Feroxyhyt kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und entwickelt winzige nadelige Kristalle, die möglicherweise aus eingerollten tafeligen Formen entstehen. Er kommt aber auch in Form feinkörniger, knolliger oder massiger Aggregate vor. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und von brauner bis gelbbrauner Farbe. Auf der Strichtafel hinterlässt Feroxyhyt einen gelben Strich.
Entdeckt wurde Feroxyhyt erstmals in Eisen-Mangan-Konkretionen nahe Turka (Rajon Kolomyja) in der Oblast Iwano-Frankiwsk im Westen der Ukraine. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch ein Mineralogenteam, bestehend aus F. W. Tschuchrow, B. B. Swjagin, A. I. Gorschkow, L. P. Jermilowa, W. W. Korowuschkin, Je. S. Rudnizkaja und N. Ju. Jakubowskaja (russisch: Ф. В. Чухров, Б. Б. Звягин, А. И. Горшков, Л. П. Ермилова, В. В. Коровушкин, Е. С. Рудницкая, Н. Ю. Якубовская), das das Mineral nach dessen Zusammensetzung aus Eisen (lateinischFerrum), Sauerstoff (altgriechischOxygen) und Hydroxidionen benannte. Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1975 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (Eingangs-Nr. der IMA: 1975-032[1]), die den Feorxyhyt als eigenständige Mineralart anerkannte.
Die Publikation der Erstbeschreibung folgte im Jahr darauf im russischsprachigen Fachmagazin Iswestija Akadeii Nauk (russisch: Известия Акадеии Наук) sowie im englischsprachigen Fachmagazin International Geology Review.
Seit 2021 existiert für Feroxyhyt auch die von der IMA anerkannte Kurzbezeichnung „Fox“.[2]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Feroxyhyt die System- und Mineralnummer 06.01.04.04. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“. Hier ist er zusammen mit Heterogenit-2H und -3R sowie Feitknechtit in der „Heterogenitgruppe“ mit der Systemnummer 06.01.04 innerhalb der Unterabteilung „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide mit der Formel: X3+O OH“ zu finden.
Von der Verbindung Eisen(III)-hydroxidoxid FeO(OH) sind bisher vier natürliche Modifikation bekannt (Stand 2022). Neben der hexagonal kristallisierenden δ–Form Feroxyhyt sind dies noch die orthorhombische α–Form Goethit, die monokline β–Form Akaganeit und die ebenfalls orthorhombische γ–Form Lepidokrokit.
Kugelige Aggregate aus nadeligen Feroxyhytkristallen vom Schlackengelände Podere del Cancellino, Canina-Tal, Sassetta (Toskana), Italien (Sichtfeld: 3 mm)
Feroxyhyt bildet sich als biogenes Fällungsprodukt in Sedimenten und ist in Tiefseeablagerungen und Böden zu finden.[12] Als Begleitminerale treten vor allem Goethit und Lepidokrokit auf.[7]
Als seltene Mineralbildung konnte Feroxyhyt nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 20 Fundorte[13] dokumentiert sind (Stand 2022). Außer an seiner Typlokalität nahe Turka in der Oblast Iwano-Frankiwsk fand sich das Mineral in der Ukraine bisher nur noch auf der zur Krim gehörenden Halbinsel Kertsch.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Deutschland ist die Grube Clara bei Oberwolfach im Schwarzwald, Baden-Württemberg.
In Griechenland wurde Feroxyhyt an mehreren Schlackenfundstellen im Gebiet um Passa Limani nahe Lavrio(n) in Attika entdeckt.
Ein Einzelfund auf einer Schlackenhalde bei Noiraigue im Bezirk Val-de-Travers des Kantons Neuenburg ist bisher zweifelhaft, da nicht verifiziert und möglicherweise aus einer industriellen Produktion des 17. Jahrhunderts stammend.[15] Ebenfalls bezweifelt werden Schlackenfundstellen bei Baratti in der zur italienischen Region Toskana gehörenden Provinz Livorno sowie bei Crantock in Cornwall und bei Tindale in Cumbria im Vereinigten Königreich.
Weiter bisher bekannte Fundorte sind die ehemalige Taki Mine bei Yamagata nahe Kuji (Iwate) in der Präfektur Iwate auf der japanischen Insel Honshū und einige Fundpunkte in Russland.[14]
Ф. В. Чухров, Б. Б. Звягин, А. И. Горшков, Л. П. Ермилова, В. В. Коровушкин, Е. С. Рудницкая, Н. Ю. Якубовская:Фероксигит – Новаямодификация FeOOH. In: Известия Акадеии Наук СССР. Band5, 1976, S.524 (russisch, rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 20.März 2022] englische Übersetzung: F. V. Chukhrov, B. B. Zvyagin, A. I. Gorshkov, L. P. Ermilova, V. V. Korovushkin, E. S. Rudnitskaya, N. Y. Yakubovskaya: Feroxyhyte – Feroxyhyte, a new modification of FeOOH. In: Izvestiya Akademii Nauk SSSR, Seriya Geologicheskaya).
F. V. Chukhrov, B. B. Zvyagin, A. I. Gorshkov, L. P. Ermilova, V. V. Korovushkin, E. S. Rudnitskaya, N. Y. Yakubovskaya:Feroxhyte, a new modification of FeOOH. In: International Geology Review. Band19, 1976, S.873–890 (englisch, rruff.info[PDF; 2,2MB; abgerufen am 20.März 2022]).
↑Ф. В. Чухров, Б. Б. Звягин, А. И. Горшков, Л. П. Ермилова, В. В. Коровушкин, Е. С. Рудницкая, Н. Ю. Якубовская:Фероксигит – Новаямодификация FeOOH. In: Известия Акадеии Наук СССР. Band5, 1976, S.524 (russisch, rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 21.März 2022] englische Übersetzung: F. V. Chukhrov, B. B. Zvyagin, A. I. Gorshkov, L. P. Ermilova, V. V. Korovushkin, E. S. Rudnitskaya, N. Y. Yakubovskaya: Feroxyhyte – Feroxyhyte, a new modification of FeOOH. In: Izvestiya Akademii Nauk SSSR, Seriya Geologicheskaya).
12Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.240 (englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234G. Patrat, F. de Bergevin, M. Pernet, J. C. Joubert:Structure locale de δ-FeOOH. In: Acta Crystallographica. B39, 1983, S.165–170, doi:10.1107/S0108768183002232 (französisch, mit englischer Zusammenfassung).
12345
Feroxyhyte. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 71kB; abgerufen am 21.März 2022]).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.425.
↑Localities for Feroxyhyt.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 21.März 2022(englisch).
12
Fundortliste für Feroxyhyt beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 26. Dezember 2023.