Akaganeit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der idealisierten Zusammensetzung β–Fe3+O(OH,Cl)[4], ist also chemisch gesehen ein Eisen(III)-oxidhydroxid mit Eisen in der Modifikation β–Fe. Die in den runden Klammern angegebenen Formelteile Hydroxidion und Chlor können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.
Akaganeit entwickelt nur mikroskopisch kleine, spindelförmige Kristalle bis etwa fünf Mikrometer Länge mit diamant- bis metallähnlichem Glanz, die oft in büscheligen Mineral-Aggregaten angeordnet sind. Im Allgemeinen findet er sich aber in Form feinkörniger bis massiger Aggregate und erdig-matter, pulvriger Überzüge. Die Kristalle selbst sind durchsichtig bis durchscheinend, auch wenn Aggregatformen eher undurchsichtig wirken. Die Farbe des Minerals variiert zwischen gelblichbraun und rostbraun, seine Strichfarbe dagegen immer gelblichbraun.
Das Mineral wurde erstmals durch M. Nambu von der Sendai Universität im Kupferbergwerk „Akagane“[6] nahe Esashi in der Präfektur Iwate auf der japanischen Insel Honshū entdeckt. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch A. L. Mackay, der das Mineral nach dessen Typlokalität benannte.
Mackay sandte seiner Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1962 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1962-004[1]), die den Akaganeit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Publikation der Erstbeschreibung folgte im November des gleichen Jahres im Fachmagazin Mineralogical Magazine. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Akaganeit lautet „Akg“.[2]
Das Typmaterial des Minerals wird im Nationalmuseum der Naturwissenschaften (englischNational Science Museum, NSM) im Tokioer Bezirk Shinjuku, Japan aufbewahrt.[7][8] Der Datenbank des Nationalmuseums zufolge befinden sich derzeit zwei Proben mit den Sammlungsnummern 32265 und 39834 in Japan und eine mit der Sammlungsnummer 17399 in den Vereinigten Staaten von Amerika (Stand 2023).[9]
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Akaganeit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung „Hydroxide“, wo er als einziges Mitglied die Gruppe „Akaganeit“ mit der Systemnummer IV/F.04b bildete.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Akaganeit die System- und Mineralnummer 06.01.06.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide mit der Formel: X3+OOH“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 06.01.06.
Akaganeit bildet sich durch Verwitterung aus Pyrrhotin in der Oxidationszone von Limonit-Lagerstätten und ist ein wichtiger Bestandteil in manchen Böden und geothermischen Solen. Auch in Erzknollen im Meeresboden sowie als Korrosionsprodukt in einigen Meteoriten kann Akaganeit entstehen. Als Begleitmineral kann neben Pyrrhotin unter anderem noch Hibbingit auftreten.
Als seltene Mineralbildung konnte Akaganeit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 60 Fundorte dokumentiert sind (Stand 2023).[11] Seine Typlokalität, das Kupferbergwerk „Akagane“, ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in Japan.
Auch in Gesteinsproben vom Mittelatlantischen Rücken und vom Roten Meer (Tiefenbohrung Atlantis II) sowie außerhalb der Erde vom Mond in den von der Apollo 16- und Luna 24-Mission mitgebrachten Gesteinsproben konnte Akaganeit nachgewiesen werden.[13]
A. L. Mackay:β-ferric ohyhydroxide – akaganéite. In: Mineralogical Magazine. Band33, 1962, S.270–280 (englisch, rruff.info[PDF; 1,5MB; abgerufen am 26.Dezember 2018]).
Lawrence A. Taylor, Ho-Kwang Mao, P. M. Bell:Identification of the Hydrated Iron Oxide Mineral Akaganéite in Apollo 16 Lunar Rocks. In: Geological Society of America. Band2, Nr.9, 1974, S.429–432, doi:10.1130/0091-7613(1974)2<429:IOTHIO>2.0.CO;2 (englisch).
Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.425.
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.226 (englisch).
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Akaganeite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 58kB; abgerufen am 30.Dezember 2023]).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑Localities for Akaganeite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 30.Dezember 2023(englisch).
↑Frank S. Simons, Eduardo Mapes V.:Geology and ore deposits, Zimapan mining district, Hidalgo, Mexico. Las Animas mine. In: Geological Survey Professional Paper, Geological Survey (U.S.) 284. U.S. Government Printing Office, Washington 1971, S.94 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
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Fundortliste für Akaganeit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 30. Dezember 2023.