Entdeckt wurde Dusmatovit in den Moränen des GletschersDara-i-Pioz (auch Darai-Pioz oder Dara-Pioz) im Alaigebirge in Tadschikistan und 1996 von L.A. Pautov, A.A. Agakhanov, E.V. Sokolova, K.I. Ignatenko als neues Mineral der Milaritgruppe beschrieben. Sie benannten das Mineral nach dem tadschikischen Geologen und Mineralogen Vyacheslav Djuraevitch Dusmatov (1936–2004) in Anerkennung seiner Arbeit in der Darai-Pioz-Region. Dusmatov war beteiligt an der Erstbeschreibung zahlreicher neuer Minerale vom Darai-Pioz-Gletscher, darunter Sogdianit und Darapiosit aus der Milaritgruppe.[8]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[9]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Dusmatovit ebenfalls in die Abteilung der „Ringsilikate“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Ringe, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „[Si6O18]12−-Sechser-Doppelringe“ zu finden ist. Darin gehört es mit Almarudit, Armenit, Berezanskit, Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Eifelit, Friedrichbeckeit, Klöchit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit und Yagiit zur „Milaritgruppe“ mit der System-Nr. 9.CM.05.[9]
Die Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage) wird von „Hudson Institute of Mineralogy“ in der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführt. Hier gehört Dusmatovit in die Klasse „Silicate und Germanate“ und die Abteilung der „Ringsilikate“ (englisch[Cyclosilicates). Diese ist weiter unterteilt nach der Zähligkeit und Multiplizität der Silicatringe und Dusmatovit wird in der Unterabteilung „sechser-Doppelringe“ (englischSi6O18]2- 6-membered double rings) mit der Systemnummer 9.CM geführt, zusammen mit den zuvor aufgeführten Mineralen der Milarit-Gruppe, den neu hinzugekommenen Mineralen Aluminosugilith und Laurentthomasit sowie dem verwandten Mineral Faizievit.[10]
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Dusmatovit in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Ringsilikate: Kondensierte Ringe“ ein. Hier ist er in der „Milarit-Osumilith-Gruppe (Milarit-Osumilith-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 63.02.01a innerhalb der Unterabteilung „Ringsilikate: Kondensierte, 6-gliedrige Ringe“ zu finden.
Dusmatovit ist das Mn2+-Äquivalent von Klöchit bzw. Shibkovit und hat die empirische Zusammensetzung[12]K [9](Na0,66K0,35) [6](Mn1,48Zr0,16Y0,17) [4](Zn2,17Li0,74) [4]Si12O30,[7] wobei in den eckigen Klammern die Koordinationszahl der jeweiligen Position in der Kristallstruktur angegeben ist.[7]
Die Endgliedzusammensetzung des Dusmatovit war umstritten. Cooper et al. definierten 1999 Dusmatovit als K-Analog von Darapiosit mit der Formel
Hawthorne, an der Veröffentlichung von beiden widersprüchlichen Formeln beteiligt, publizierte 2002 ein allgemeines Schema zur Ermittlung der Endgliedzusammensetzungen komplexer Mischkristalle und bestätigt die Dusmatovit-Formel des Teams um Sokolova:
Die gemessenen Zusammensetzungen von Dusmatovit entsprechen Mischkristallen von Dusmatovit mit Sogdianit (Zr-Einbau) und einem hypothetischen Y-Li-Endglied der Zusammensetzung K Na2 Y3+2 Li3 Si12O30 (Y3+-Einbau).[4]
Dusmatovit ist isotyp zu Milarit, das heißt, er kristallisiert mit der gleichen Struktur wie Milarit. Die 12-fach koordinierte C-Position ist voll besetzt mit Kalium (K+), die 9-fach koordinierte B-Position halb mit Natrium (Na+) und Kalium. Mangan (Mn2+), Zirkon (Zr4+) und Yttrium (Y3+) füllen die 6-fach koordinierte A-Position. Die tetraedrisch koordinierten T2-Position enthält vorwiegend Zink (Zn2+) sowie etwas Lithium (Li+). Die T1-Position, die die 6er-Doppelringe aufbaut, enthält nur Silizium (Si4+).[7]
Dieser sehr mineralreiche Fundort stellt die Typlokalität von 44 Mineralen dar (Stand 2024), davon allein 5 aus der Milaritgruppe: Berezanskit, Darapiosit, Dusmatovit, Shibkovit und Sogdianit. Weiterhin wurden hier die Milaritgruppenminerale Milarit, Osumilith, und Sugilith nachgewiesen.[13]
123Elena V. Sokolova, Frank C. Hawthorne, Leonid A. Pautov:The Crystal Chemistry Of Li-bearing Minerals With The Milarite-Type Structure: The Crystal Structure Of End-Member Sogdianite. In: The Canadian Mineralogist. Band38, 2000, S.858,Tabelle8 (englisch, rruff.info[PDF; 698kB; abgerufen am 31.Oktober 2023]).
1234Frank C. Hawthorne:The Use Of End-Member Charge-Arrangements In Defining New Mineral Species And Heterovalent Substitutions In Complex Minerals. In: The Canadian Mineralogist. Band40, 2002, S.699–710 (englisch, researchgate.net[PDF; 348kB; abgerufen am 31.Oktober 2023]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345678Elena V. Sokolova, Leonid A. Pautov:Crystal structure of Dusmatovite. In: Doklady Physics. Band40, 1995, S.53–506 (englisch, researchgate.net[PDF; 1,7MB; abgerufen am 31.Oktober 2023]).
1234567891011121314John Leslie Jambor, Nikolai N. Perstev, Andrew C. Roberts:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band82, 1997, S.430–433 (englisch, minsocam.org[PDF; 90kB; abgerufen am 31.Oktober 2023]).
↑Classification of Dusmatovite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 12.Januar 2025(englisch,siehe auch Anker „Strunz-Mindat“).
↑Mark A. Cooper, Frank C. Hawthorne, Edward S. Grew:The crystal chemistry of sogdianite, a milarite-group mineral. In: American Mineralogist. Band84, 1999, S.767,Tabelle7 (englisch, rruff.info[PDF; 1,5MB; abgerufen am 31.Oktober 2023]).
↑
Fundortliste für Dusmatovit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 31. Oktober 2023.