Osumilith kristallisiert mit hexagonaler Symmetrie und entwickelt meist kleine, tafelige bis prismatische Kristalle bis etwa fünf Millimeter Größe mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Er findet sich aber auch ein- oder aufgewachsen in massigen Aggregaten. Die meist durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle sind von dunkelblauer bis dunkelgrauer, seltener auch grüner, brauner oder schwarzer Farbe. Auf der Strichtafel hinterlässt Osumilith allerdings einen grauweißen Strich.
Als Akiho Miyashiro an der Universität Tokio 1951 im Rahmen einer Studie über Cordierit darauf aufmerksam gemacht wurde, dass das Mineral in Vulkaniten typischerweise optisch einachsig positive Eigenschaften aufwies, vermutete er zunächst, es könne sich um eine Hochtemperatur-Modifikation des Minerals handeln. Nach einer detaillierten Analyse eines solchen „einachsigen Cordierits“ im Winter 1952/1953 stellte Miyashiro fest, dass es sich nicht um Cordierit, sondern um ein bisher unbekanntes Mineral mit hexagonaler Symmetrie handelte. Die Mineralprobe stammte aus den biotithaltigenRhyodaziten (Hypersthen-Plagioliparite) bei Sakkabira nahe Tarumizu-mati in der Präfektur Kagoshima auf der japanischen Insel Kyūshū.
Miyashiro benannte das neue Mineral nach der historischen Provinz Ōsumi (heute der östliche Teil von Kagoshima), in der Sakkabira liegt. Der zweite Wortteil geht zurück auf das griechische Wort λίθοςlíthos, deutsch ‚Stein‘. Seine Untersuchungsergebnisse zum neuen Mineral Osumilith veröffentlichte er 1953 im japanischen Fachmagazin Proceedings of the Japan Academy. Eine detailliertere Erstbeschreibung einschließlich entschlüsselter Kristallstruktur folgte 1956 im Fachmagazin American Mineralogist.
Da der Osumilith bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Osumilith als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Osumilith lautet „Osm“.[1]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Osumilith in die Abteilung der „Ringsilikate (Cyclosilikate)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Art der Ringstruktur, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „[Si6O18]12− – Sechser-Doppelringe“ zu finden ist, wo es zusammen mit Almarudit, Armenit, Berezanskit, Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Friedrichbeckeit, Klöchit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit und Yagiit die „Milaritgruppe“ 9.CM.05 bildet.[10]
Die Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage) wird von „Hudson Institute of Mineralogy“ in der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführt. Hier gehört Osumilith unverändert in die Abteilung der „Ringsilikate“ (englisch[Cyclosilicates). Diese ist weiter unterteilt nach der Zähligkeit und Multiplizität der Silikatringe und Osumilith wird in der Unterabteilung „sechser-Doppelringe“ (englischSi6O18]2- 6-membered double rings) mit der Systemnummer 9.CM geführt, zusammen mit den zuvor aufgeführten Mineralen der Milarit-Gruppe, den neu hinzugekommenen Mineralen Aluminosugilith und Laurentthomasit sowie dem verwandten Mineral Faizievit.[11]
Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Osumilith ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Ringsilikate: Kondensierte Ringe“ ein. Hier ist er zusammen mit Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Eifelit, Merrihueit, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Sugilith, Yagiit, Dusmatovit, Milarit, Sogdianit, Roedderit, Berezanskit, Shibkovit, Trattnerit, Almarudit, Oftedalit, Klöchit und Friedrichbeckeit in der „Milarit-Osumilith-Gruppe (Milarit-Osumilith-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 63.02.01a innerhalb der Unterabteilung „Ringsilikate: Kondensierte, 6-gliedrige Ringe“ zu finden.
Osumilith ist isotyp zu Milarit, d. h., es kristallisiert mit der gleichen Struktur wie Milarit. Die 12-fach koordinierte C-Position ist nicht ganz vollständig besetzt mit Natrium (Na+) und Kalium (K+). Die 9-fach koordinierte B-Position ist leer. Eisen (Fe2+) und geringe Mengen Magnesium (Mg2+) füllen die 6-fach koordinierte A-Position und die tetraedrisch koordinierten T2-Position enthält die dreiwertigen Kationen Aluminium (Al3+) und Eisen (Fe3+). Die T1-Position, die die 6er-Doppelringe aufbaut, ist gemischt besetzt mit 10 Silizium (Si4+) und 2 Al3+.[12]
Osumilith ist stark dichroistisch, zeigt also beim Durchgang des Lichts aus zwei verschiedenen Richtungen zwei verschiedene Farben. Durchgehendes Licht in Richtung der optischen Hauptachse lässt den Osumilith hellblau bis blauviolett, blassrosa oder blass gelblichbraun erscheinen. Senkrecht dazu ist er farblos oder braun.
Als seltene Mineralbildung ist Osumilith nur von wenigen Fundorten oder in geringer Stückzahl bekannt. Weltweit sind bisher nur etwas mehr als 25 Vorkommen dokumentiert (Stand Januar 2025).[14] Außer an seiner Typlokalität Sakkabira fand sich das Mineral in Japan bisher nur noch bei Shimizu (Hayato) nahe Kirishima in der ebwenfalls auf Kyūshū liegenden Präfektur Kagoshima.
In Österreich trat das Mineral bisher nur am Pauliberg im Burgenländer Bezirk Oberpullendorf und am Steinberg bei Mühlddorf (Feldbach) in der Südsteiermark auf.
Akiho Miyashiro:Osumilite, a new mineral, and cordierite in volcanic rocks. In: Proceedings of the Japan Academy. Band29, 1953, S.321–323 (englisch, rruff.info[PDF; 109kB; abgerufen am 21.September 2023]).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band39, 1954, S.690–692 (englisch, rruff.info[PDF; 147kB; abgerufen am 21.September 2023]).
Akiho Miyashiro:Osumilite, a new silicate mineral, and its crystal structure. In: American Mineralogist. Band41, 1956, S.104–116 (englisch, rruff.info[PDF; 736kB; abgerufen am 22.September 2023]).
Martin Okrusch, Siegfried Matthes:Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer, Berlin [u.a.] 2005, ISBN 3-540-23812-3, S.395.
Akiho Miyashiro:Metamorphic petrology. CRC Press, London 1994, ISBN 1-85728-037-7, 7: The concept and system of metamorphic facies, S.184ff. (englisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 21.September 2023]).
W. Schreyer, G. Hentschel, K. Abraham:Osumilith in der Eifel und die Verwendung dieses Minerals als petrogenetischer Indikator. In: TMPM Tschermaks Mineralogische und Petrographische Mitteilungen. Band31, 1983, S.215, doi:10.1007/BF01081370.
Osumilite Mineral Data.In:webmineral.com.David Barthelmy;abgerufen am 1.November 2024(englisch).
Osumilite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 21.September 2023(englisch).
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.613 (englisch).
12345Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Osumilite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 85kB; abgerufen am 18.September 2023]).
12345Osumilite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 22.September 2023(englisch).
↑Classification of Osumilite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 14.Januar 2025(englisch,siehe auch Anker „Strunz-Mindat“).
1234Akiho Miyashiro:Osumilite, a new silicate mineral, and its crystal structure. In: American Mineralogist. Band41, 1956, S.104–116 (englisch, rruff.info[PDF; 736kB; abgerufen am 14.Januar 2025]).