Montroseit (IMA-Symbol Mto[1]) ist ein relativ selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung (V3+,Fe2+,V4+)O(OH)[2] (vereinfacht (V,Fe)OOH[3]) und damit chemisch gesehen ein Vanadium-Eisen-Oxid-Hydroxid. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Vanadium und Eisen können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.
Montroseit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem, entwickelt aber nur mikroskopisch kleine, klingenförmige Kristalle bis etwa 0,5mm Größe in sehr feinkörnigen Mineral-Aggregaten. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den grauschwarzen bis schwarzen Kornoberflächen einen schwach metallischen Glanz. An der Luft wandelt sich Montroseit schnell topotaktisch in Paramontroseit (VO2) um.
Entdeckt wurde Montroseit in Mineralproben, die L. R. Stieff, T. W. Stern und M. N. Girhard von der United States Geological Survey im Sommer 1949 in der Bitter Creek Mine im Paradox Valley, Montrose County (Colorado) gesammelt hatten. Alice Dowse Weeks, Evelyn A. Cisney und Alexander M. Sherwood analysierten die Proben 1950 und veröffentlichten eine kurze Zusammenfassung ihrer Ergebnisse ein Jahr später zunächst während eines Treffens der Mineralogical Society of America.[6] 1953 erschien dann die vollständige Erstbeschreibung von Montroseit im Fachmagazin American Mineralogist.[7] Benannt ist das Mineral nach dem County, in dem dessen Typlokalität liegt.
Da der Montroseit bereits vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Montroseit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Montroseit lautet „Mto“.[1]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Montroseit die System- und Mineralnummer 06.01.01.04. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“, wo das Mineral zusammen mit Bracewellit, Diaspor, Goethit, Groutit und Tsumgallit in einer unbenannten Gruppe/in der „Diasporgruppe (Orthorhombisch, Pnma oder Pnmd)“ mit der Systemnummer 06.01.01 innerhalb der Unterabteilung „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide mit der Formel: X3+OOH“ zu finden ist.
Als relativ seltene Mineralbildung kann Montroseit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich auftreten, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 150 Vorkommen dokumentiert (Stand 2025).[13] Außer an seiner Typlokalität Bitter Creek Mine fand sich das Mineral in weiteren Minen im Paradox Valley, im Bull Canyon und im Gypsum Valley. Weitere Fundorte in Colorado liegen unter anderem in den Counties Garfield, Mesa und San Miguel. Daneben trat Montroseit noch häufig in den US-Bundesstaaten Arizona und Utah zutage.[14]
Fundorte in Deutschland und Österreich sind bisher nicht bekannt.
In der Schweiz konnte Montroseit bisher nur in Mineralproben aus einem Bohrloch der NAGRA bei Kaisten sowie aus einer Kohlebohrung in Red Beds aus dem Perm bei Rheinfelden (beide im Kanton Aargau) entdeckt werden.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, China, Gabun, Italien, Japan, Niger, Polen, Russland, der Slowakei, Spanien, Tschechien, Ungarn und im Vereinigten Königreich (England).[14]
Alice Dowse Weeks, Evelyn A. Cisney, Alexander M. Sherwood:Hummerite and montroseite, two vanadium minerals from Montrose County, Colorado. Abstracts of papers presented at the thirty-first annual meeting of the Mineralogical Society of America at Washington, D.C. In: American Mineralogist. Band36, 1951, S.310–328 (englisch, rruff.info[PDF; 1,5MB; abgerufen am 9.November 2025]).
Alice Dowse Weeks, Evelyn A. Cisney, Alexander M. Sherwood:Montroseite, a new vanadium oxide from the Colorado plateaus. In: American Mineralogist. Band38, 1953, S.1235–1241 (englisch, rruff.info[PDF; 415kB; abgerufen am 9.November 2025]).
Howard T. Evans, Stanley Block:The crystal structure of montroseite, a vanadium member of the diaspore group. In: American Mineralogist. Band38, 1953, S.1242–1250 (englisch, rruff.info[PDF; 485kB; abgerufen am 9.November 2025]).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band39, 1954, S.402–408 (englisch, rruff.info[PDF; 383kB; abgerufen am 9.November 2025]).
Howard T. Evans, Mary E. Mrose:A crystal study of montroseite and paramontroseite. In: American Mineralogist. Band40, 1955, S.861–875 (englisch, rruff.info[PDF; 871kB; abgerufen am 9.November 2025]).
Montroseite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 9.November 2025(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.235 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456789
Montroseite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 55kB; abgerufen am 9.November 2025]).
↑Alice Dowse Weeks, Evelyn A. Cisney, Alexander M. Sherwood:Hummerite and montroseite, two vanadium minerals from Montrose County, Colorado. Abstracts of papers presented at the thirty-first annual meeting of the Mineralogical Society of America at Washington, D.C. In: American Mineralogist. Band36, 1951, S.310–328 (englisch, rruff.info[PDF; 1,5MB; abgerufen am 9.November 2025]).
↑Alice Dowse Weeks, Evelyn A. Cisney, Alexander M. Sherwood:Montroseite, a new vanadium oxide from the Colorado plateaus. In: American Mineralogist. Band38, 1953, S.1235–1241 (englisch, rruff.info[PDF; 415kB; abgerufen am 9.November 2025]).