Milarit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und entwickelt meist nadelige bis langprismatische Kristalle, kommt aber auch in Form körniger Mineral-Aggregate vor. In reiner Form ist Milarit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine graue, hellgelbe oder hellgrüne Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.
Der Name des in den 1870er Jahren entdeckten Milarits leitet sich von der Lokalität Val Milà im Tujetsch/Kanton Graubünden (Schweiz) ab, welche ursprünglich für den Erstfundort gehalten wurde. Später stellte sich heraus, dass die damals untersuchte Probe aus dem unmittelbar westlich angrenzenden Val Giuv stammte.[5] Seither wurden weltweit zahlreiche Fundstellen bekannt. Doch ist zu vermuten, dass Milarit weit häufiger auftritt als bisher angenommen, da er aufgrund seines Aussehens (Kristalltracht, -habitus, Farbe), seiner physikalischen Eigenschaften und der typischen Paragenese leicht mit Apatit oder gar mit Quarz (Bergkristall) verwechselt werden kann und daher möglicherweise oft übersehen wird.[6]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[7]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Milarit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Ringsilikate (Cyclosilikate)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „[Si6O18]12−-Sechser-Doppelringe“ zu finden, wo es zusammen mit Almarudit, Armenit, Berezanskit, Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Friedrichbeckeit, Klöchit, Merrihueit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit und Yagiit die „Milaritgruppe“ mit der Systemnummer 9.CM.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Milarit die System- und Mineralnummer 63.02.01a.12. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Ringsilikate: Kondensierte Ringe“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Ringsilikate: Kondensierte, 6-gliedrige Ringe“ in der „Milarit-Osumilith-Gruppe (Milarit-Osumilith-Untergruppe)“, in der auch Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Eifelit, Merrihueit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Sugilith, Yagiit, Dusmatovit, Sogdianit, Roedderit, Berezanskit, Shibkovit, Trattnerit, Almarudit, Oftedalit, Klöchit und Friedrichbeckeit eingeordnet sind.
Milarit ist ein Ringsilikat mit unverzweigten 6er-Doppelringen als Anionenkomplex. In der Milaritstruktur ist die 12-fach koordinierte C-Position ist voll besetzt mit Kalium (K−) und die 9-fach koordinierte B-Position kann variable Mengen Kristallwasser (H2O) enthalten. Die oktaedrisch koordinierte A-Position ist voll besetzt mit 2 Calciumionen (Ca2+). Die 4-fach koordinierte T2-Position ist gemischt besetzt mit zwei Berylliumionen (Be2+) und einem Aluminiumion (Al3+) und die ebenfalls 4-fach koordinierte T1-Position, die die 6er-Doppelringe aufbaut, enthält nur Silizium (Si4+).[6]
Die Nutzung von Milarit beschränkt sich auf die gelegentliche Verarbeitung zu Schmucksteinen. Vom Vorkommen der Rössing-Mine in Namibia ist Milarit in Edelsteinqualität bekannt.[10][11]
Milarite In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (englisch).
Milarite Mineral Data.In:webmineral.com.David Barthelmy;abgerufen am 24.Oktober 2024(englisch).
Milarite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 24.Oktober 2024(englisch).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 6., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2014, ISBN 978-3-921656-80-8.
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.613.
↑G. Strübel, S. H. Zimmer:Lexikon der Minerale. Enke, Stuttgart 1991, ISBN 3-432-92722-3.
1234F. C. Hawthorne, M. Kimata, P. Černý, N. Ball, G. R. Rossman, J. D. Grice:The crystal chemistry of the milarite-group minerals. In: American Mineralogist. Band76, Nr.11, 1991, S.1836–1856 (englisch, researchgate.net[abgerufen am 18.August 2024]).
↑H. A. Stalder, A. Wagner, S. Graeser, P. Stuker:Mineralienlexikon der Schweiz. Wepf, Basel 1998.
↑T. Husdal:The minerals of the pegmatites within the Tysfjord granite, northern Norway. In: Norsk Bergverksmuseum skrift. Band38, 2008, S.5–28 (englisch, researchgate.net[abgerufen am 18.August 2024]).
12T. P. Moore:Alpine milarite. In: The Mineralogical Record. Band35, Nr.5, 2004, S.405–418 (englisch, researchgate.net[abgerufen am 18.August 2024]).