz oder Brauner Glaskopf bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung α-Fe3+O(OH) und damit chemisch gesehen ein Eisenhydroxid.
Goethit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt meist nadel- bis radialstrahlige oder prismatische Kristalle, aber auch traubige bis nierige Aggregate von schwarzbrauner bis schwarzer oder durch Verwitterung hellgelber Farbe. Seine Strichfarbe ist dagegen gelbbraun. Das Mineral ist im Allgemeinen undurchsichtig und allenfalls an dünnen Kanten durchscheinend. Frische, kristalline oder traubige Goethitproben zeigen einen metallischen Glanz, angewitterte oder feinnadelige Aggregate dagegen einen samtartigen Glanz (Samtblende). Auch buntfarbig irisierend angelaufene Goethitknollen sind bekannt.
Als Hauptbestandteil von Limonit wird diese Bezeichnung oft auch synonym für Goethit verwendet.
Johann Wolfgang von Goethe, zwischen 1808 und 1809
Johann Georg Lenz gebrauchte 1806 erstmals für das nach dem deutschen Dichter (und Bergbaubeamten) Johann Wolfgang von Goethe benannte Mineral die Bezeichnung Goethit (ursprünglich Göthit). Die Namensgebung erfolgte durch Vermittlung von Ludwig Wilhelm Cramer auf Vorschlag des Pfarrers Heinrich Adolf Achenbach (1765–1819) und des Bergmeisters Johann Daniel Engels (1761–1828), beide aus Siegen, die für das Mineral den Namen Göthenit bzw. Goethenit vorschlugen. Friedrich Wilhelm Riemer veranlasste Johann Georg Lenz, den Namen auf Goethit abzuändern.[6]
Als Typlokalität (erster Fundort) gilt die Eisenerzgrube Hollertszug im Landkreis Altenkirchen in Rheinland-Pfalz. Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist bisher jedoch nicht bekannt.[7]
Goethit war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und allgemein als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Goethit theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. In der 1980 erfolgten Publikation der International Mineralogical Association (IMA): Commission on new minerals and mineral names wurde allerdings das von B. Ježek 1912 erstbeschriebene Mineral Allcharit (benannt nach der gleichnamigen Golderz-Lagerstätte im heutigen Nordmazedonien) als identisch mit Goethit diskreditiert und der Name als Synonym dem Goethit zugeschrieben.[8] Da dies automatisch eine nachträgliche Ankerkennung von Goethit bedeutete, wird das Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 1980 s.p.“ (special procedure) geführt.[1]
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. IV/F.06-30. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der erweiterten Abteilung „Hydroxide und oxidische Hydrate (wasserhaltige Oxide mit Schichtstruktur)“, wo Goethit zusammen mit Akaganeit, Böhmit, Diaspor, Feitknechtit, Feroxyhyt, Groutit, Lepidokrokit, Manganit, Schwertmannit und Tsumgallit eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe bildet.[9]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Goethit ebenfalls in die Abteilung der „Hydroxide (ohne V oder U)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit von Hydroxidionen und/oder Kristallwasser sowie nach der Kristallstruktur, sodass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Hydroxide mit OH, ohne H2O; mit Ketten aus kantenverknüpften Oktaedern“ zu finden ist, wo es zusammen mit Bracewellit, Diaspor, Groutit, Guyanait, Montroseit und Tsumgallit die „Diasporgruppe“ mit der System-Nr. 4.FD.10 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Goethit in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“ ein. Hier ist er zusammen mit Bracewellit, Diaspor, Groutit, Montroseit und Tsumgallit in der „Diasporgruppe (Orthorhombisch, Pnma oder Pnmd)“ mit der System-Nr. 06.01.01 innerhalb der Unterabteilung der „Hydroxide und hydroxyhaltigen Oxide mit der Formel: X3+O OH“ zu finden.
In der idealen, stoffreinen Zusammensetzung von Goethit (FeOOH) besteht das Mineral im Verhältnis aus einem Eisen- sowie zwei Sauerstoff- und einem Wasserstoffatom. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 62,85Gew.-%Fe, 36,01Gew.-%O und 1,13Gew.-%H.[11]
Der Wassergehalt beim Goethit beträgt rund 10Gew.-%[4], kann aber variieren. Daneben konnten in Spuren Fremdbeimengungen wie unter anderem Phosphor, Vanadium, Silicium, Barium, Calcium und andere gemessen werden.[12]
Das Mineral ist im Normalzustand antiferromagnetisch.[15] Beim Erhitzen vor dem Lötrohr ist es nur an den Kanten schmelzbar und wird magnetisch. Im Kolben gibt es Wasser ab und färbt sich rot.[14] Mit steigender Temperatur wandelt sich Goethit schließlich unter Abspaltung von Wasser zu Fe2O3 um.[13]
Die Verbindung Fe3+O(OH) ist trimorph, kommt also neben dem orthorhombisch kristallisierenden Goethit noch als trigonal kristallisierender Feroxyhyt und als ebenfalls orthorhombisch, wenn auch mit anderer Raumgruppe und anderen Zellparametern, kristallisierender Lepidokrokit vor.
Als Samtblende wird eine kastanienbraune bis ockergelbe Goethit-Varietät bezeichnet, die kugelige Aggregate mit samtartiger Oberfläche bildet.
Unter dem Begriff Eisenoolith (auch Eisenrogenstein) versteht man im Allgemeinen ein oolithisches Eisenerz[16] und im Speziellen einen knollig-schalig aufgebauten Goethit beziehungsweise Limonit-Bohnerz.[9]
Goethit (Nadelerz) mit Calcit und Quarz aus MarokkoPerfekte Pseudomorphose von Goethit nach GipsTeilweise Oxidation von Pyrit (weiß) zu Goethit (hellgrau) in einem polierten Dünnschliff
Goethit kann sich auch primär in Hydrothermaladern bilden, dann findet er sich meist in Hohlräumen von Vulkangesteinen wie beispielsweise Pegmatit. Als Sumpf- und Brauneisenerz (Limonit) kommt er zudem in sedimentären Erzlagerstätten vor. Normaler Rost besteht ebenfalls hauptsächlich aus Goethit.
Als häufige Mineralbildung ist Goethit an vielen Orten anzutreffen, wobei weltweit bisher über 8000 Fundstätten dokumentiert sind (Stand 2022).[17] Außer an seiner Typlokalität in der Grube Hollertszug fand sich das Mineral in Rheinland-Pfalz noch in zahlreichen Gruben in verschiedenen Landkreisen wie unter anderem Ahrweiler, Altenkirchen, Birkenfeld, Donnersbergkreis, Kusel, Mayen-Koblenz, Rhein-Lahn und Vulkaneifel. Auch in anderen Bundesländern Deutschlands sind viele Fundstätten für Goethit bekannt.[18]
In Österreich kennt man Goethit unter anderem aus dem Burgenland (Eisenstadt, Oberpullendorf, Oberwart), Kärnten (Sankt Veit an der Glan, Spittal an der Drau), Niederösterreich (Horn, Krems, Neunkirchen), Oberösterreich (Steyr-Land), Salzburg (St. Johann im Pongau, Zell am See), der Steiermark (Bruck-Mürzzuschlag, Leoben), Tirol (Kitzbühel, Kufstein) und Vorarlberg (Bludenz).[18]
In der Schweiz konnte Goethit unter anderem in den Kantonen Aargau (Laufenburg), Bern (Interlaken-Oberhasli), Graubünden (Albula, Surselva), Schaffhausen (Schleitheim, Thayngen), Tessin (Leventina, Lugano), Wallis (Binntal, Saint-Luc, Lötschental) gefunden werden.[18]
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Goethitfunde sind unter anderem Příbram in Tschechien, wo reichhaltige, traubenförmige Goethit-Aggregate entdeckt wurden, sowie die Botallack Mine und Redruth in Cornwall (England) mit bis zu fünf Zentimeter langen, nadelförmigen Goethit-Kristallfunden.[19]
Goethit wurde im Dezember 2004 von der Raumsonde „Spirit“ auch auf der Marsoberfläche nachgewiesen. NASA-Wissenschaftler werten dies als einen der sichersten Nachweise für ehemals flüssiges Wasser auf dem roten Planeten, da Goethit sich nur in Zusammenhang mit Wasser bildet.
Goethit hat als Rohstoff heute keine herausragende Bedeutung mehr, historisch spielte es eine Rolle als Eisenerz. In Form von Limonit wird es heute noch als Farbpigment verwendet (Brauner Ocker).
F. Čech, Z. Johan:Identité de l´allcharite et de la goethite. In: Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie. Band92, 1969, S.99–100 (französisch, rruff.info[PDF; 772kB; abgerufen am 8.August 2022]).
Hexiong Yang, Ren Lu, Robert T. Downs and Gelu Costin:Goethite, α–FeO(OH), from single–crystal data. In: Acta Crystallographica. E62, 2006, S.i250–i252 (englisch, rruff.info[PDF; 189kB; abgerufen am 7.August 2022]).
Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Nebel Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.110.
David Barthelmy:Goethite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 7.August 2022(englisch).
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1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.235.
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12345Goethite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 8.August 2022(englisch).
↑Horst Franke, Volker Wahl:Zur Entstehung des Mineralnamens „Göthit“. In: Goethe-Jahrbuch. Band95, 1978, S.241ff. (digizeitschriften.de[abgerufen am 7.August 2022]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.425.
↑Otto Lueger (Hrsg.):Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften. 2. Auflage. Band3. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, Leipzig 1906, S.368 (online verfügbar auf zeno.org[abgerufen am 24.Januar 2019] Eisenoolith).
↑Localities for Goethite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 8.August 2022(englisch).
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Fundortliste für Goethit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 8. August 2022.
↑Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.110.