helle, bläulich weiße Fluoreszenz unter kurzwelligem UV-Licht[3][4]
Das MineralBrannockit (IMA-Symbol Bra[2]) ist ein sehr selten vorkommendes Ringsilikat aus der Milaritgruppe innerhalb der Mineralklasse der Silikate und Germanate mit der Endgliedzusammensetzung K□2Sn4+2Li3Si12O30 (□: Leerstelle). Es kristallisiert mit hexagonaler Symmetrie und entwickelt Aggregate farbloser, plattiger Kriställchen von wenigen Millimetern Größe.[3][4]
Entdeckt wurde Brannockit 1968 von C. Hudgins aus Marion, North Carolina, in der Foot Mine, einem Lithium-reichen Granit-Pegmatit bei Kings Mountain (North Carolina). Er spendete eine Probe dem National Museum of Natural History der Smithsonian Institution, wo sie von John S. White und seinen Mitarbeitern wissenschaftlich untersucht und als Li-Sn-Analog von Osumilith charakterisiert wurde. Sie benannten das Mineral nach dem Chemiker und Mineraliensammler Kent Combs Brannock (1923–1973)[8] aus Kingsport, Tennessee, der wesentlich an der Beschreibung zahlreicher Minerale aus der Foot Mine beteiligt war.[3]
Publiziert wurde die Entdeckung fünf Jahre später im The Mineralogical Record, einer Zeitschrift, die John S. White 1970 selbst gegründet hatte.[11]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Brannockit ebenfalls in die Abteilung der „Ringsilikate (Cyclosilikate)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Ringe, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „[Si6O18]12−-Sechser-Doppelringe“ zu finden ist. Darin gehört es mit Almarudit, Armenit, Berezanskit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Friedrichbeckeit, Klöchit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit und Yagiit zur „Milaritgruppe“ mit der System-Nr. 9.CM.05.[12]
Die Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage) wird von „Hudson Institute of Mineralogy“ in der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführt. Hier gehört Brannockit in die Klasse „Silicate und Germanate“ und die Abteilung der „Ringsilikate“ (englisch[Cyclosilicates). Diese ist weiter unterteilt nach der Zähligkeit und Multiplizität der Silicatringe und Brannockit wird in der Unterabteilung „sechser-Doppelringe“ (englischSi6O18]2- 6-membered double rings) mit der Systemnummer 9.CM geführt, zusammen mit den zuvor aufgeführten Mineralen der Milarit-Gruppe, den neu hinzugekommenen Mineralen Aluminosugilith und Laurentthomasit sowie dem verwandten Mineral Faizievit.[13]
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Brannockit in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Ringsilikate: Kondensierte Ringe“ ein. Hier ist er in der „Milarit-Osumilith-Gruppe (Milarit-Osumilith-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 63.02.01a innerhalb der Unterabteilung „Ringsilikate: Kondensierte, 6-gliedrige Ringe“ zu finden.
Brannockit bildet Mischkristalle mit Berezanskit, Sogdianit und in geringem Maße Sugilith, was sich im Ersatz von Sn4+ durch Ti4+, Zr4+ und Hf4+ sowie dem gekoppelten Einbau von [6]Fe/Al3+ und [9]Na+ äußert.[9]
Brannockit ist isotyp zu Milarit, d. h., es kristallisiert mit der gleichen Struktur wie Milarit. Die 12-fach koordinierte C-Position ist voll besetzt mit Kalium (K+) und die 9-fach koordinierte B-Position ist unbesetzt. Zinn (Sn4+) besetzt die 6-fach koordinierte A-Position. Die tetraedrisch koordinierten T2-Position enthält ausschließlich Lithium (Li+). Die T1-Position, die die 6er-Doppelringe aufbaut, enthält nur Silizium (Si4+).[3][6]
Dieser sehr mineralreiche Fundort ist die Typlokalität von 16 Mineralen (Stand Januar 2025). Brannockit ist dort das einzige Mineral der Milaritgruppe.[14]
Der zweite dokumentierte Fundort ist ein alkalireicher Granit des Golden Horn Batholithen bei Liberty Bell/Washington Pass im Okanogan County, Washington, USA. Brannockit tritt hier mit dem Li-Zr-Osumilith Sogdianit und den Li-Na-Zr-6er-Doppelkettensilikat Zektzerit auf, das hier zuerst beschrieben worden ist.[9][15]
Brannockite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 18.Oktober 2024(englisch).
1234567891011121314151617181920J. S. White, J. E. Arem, J. A. Nelen, P. B. Leavens, R. W. Thomssen:Brannockite, a new tin mineral. In: The Mineralogical Record. Band4, März 1973, S.73–76 (rruff.info[PDF; 2,1MB; abgerufen am 15.August 2024]).
123456789101112Michael Fleischer:New Mineral Names. In: The American Mineralogist. Band58, 1973, S.1111–1115 (rruff.info[PDF; 572kB; abgerufen am 15.August 2024] Brannockite, S. 1111).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345Thomas Armbruster, Roland Oberänsli:Crystal chemistry of double-ring silicates: Structures of sugilite and brannockite. In: The American Mineralogist. Band73, 1988, S.595–600 (rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 15.August 2024]).
12
Brannockite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy[PDF; 62kB; abgerufen am 15.August 2024]).
123M. B. Raschke, E. J. D. Anderson, J. Allaz, H. Friis, J. R. Smyth, R. Tschernich, R. Becker:Crystal chemistry of brannockite, KLi3Sn2Si12O30, from a new occurrence in the Golden Horn Batholith, Washington State, USA. In: European Journal of Mineralogy. Band28, Nr.1, März 2016, S.153–161, doi:10.1127/ejm/2015/0027-2477 (colorado.edu (Memento vom 18. August 2022 im Internet Archive) [PDF; 519kB; abgerufen am 15.August 2024]).
12Atali A. Agakhanov, Leonid A. Pautov, Elena Sokolova, Yassir A. Abdu, Vladimir Y. Karpenko:Two Astrophyllite-Supergroup Minerals: Bulgakite, A New Mineral From the Darai-Pioz Alkaline Massif, Tajikistan and Revision of the Crystal Structure and Chemical Formula of Nalivkinite. In: The Canadian Mineralogist. Band54, 2016, S.33–48, doi:10.3749/canmin.1500085 (rruff.info[PDF; 732kB; abgerufen am 13.Januar 2025]).