Romanèchit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung (Ba,H2O)2(Mn+4,Mn+3)5O10 und damit chemisch gesehen ein Barium-Mangan-Oxid. Das Barium in der Formel kann teilweise durch Wasser (H2O) und vierwertige Mangan teilweise durch dreiwertiges Mangan diadoch ersetzt sein.
Romanèchit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und entwickelt nur selten kleine, ausgeprägte Kristalle in Form von Nadeln. Meistens bildet er traubenförmige Aggregate von grauer bis anthrazitähnlicher oder schwarzer Farbe.
Das Mineral ist ein wichtiges Manganerz und bildet den Hauptbestandteil von Psilomelan, das heute nicht mehr als eigenständiges Mineral, sondern als eine Mischung verschiedener Manganoxide, wie Romanèchit, Hollandit und anderen, angesehen wird. Aus diesem Grund kann Romanèchit auch nicht als eine Varietät des Psilomelans angesehen werden, bzw. sollten die beiden Namen nicht synonym verwendet werden.
Seine Mohshärte beträgt 5 bis 6 und seine Dichte liegt im Bereich von 4,7 bis 4,9 g/cm3.
Eine erste Analyse und Beschreibung des „schwarzen Barium-Manganoxids“ (französischManganèse oxidé noir Barytifère) aus Romanèche erfolgte durch Haidinger, die Edward Turner 1828 im Fachmagazin The Philosophical Magazine publizierte. Benannt wurde das Mineral durch Antoine Lacroix nach dessen Typlokalität.
Romanèchit war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Romanèchit theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. Da das Mineral allerdings in verschiedenen Publikationen auch als Psilomelan angesprochen wurde, legte die Commission on new minerals and mineral names der IMA in der 1982 erfolgten Publikation der Zusammenfassung ihrer wichtigsten Entscheidungen fest, dass das spezifische Ba-Mn-Oxid als Romanèchit und nicht als Psilomelan bezeichnet werden soll.[7] Da dies automatisch eine nachträgliche Ankerkennung für den Romanèchit bedeutete, wird das Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 1982 s.p.“ (special procedure) geführt.[1] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von MineralName lautet „Rmn“.[2]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Romanèchit die System- und Mineralnummer 07.09.02.01. Das entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Mehrfache Oxide“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 07.09.02.[10]
Das Manganoxid bildet im Romanèchit ein oktaedrisches Gerüst, wobei der durch das Mn(II) bedingte, negative Ladungsüberschuss nicht durch Mn(IV) kompensiert wird, sondern durch die Einlagerung von Kationen in die großen Tunnelstruktur. Die Struktur ähnelt dabei der von Zeolithen. Trotz der Ähnlichkeit der chemischen Zusammensetzung und der Kristallstruktur sind keine Mischkristalle zwischen Romanèchit, Hollandit, Coronadit, Todorokit und Woodruffit bekannt.
Das in der Tunnelstruktur des Romanèchit eingelagerte Wasser entweicht bei über 200°C. In konzentrierter Salzsäure löst sich das Mineral auf, wobei sich Chlor entwickelt (vgl. die chemischen Reaktionen von Mangan(IV)-oxid).
Als relativ seltene Mineralbildung kann Romanèchit an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher etwas mehr als 300 Vorkommen für Romanèchit dokumentiert.[11] Größere, historische Stufen sind vor allem aus Romanèche, Département Saône-et-Loire/Frankreich bekannt.
Weitere Fundorte sind unter anderem Elgersburg und Öhrenstock in Thüringen, ferner die Manganerzlagerstätten von Cia turi/Georgien und Nikopol/Ukraine sowie Lead Geo und die Horney-Inseln in Schottland.[12]
Edward Turner:Chemical examination of the oxides of manganese. Part II. On the composition of the ores of manganese described by Mr. Haidinger. In: The Philosophical Magazine. Band4, 1828, S.96–104 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 1. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 876kB; abgerufen am 1.April 2024]).
Antoine Lacroix:VII. Sélénites, téllurites, manganites et plumbates b) Manganites: romanéchite. In: Collection de Minéralogie du Muséum d'Histoire Naturelle Laboratoire de Minéralogie. 2. Auflage. Paris 1900, S.28–29 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 30. Juni 2024 im Internet Archive) [PDF; 275kB; abgerufen am 30.Juni 2024]).
F. Zambonini, V. Cagliotti:Nuove ricerche sulla composizione chimica della romanechite. In: Periodico di Mineralogia. 1931, S.73–80.
Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig:Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York (u.a.) 1997, ISBN 0-471-19310-0, S.323 (englisch).
Romanèchite search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 25.Dezember 2025(englisch).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.227 (englisch).
12345678
Romanèchite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 59kB; abgerufen am 25.Dezember 2025]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑
International Mineralogical Association: Commission on New Minerals and Mineral Names. In: Mineralogical Magazine. Band46, 1982, S.513–514 (englisch, rruff.net[PDF; 148kB; abgerufen am 25.Dezember 2025]).
↑Richard V. Gaines, H. Catherine Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason und Abraham Rosenzweig:Danas New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, 1997, ISBN 0-471-19310-0 (englisch).
↑Localities for Romanèchite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 25.Dezember 2025(englisch).
↑
Fundortliste für Romanèchite beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 25. Dezember 2025.