Darapiosit kristallisiert mit hexagonaler Symmetrie und entwickelt farblose bis weiße, isometrische Kriställchen von unter einem Zentimeter Größe.[7][8][10] Auf den Oberflächen der durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle zeigt sich ein glasähnlicher Glanz.
Entdeckt wurde Darapiosit in den Moränen des GletschersDara-i-Pioz (auch Darai-Pioz) im Alaigebirge in Tadschikistan und 1976 von Ye. I. Semenov, V. D. Dusmatov, A. P. Khomyakov, A. A. Voronkov und M. Y. Kazakova als neues Mineral der Milaritgruppe beschrieben. Sie benannten das Mineral nach dem Fundort, Dara-Pioz im nördlichen Tadschikistan, Darapiosit.[7][8][10]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Darapiosit ebenfalls in die Abteilung der „Ringsilikate (Cyclosilikate)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Ringe, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „[Si6O18]12−-Sechser-Doppelringe“ zu finden ist, wo es zusammen mit Almarudit, Armenit, Berezanskit, Brannockit, Chayesit, Dusmatovit, Eifelit, Friedrichbeckeit, Klöchit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit und Yagiit die „Milaritgruppe“ mit der System-Nr. 9.CM.05 bildet.[11]
Die Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage) wird von „Hudson Institute of Mineralogy“ in der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführt. Hier gehört Darapiosit in die Klasse „Silicate und Germanate“ und die Abteilung der „Ringsilikate“ (englisch[Cyclosilicates). Diese ist weiter unterteilt nach der Zähligkeit und Multiplizität der Silicatringe und Darapiosit wird in der Unterabteilung „sechser-Doppelringe“ (englischSi6O18]2- 6-membered double rings) mit der Systemnummer 9.CM geführt, zusammen mit den zuvor aufgeführten Mineralen der Milarit-Gruppe, den neu hinzugekommenen Mineralen Aluminosugilith und Laurentthomasit sowie dem verwandten Mineral Faizievit.[12]
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Darapiosit in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Ringsilikate: Kondensierte Ringe“ ein. Hier ist er in der „Milarit-Osumilith-Gruppe (Milarit-Osumilith-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 63.02.01a innerhalb der Unterabteilung „Ringsilikate: Kondensierte, 6-gliedrige Ringe“ zu finden.
Darapiosit vom Dara-i-Pioz-Gletscher hat die empirische Zusammensetzung[12]K [9](Na1,22K0,36□0,42) [6](Mn2+1,54Zr0,30Y0,23Mg0,03) [4](Li1,53Zn1,15Fe2+0,31) [4]Si11,98O30, wobei in den eckigen Klammern die Koordinationszahl der jeweiligen Position in der Kristallstruktur angegeben ist.[10]
Cooper et al. definierten 1999 Darapiosit als K Na2 Mn2+2 LiZn2 Si12O30[4] und die Gruppe von Sokolova und Hawthorne ein Jahr später als KNa2Mn2+Zr4+Li3Si12O30.[13]
Hawthorne, an der Veröffentlichung von beiden widersprüchlichen Formeln beteiligt, publizierte 2002 ein allgemeines Schema zur Ermittlung der Endgliedzusammensetzungen komplexer Mischkristalle und bestätigt die Darapiosit-Formel des Teams um Cooper: KNa2Mn2+2LiZn2Si12O30.[5]
In der „IMA/CNMNC-Liste der Minerale und Mineralnamen“ wird die vereinfachte Zusammensetzung mit KNa2Mn2(Li2ZnSi12)O30 angegeben (Stand 2023).[1] Diese Zusammensetzung ist elektrisch nicht neutral und weist einen Überschuss von einer negativen Ladung auf. Als Quelle wird die Strukturuntersuchung von Giovanni Ferraris und Mitarbeitern (1999) aufgeführt, in der diese Formel nicht erwähnt wird.[10]
Die gemessenen Zusammensetzungen von Darapiosit entsprechen Mischkristallen von im Wesentlichen Darapiosit mit Sogdianit (Zr-Einbau) und einem Hypothetischen Endglied der Zusammensetzung K□2 M3+2 Zn2Li Si12O30 (Y3+-Einbau).[5]
Darapiosit ist isotyp zu Milarit, das heißt, er kristallisiert mit der gleichen Struktur wie Milarit. Die 12-fach koordinierte C-Position ist voll besetzt mit Kalium (K+), die 9-fach koordinierte B-Position nicht ganz vollständig mit Natrium (Na+) und Kalium. Mangan (Mn2+), Zirkon (Zr4+), Yttrium (Y3+) und Spuren von Magnesium (Mg2+) füllen die 6-fach koordinierte A-Position. Die tetraedrisch koordinierten T2-Position enthält vorwiegend Lithium (Li+) sowie Zink (Zn2+) und etwas Eisen ((Fe2+)). Die T1-Position, die die 6er-Doppelringe aufbaut, enthält nur Silizium (Si4+).[10]
Dieser sehr mineralreiche Fundort stellt die Typlokalität von 43 Mineralen dar (Stand 2023), davon allein 5 aus der Milaritgruppe: Berezanskit, Darapiosit, Dusmatovit, Shibkovit und Sogdianit. Weiterhin wurden hier die Milaritgruppenminerale Milarit, Osumilith, und Sugilith nachgewiesen.[14]
E. I. Semenov, V. D. Dusmatov, A. P. Khomyakov, A. A. Voronkov, M. E. Kazakova:Darapiosite, a new mineral of the milarite group. In: Zapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva. Band104, Nr.5, 1975, S.583–585 (russisch, rruff.info[PDF; 185kB; abgerufen am 10.Dezember 2019]).
Michael Fleischer, Adolf Pabst, Louis J. Cabri:New mineral names. In: American Mineralogist. Band61, 1976, S.1053–1056 (englisch, rruff.info[PDF; 410kB; abgerufen am 10.Dezember 2019]).
↑Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.614 (englisch).
123Mark A. Cooper, Frank C. Hawthorne, Edward S. Grew:The crystal chemistry of sogdianite, a milarite-group mineral. In: American Mineralogist. Band84, 1999, S.767 (englisch, rruff.info[PDF; 1,5MB; abgerufen am 10.Dezember 2019] Tabelle 7).
1234Frank C. Hawthorne:The Use Of End-Member Charge-Arrangements In Defining New Mineral Species And Heterovalent Substitutions In Complex Minerals. In: The Canadian Mineralogist. Band40, Nr.2, 2002, S.699–710, doi:10.2113/gscanmin.40.2.699 (englisch, researchgate.net[PDF; 357kB; abgerufen am 16.August 2024]).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456789101112Ye.I. Semenov, V. D. Dusmatov, A. P. Khomyakov, A. A. Voronkov & M. Ye. Kazakova:Darapiosite, a new mineral of the milarite group. In: Zapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva. Band104, 1976, S.583–585, doi:10.1080/00206817609471289 (englisch).
123456789101112Giovanni Ferraris, Mauro Prencipe, Leonid A. Pautov, Elena V. Sokolova:The Crystal Structure Of Darapiosite And A Comparison With Li- And Zn-Bearing Minerals Of The Milarite Group. In: The Canadian Mineralogist. Band37, 1999, S.769–774 (englisch, rruff.info[PDF; 1,4MB; abgerufen am 10.Dezember 2019]).
↑Classification of Darapiosite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 12.Januar 2025(englisch,siehe auch Anker „Strunz-Mindat“).
↑Elena V. Sokolova, Frank C. Hawthorne, Leonid A. Pautov:The Crystal Chemistry Of Li-bearing Minerals With The Milarite-Type Structure: The Crystal Structure Of End-Member Sogdianite. In: The Canadian Mineralogist. Band38, 2000, S.858 (englisch, rruff.info[PDF; 698kB; abgerufen am 10.Dezember 2019] Tabelle 8).