Manjiroit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und findet sich meist in Form kompakten, faserigen Mineral-Aggregaten oder traubigen bis derben Massen. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und von graubrauner bis dunkel bräunlichgrauer Farbe. Im Auflicht erscheint es dagegen eher gelblich-grauweiß. Seine Strichfarbe ist allerdings immer bräunlichschwarz.
Entdeckt wurde Manjiroit erstmals in der Mangangrube Kohare in der Präfektur Iwate im Norden der japanischen Insel Honshū. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Matsuo Nambu und Katsutoshi Tanida, die das Mineral nach dem japanischen Mineralogen und GeologenManjiro Watanabe (1891–1980) benannten. Dieser war Professor an der Universität Tōhoku in Sendai.[8]
Nambu und Tanida sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1966 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1966-009[1]), die den Manjiroit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde 1967 im japanischen Fachmagazin Journal of the Japanese Association of Mineralogists, Petrologists and Economic Geologists der Japan Association of Mineralogical Sciences veröffentlicht und die Anerkennung von Manjiroit und anderen bei der Publikation der New Mineral Names 1968 im US-amerikanischen Fachmagazin American Mineralogist bestätigt.
Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[4]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Manjiroit in die Abteilung „Metall:Sauerstoff=1:2 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Mit großen (± mittelgroßen) Kationen; Tunnelstrukturen“ zu finden, wo es zusammen mit Akaganeit, Coronadit, Henrymeyerit, Hollandit, Mannardit, Priderit und Redledgeit die „Hollanditgruppe“ mit der Systemnummer 4.DK.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Manjiroit die System- und Mineralnummer 07.09.01.03. Das entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Mehrfache Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Mehrfache Oxide“ in der „Kryptomelangruppe (Hart, schwarz, feinkörnig)“, in der auch Hollandit, Kryptomelan, Coronadit, Strontiomelan und Henrymeyerit eingeordnet sind.
Die idealisierte Zusammensetzung von Manjiroit wurde 2012 bei der Nomenklaturabstimmungen in der Hollandit-Supergruppe mit der Formel Na(Mn4+7Mn3+)O16 festgelegt.[11] Nach dieser besteht das Mineral theoretisch im Verhältnis aus je einem Teil Natrium (Na), 8 Teilen Mangan (Mn) und 16 Teilen Sauerstoff (O) pro Elementarzelle. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 3,20Gew.-%Na, 61,17Gew.-%Mn und 35,63Gew.-%O.[7]
Die Analyse des Typmaterials aus der Kohare-Mine in Japan hatte dagegen Werte von 85,79Gew.-%MnO2, 3,18Gew.-%MnO und 2,99Gew.-%Na2O sowie formelrelevante Fremdbeimengungen von 1,39Gew.-%K2O, 0,22Gew.-%CaO, 0,16Gew.-%BaO, 0,62Gew.-%Al2O3, 0,40Gew.-%Fe2O3, 0,18Gew.-%MgO und insgesamt 4,6H2O ergeben. Unberücksichtigt blieben Spuren von je 0,03Gew.-%CuO und ZnO sowie 0,12Gew.-%SiO2.
Auf der Grundlage von 16 Sauerstoffatomen ergab sich nach Nambu und Tanida daraus die empirische Formel (Na0,73K0,22Ca0,03Ba0,01)0,99(Mn4+7,46Mn2+0,34Al0,09Fe0,04Mg0,03)7,96O16·1,64H2O. Diese wurde zu (Na,K)Mn4+8O16·nH2O mit n<2 idealisiert.[8]
Warum bei der idealisierten Formel von Nambu und Tanida das enthaltene Mangan in der Oxidationsstufe 2+ (Mn2+) nicht berücksichtigt wurde, ist ebenso wenig klar wie die neu definierte Endgliedformel für Manjiroit in der Nomenklaturabstimmungen in der Hollandit-Supergruppe mit der Oxidationsstufe 3+ (Mn3+). Letzteres hätte ein Analyse-Ergebnis mit Mn2O3 statt MnO bedingt. In der Database of Raman spectroscopy wird zwar ebenfalls die oben genannte, neu definierte Formel angegeben, die gemessene chemische Zusammensetzung jedoch mit (Na0.60K0.28Ca0.12)(Mn4+7.40Mn2+0.44Mg0.11Si0.03Al0.02)O16·2H2O.[12]
Als seltene Mineralbildung konnte Manjiroit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 30 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2024).[13]
Matsuo Nambu, Katsutoshi Tanida:Manjirōite, a new manganese dioxide mineral, from Kohare Mine, Iwate Prefecture, Japan. In: The Journal of the Japanese Association of Mineralogists, Petrologists and Economic Geologists. Band58, Nr.2, 1967, S.39–54 (japanisch, rruff.info[PDF; 645kB; abgerufen am 8.November 2024] mit englischer Kurzbeschreibung).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band53, 1968, S.2103–2106 (englisch, rruff.info[PDF; 279kB; abgerufen am 15.Dezember 2024]).
J. E. Post, D. A. McKeown, P. J. Heaney:Raman spectroscopy study of manganese oxides: Tunnel structures. In: American Mineralogist. Band105, 2020, S.1175–1190 (englisch, rruff.info[PDF; 3,9MB; abgerufen am 16.Dezember 2024]).
Manjiroite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 15.Dezember 2024(englisch).
1234567Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.226 (englisch).
123456
Manjiroite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 94kB; abgerufen am 15.Dezember 2024]).
123Matsuo Nambu, Katsutoshi Tanida:Manjirōite, a new manganese dioxide mineral, from Kohare Mine, Iwate Prefecture, Japan. In: The Journal of the Japanese Association of Mineralogists, Petrologists and Economic Geologists. Band58, Nr.2, 1967, S.39–54 (japanisch, rruff.info[PDF; 645kB; abgerufen am 8.November 2024] mit englischer Kurzbeschreibung; die Angabe in der Einleitung von 3,17Gew.-%MnO ist ein Schreibfehler, siehe Analyse S. 45 mit 3,18Gew.-%MnO).
↑Cristian Biagioni, Carmen Capalbo, Marco Pasero:Nomenclature tunings in the hollandite supergroup. In: European Journal of Mineralogy. Band25, 2013, S.85–90 (englisch, rruff.info[PDF; 83kB; abgerufen am 15.Dezember 2024]).
↑Manjiroite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF),abgerufen am 15.Dezember 2024(englisch).
↑Localities for Manjiroite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 15.Dezember 2024(englisch).
↑
Fundortliste für Manjiroit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 15. Dezember 2024.