Birnessit (IMA-Symbol Bir[1]) ist ein relativ selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung (Na,Ca,K)0,6(Mn4+,Mn3+)2O4·1,5H2O[2] und damit chemisch gesehen Natrium-Mangan-Oxid. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Natrium, Calcium und Kalium sowie Mangan in den Oxidationsstufen 3+ und 4+ können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.
Birnessit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt feine bis mikroskopisch kleine, plättchenförmige Kristalle bis etwa 50μm Größe. Im Allgemeinen findet er sich in Form kugeliger Mineral-Aggregate. Das Mineral ist nahezu undurchsichtig (opak) und von schwarzer, im Durchlicht auch dunkelbrauner Farbe. Auch die Strichfarbe ist schwarz. Die Oberflächen sind matt, das heißt ohne besonderen Glanz.
Entdeckt wurde Birnessit erstmals in manganreichen glazialen Sedimenten bei Birness, nordöstlich von Ellon (Aberdeenshire) in Schottland im Vereinigten Königreich. Die Erstbeschreibung erfolgte 1956 durch Lloyd Hugh Parker Jones und Angela Alice Milne, die das Mineral nach dessen Typlokalität benannten.
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[9]
Da der Birnessit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Birnessit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Birnessit lautet „Bir“.[1]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Birnessit die System- und Mineralnummer 07.05.03.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Mehrfache Oxide“, wo das Mineral als einziges Mitglied in einer unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 07.05.03 innerhalb der Unterabteilung „Mehrfache Oxide mit der Formel ABX2“ zu finden ist.
Weltweit sind bisher rund 230 Vorkommen dokumentiert (Stand 2025).[11] Außer an seiner Typlokalität Birness bei Ellon trat das Mineral in Schottland noch an der Luce Bay bei Newton Stewart, im Steinbruch Craigmuschat bei Gourock (Inverclyde) und bei Noblehouse (Scottish Borders) auf. Daneben fand sich Birnessit im Vereinigten Königreich noch in einigen Gruben in Cornwall, England und bei Rhiw (Aberdaron) in Wales.
Bekannte Fundorte in Deutschland sind bisher unter anderem die Grube Clara bei Oberwolfach in Baden-Württemberg, der Steinbruch Fuchs an der Hartkoppe in der Gemeinde Sailauf (Unterfranken) in Bayern, die Tongrube Vierstöck bei Ober-Kainsbach in Hessen, der Steinbruch Kunkskopf bei Wassenach sowie die Gruben Kolbenberg bei Nothweiler und Käusersteimel bei Kausen in Rheinland-Pfalz, die Grube Aufgeklärtes Glück bei Hasserode im Thumkuhlental in Sachsen-Anhalt und die Erzlagerstätten um Schneeberg im Erzgebirgskreis in Sachsen.
In Österreich konnte Birnessit unter anderem in einer Eisen-Lagerstätte bei Grassendorf (Gemeinde Liebenfels) in Kärnten, im Danielstollen (Bergbaurevier Schwarzleo) bei Hütten (Leogang) und in den Mangangruben Strubberg bei Abtenau in Salzburg sowie im Steinbruch Aldrian am Lieschengraben bei Oberhaag in der Steiermark gefunden werden.
Weitere bisher bekannte Fundorte liegen unter anderem in Ägypten, Australien, Brasilien, Chile, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grönland, Indien, Indonesien, Israel, Italien, Japan, Jordanien, Kanada, Kasachstan, Mexiko, Moldau, Neuseeland, Nordmazedonien, Norwegen, Papua-Neuguinea, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tonga, Tschechien, der Ukraine, Ungarn, Vanuatu und in verschiedenen Staaten der USA.[12]
L. H. P. Jones, Angela A. Milne:Birnessite, a new manganese oxide mineral from Aberdeenshire, Scotland. In: Mineralogical Magazine. Band31, Nr.235, 1956, S.283–288 (englisch, rruff.info[PDF; 289kB; abgerufen am 30.April 2025]).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band42, 1957, S.440–444 (englisch, rruff.info[PDF; 338kB; abgerufen am 30.April 2025]).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band49, 1964, S.439–448;hier:448, Ishiganeite (=Cryptomelane+Birnessite) (englisch, rruff.info[PDF; 666kB; abgerufen am 30.April 2025]).
Pete J. Dunn, Michael Fleischer, Carl A. Francis, Richard H. Langley, Stephen A. Kissin, James E. Shigley, David A. Vanko, Janet A. Zilczer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band69, 1984, S.810–815;hier:814, New Data. Birnessite, Rancieite, and Takanelite (englisch, rruff.info[PDF; 602kB; abgerufen am 30.April 2025]).
Jeffrey E. Post, David R. Veblen:Crystal structure determinations of synthetic sodium, magnesium, and potassium birnessite using TEM and the Rietveld method. In: American Mineralogist. Band75, 1990, S.477–489 (englisch, rruff.geo.arizona.edu[PDF; 1,5MB; abgerufen am 30.April 2025]).
Victor A. Drits, Bruno Lanson, Anne-Claire Gaillot:Birnessite polytype systematics and identification by powder X-ray differaction. In: American Mineralogist. Band92, 2007, S.771–788 (englisch, rruff.info[PDF; 994kB; abgerufen am 30.April 2025]).
Florence T. Ling, Jeffrey E. Post, Peter J. Heaney, Cara M. Santelli, Eugene S. Ilton, William D. Burgos, Arthur W. Rose:A multi-method characterization of natural terrestrial birnessites. In: American Mineralogist. Band105, Nr.6, 2020, S.833–847, doi:10.2138/am-2020-7303 (englisch, Abstract bei minsocam.org[PDF; 246kB; abgerufen am 30.April 2025]).
↑Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.245 (englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234Jeffrey E. Post, David R. Veblen:Crystal structure determinations of synthetic sodium, magnesium, and potassium birnessite using TEM and the Rietveld method. In: American Mineralogist. Band75, 1990, S.477–489 (englisch, rruff.geo.arizona.edu[PDF; 1,5MB; abgerufen am 30.April 2025]).
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Birnessite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 142kB; abgerufen am 30.April 2025]).
123Birnessite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 30.April 2025(englisch).