Sugilith (auch Sugilit[7][9]) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und hat die vereinfachten Zusammensetzung[12]K2[9]Na[6](Fe3+,Mn3+,Al)2[4]Li3[4][Si12O30][3], ist also chemisch gesehen in der idealisierten Form ein Kalium-Natrium-Eisen-Lithium-Silikat. Strukturell gehört er zu den Ringsilikaten. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Eisen, Mangan und Aluminium können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals. Die hochgestellten und von eckigen Klammern umgebenen Zahlen geben die Koordinationszahl für das jeweilige Element an.
Sugilith kristallisiert mit hexagonaler Symmetrie und entwickelt nur selten größere Kristalle, die dann allerdings bis etwa zwei Zentimeter groß werden können[6] und deren Oberflächen einen glasähnlichen Glanz aufweisen. Meist findet sich Sugilith in Form körniger bis massiger Mineral-Aggregate. Sugilith ist bräunlich gelb, oft aber durch Mangangehalte von kräftig violetter bis magentaähnlichen Farbe. Auf der Strichtafel hinterlässt Sugilith jedoch einen weißen Strich.
Sugilith findet ausschließlich Verwendung als Schmuckstein.
Sugilith wurde 1944 von Professor Ken-ichi Sugi auf der kleinen Insel Iwagi in der Seto-Inlandsee entdeckt, die zur Präfektur Ehime Japans gehört. Analysiert und beschrieben wurde das Mineral 1976 durch Nobuhide Murakami, Toshio Kato, Yasunori Miúra, Fumitoshi Hirowatari, die es nach seinem Entdecker benannten.[8]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Sugilith in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung „Ringsilikate (Cyclosilikate)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Zähligkeit und Multiplizität der Silikatringe. Das Mineral ist hier entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „[Si6O18]12−-Sechser-Doppelringe“ zu finden, wo es zusammen mit Almarudit, Armenit, Berezanskit, Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Friedrichbeckeit, Klöchit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Trattnerit und Yagiit die „Milaritgruppe“ mit der Systemnummer 9.CM.05 bildet.
Die vom „Hudson Institute of Mineralogy“ in der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführte Strunz-Klassifikation in der 9. Auflage führt den Sugilith unverändert in der Abteilung der „Ringsilikate“ (englisch[Cyclosilicates) und dort in der Unterabteilung „Sechser-Doppelringe“ (englischSi6O18]2- 6-membered double rings) zusammen mit den zuvor aufgeführten Mineralen der Milarit-Gruppe sowie den neu hinzugekommenen Mineralen Aluminosugilith und Laurentthomasit und dem verwandten Mineral Faizievit.[11]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Sugilith die System- und Mineralnummer 63.02.01a.09. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Ringsilikate: Kondensierte Ringe“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Ringsilikate: Kondensierte, 6-gliedrige Ringe“ in der „Milarit-Osumilith-Gruppe (Milarit-Osumilith-Untergruppe)“, in der auch Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Eifelit, Merrihueit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Yagiit, Dusmatovit, Milarit, Sogdianit, Roedderit, Berezanskit, Shibkovit, Trattnerit, Almarudit, Oftedalit, Klöchit und Friedrichbeckeit eingeordnet sind.
[C](K0,81Na0,19) [B](Na0,64(H2O)0,91□0,45) [A](Fe3+1,32Na+0,59Ti4+0,06Fe2+0,03) [T2](Li+2,12Al0,59Fe3+0,29) [T1]Si12O30 (Typlokalität, etwas verunreinigt durch Pektolith-Einschlüsse),[12]
Etwa 2mm große, dunkelviolette Sugilithkristalle, eingewachsen in einer Matrix aus massigem Sugilith aus der „Wessels Mine“ (Größe: 6,5 × 3,7 × 2,9 cm)Sugilith-Kristallrasen auf blättrigem Baryt aus dem gleichen Fundort (Größe: 2,4 × 2,1 × 1,2 cm)
Als seltene Mineralbildung konnte Sugilith nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei bisher etwas mehr als 10 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2024).[14] Neben seiner Typlokalität Iwagi ist das Mineral in Japan nur aus der Manganerzgrube „Furumiya“ auf der Insel Shikoku bekannt.
Bekannt aufgrund reichhaltiger, auch kristalliner, Sugilithfunde ist vor allem die „Wessels Mine“ nahe Hotazel in den Manganerzfeldern der Kalahari in Südafrika.[15]
Weitere bisher bekannte Fundorte sind unter anderem die „Woods Mine“ bei Tamworth und die „Hoskins Mine“ bei Grenfell im australischen Bundesstaat New South Wales, die „Cerchiara Mine“ bei Borghetto di Vara (Ligurien) und Castagnola in der Gemeinde Vagli di Sotto (Toskana) in Italien, der Steinbruch „Poudrette“ am Mont Saint-Hilaire in Kanada, die „N’Chwaning Minen“ bei Kuruman und das Bohrloch „AKH49“ bei Sishen in Südafrika sowie der GletscherDara-i-Pioz (Darai-Pioz) im Alai-Gebirge in Tadschikistan.[16]
Qualitativ hochwertiger Sugilith hat leuchtende violette bis rötliche Farben und ist stets etwas transparent. Aufgrund der Knappheit der aktuellen Vorkommen wird oft das Nebengestein (grau, braun, rot, schwarz, …) ebenfalls als Sugilith verkauft. Gute Sugilithe erkennt man an ihren kräftigen, leuchtenden Farben. Bei Lampenlicht sind Sugilithe für gewöhnlich stark rötlich und leuchten weniger als bei Sonnenlicht. Bei Beleuchtung mit weißen LEDs „leuchten“ bzw. strahlen die Farben guter Sugilithe besonders intensiv.
Schlechtes Material ist leicht zu erkennen. Es zeigt oft nur wenig und schlecht gefärbte Anteile an Sugilith im Muttergestein, wobei diese Sugilithanteile vor allem eher rötlich sind. Das „Strahlen“ bzw. „Leuchten“ der Farben fehlt meist völlig oder ist nur äußerst schwach ausgeprägt. Bei einigen guten Sugilithen ist es allerdings oft auch nicht zu umgehen, dass viel Muttergestein erhalten bleibt.
In Esoterikerkreisen ist Sugilith auch unter den Handelsnamen Luvulith und Royal Azel[19] bekannt und wird entweder als Siderisches Pendel oder als Amulett bzw. Heilstein mit angeblich harmonisierender Wirkung auf Nerven und Gehirn verwendet.[17] Letzteres ist wissenschaftlich jedoch nicht erwiesen.
Nobuhide Murakami, Toshio Kato, Yasunori Miúra, Fumitoshi Hirowatari:Sugilite, a new silicate mineral from Iwagi Islet, Southwest Japan. In: Mineralogical Journal. Band8, 1976, S.110–121 (englisch, rruff.info[PDF; 776kB; abgerufen am 15.Januar 2025]).
T. Armbruster, R. Oberänsli:Crystal chemistry of double-ring silicates: Structures of sugilite and brannockite. In: American Mineralogist. Band73, 1988, S.595–600 (englisch, rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 15.Januar 2025]).
Sugilite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 16.Oktober 2024(englisch).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.614 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12David Barthelmy:Sugilite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 17.Oktober 2024(englisch).
12345
Sugilite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 74kB; abgerufen am 30.Juli 2024]).
12Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.231.
1234Sugilite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 17.Oktober 2024(englisch).
↑Classification of Sugilite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 13.Januar 2025(englisch,siehe auch Anker „Strunz-Mindat“).
↑Nobuhide Murakami, Toshio Kato, Yasunori Miúra, Fumitoshi Hirowatari:Sugilite, a new silicate mineral from Iwagi Islet, Southwest Japan. In: Mineralogical Journal. Band8, 1976, S.110–121 (englisch, rruff.info[PDF; 776kB; abgerufen am 15.Januar 2025]).
123T. Armbruster, R. Oberänsli:Crystal chemistry of double-ring silicates: Structures of sugilite and brannockite. In: American Mineralogist. Band73, 1988, S.595–600 (englisch, rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 15.Januar 2025]).
↑Localities for Sugilite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 17.Oktober 2024(englisch).
↑
Fundortliste für Sugilith beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 17. Oktober 2024.
12Walter Schumann:Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S.276,289,291.