Aurorit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Mn2+Mn4+3O7·3H2O[1] und damit chemisch gesehen ein wasserhaltigesManganoxid. Aurorit stellt zudem das Mangan-Analogon des Zink-Manganoxids Chalkophanit (ZnMn4+3O7·3H2O[1]) dar und ist von diesem optisch sehr ähnlich aussehenden Mineral nur durch eine chemische Analyse zu unterscheiden.[6]
Aurorit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem, entwickelt jedoch nur mikroskopisch kleine Kristalle bis etwa 8 μm Größe in schuppigen, tafeligen und körnigen Mineral-Aggregaten. Das Mineral ist im Allgemeinen undurchsichtig und nur an sehr dünnen Kanten durchsichtig. Die Oberflächen der grauschwarzen bis schwarzen, im Durchlicht auch hellbraunen, Kristalle und Aggregate zeigen einen metallischen Glanz. Auf der Strichtafel hinterlässt Aurorit einen braunen Strich.
Erstmals entdeckt wurde Aurorit in der „Aurora Mine“ am Treasure Hill im White Pine County des US-Bundesstaates Nevada. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Arthur S. Radtke, Charles M. Taylor und Donnel Foster Hewett (1881–1971[7]), die das Mineral nach dessen Typlokalität benannten.[8]
Radtke, Taylor und Hewett reichten ihre Untersuchungsergebnisse 1966 zur Prüfung bei der International Mineralogical Association ein (interne Eingangs-Nr. der IMA: 1966-031[1]), die den Aurorit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Anerkennung wurde 1967 mit der Publikation der New Mineral Names im Fachmagazin American Mineralogist bestätigt.[9] Im gleichen Jahr folgte auch die Publikation der Erstbeschreibung im Fachmagazin Economic Geology der Society of Economic Geologists.[8]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist bisher nicht bekannt (Stand 2021).[10]
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch an dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz orientiert, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. IV/F.11-10. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der erweiterten und präzisierten Abteilung „Hydroxide und oxidische Hydrate (wasserhaltige Oxide mit Schichtstruktur)“, wo Aurorit zusammen mit Birnessit, Buserit, Chalkophanit, Cianciulliit, Ernienickelit und Jianshuiit eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe bildet.[4]
Die seit 2001 gültige und von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Aurorit ebenfalls in die Klasse der Oxide, genauer der „Oxide (Hydroxide, V[5,6] Vanadate, Arsenide, Antimonide, Bismuthide, Suldide, Selenide, Telluride, Jodide)“ und dort in die Abteilung der „Hydroxide (ohne V oder U)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit von Kristallwasser und/oder Hydroxygruppen sowie der Verknüpfungsart in der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Hydroxide mit H2O±(OH); Lagen kantenverknüpfter Oktaeder“ zu finden ist, wo es zusammen mit Chalkophanit, Ernienickelit und Jianshuiit die unbenannte Gruppe 4.FL.20 bildet.
Auch die im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Aurorit in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ ein, dort allerdings in die Abteilung der „Mehrfachen Oxide“ ein. Hier ist er ebenfalls zusammen mit Chalkophanit, Jianshuiit und Ernienickelit in der „Chalkophanitgruppe“ mit der System-Nr. 07.08.02 innerhalb der Unterabteilung der „Mehrfache Oxide mit der Formel ABO2 • x (H2O)“ zu finden.
Als seltene Mineralbildung ist Aurorit nur aus wenigen Orten bekannt, wobei weltweit bisher rund 20 Fundorte dokumentiert sind (Stand 2021).[12] Außer an seiner Typlokalität „Aurora Mine“ sowie in der nahe gelegenen „Hidden Treasure Mine“ und der „Ward Beecher Mine“ im Gebiet um Summit am Treasure Hill im White Pine County, fand sich das Mineral in Nevada noch am Yucca Mountain im Nye County und in der, unter anderem von der „Potosi Mine“ ausgebeuteten, Erzlagerstätte Comstock Lode im Storey County. Weitere bekannte Fundstätten für Aurorit in den USA liegen in Arizona (Cochise, Greenlee und Yuma County) und New Jersey (Sterling Hill, Sussex County).
Weder in Deutschland, noch in der Schweiz sind bisher Fundorte bekannt.[13] Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist das Bergwerk Arzberg mit Eisen-Blei-Silber-Vererzungen in der Gemeinde Spital am Semmering in der Steiermark.[14]
Arthur S. Radtke, Charles M. Taylor, D. F. Hewett:Aurorite, argentian todorokite, and hydrous silver-bearing lead manganese oxide. In: Economic Geology. Band62, Nr.2, 1967, S.186–206, doi:10.2113/gsecongeo.62.2.186 (englisch).
Aurorite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy;abgerufen am 25.Mai 2021(englisch).
Aurorite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 25.Mai 2021(englisch).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.244 (englisch).
12345Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234
Aurorite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org[PDF; 72kB; abgerufen am 24.Mai 2021]).
↑Ulrich Wagner:Aurorit/Aurorite.In:wagnerul.de.Abgerufen am 24.Mai 2021.
↑Charles A. Anderson:Memorial of Donnel Foster Hewett. June 24, 1881 – February 5, 1971. In: American Mineralogist. Band58, 1973, S.367–369 (englisch, minsocam.org[PDF; 348kB; abgerufen am 27.Mai 2021]).
12Arthur S. Radtke, Charles M. Taylor, D. F. Hewett:Aurorite, argentian todorokite, and hydrous silver-bearing lead manganese oxide. In: Economic Geology. Band62, Nr.2, 1967, S.186–206, doi:10.2113/gsecongeo.62.2.186 (englisch).