Albit gehört zur großen Familie der Feldspate und bildet dort das natriumreiche Endglied der Mischkristallreihe bzw. dem Dreistoffsystem Orthoklas(K[AlSi3O8])–Albit–Anorthit(Ca[Al2Si2O8])[2.2] in der Gruppe der Plagioklase mit den Zwischengliedern Oligoklas, Andesin, Labradorit und Bytownit. Aufgrund der Mischkristallbildung wird die Formel für natriumreiche Plagioklas-Feldspate allgemein auch mit (Na,Ca)[(Si,Al)4O8][5] angegeben. Da man die Mischkristalle makroskopisch nicht unterscheiden kann, wurden diese willkürlich nach steigendem Anorthitgehalt unterteilt, wobei Albit als solcher bezeichnet werden darf, wenn er maximal 10% Anorthit enthält.
Albit entwickelt überwiegend flächenreiche, tafelige bis prismatische Kristalle und Zwillinge, wobei polysynthetische Zwillinge meist an ihren gestreiften Kristallflächen erkennbar sind. Bekannt sind auch körnige bis massige Mineral-Aggregate. In reiner Form ist Albit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen oder durch Fremdbeimengungen eine graue, gelbliche, rötliche, grünliche oder bläuliche Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Klare und unverletzte Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, Spaltflächen schimmern dagegen perlmuttartig.
Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde Albit 1815 durch Johan Gottlieb Gahn und Jöns Jakob Berzelius, die das Mineral aufgrund seiner vorherrschend weißen Farbe nach dem lateinischen Wort albus für „weiß“ benannten.
Da der Albit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Albit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[12] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Albit lautet „Ab“.[1]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Albit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die bereits feiner unterteilte Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zeolithisches H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zusätzliche Anionen“ zu finden, wo es zusammen mit Andesin, Anorthit, Bytownit, Labradorit, Oligoklas und Reedmergnerit die „Plagioklase“ mit der Systemnummer 9.FA.35 bildet.[16]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Albit die System- und Mineralnummer 76.01.03.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Al-Si-Gitter“. Hier findet er sich in der „Feldspatgruppe – Untergruppe Plagioklase“, in der auch Oligoklas, Andesin, Labradorit, Bytownit und Anorthit eingeordnet sind.[17]
Albitkristall aus Griechenland mit Blick in Richtung b-Achse
Von Albit sind verschiedene strukturelle Modifikationen bekannt, die alle im triklinen Kristallsystem in der RaumgruppeC1(Raumgruppen-Nr. 2, Stellung 3)[4]Vorlage:Raumgruppe/2.3 mit leicht unterschiedlichen Gitterparametern kristallisieren. Die Modifikationen entstehen durch die unterschiedliche Verteilung des Aluminiums und Siliciums auf die unterschiedlichen Tetraederplätze des Kristallgitters (Grad der Aluminium- und Silicium-Ordnung). Die Gitterparameter lauten bei jeweils vier Formeleinheiten pro Elementarzelle[5] für
Hoch-Albit: a=8,16Å; b=12,88Å; c=7,11Å; α=93,5°; β=116,5° und γ=90,2°
Tief-Albit: a=8,14Å; b=12,79Å; c=7,16Å; α=94,2°; β=116,6° und γ=87,7°
Tief-Albit kann durch Erwärmung auf über ca. 700°C in Hoch-Albit umgewandelt werden;[18] für Hoch-Albit wird mitunter auch die Bezeichnung Analbit verwendet. Weitere Erwärmung von Hoch-Albit auf über etwa 1050°C führt zu einer Umwandlung der triklinen in eine monokline Struktur. Diese Modifikation ist auch als Monalbit bekannt. Da die Natriumatome jedoch zu klein sind, wird die Struktur bei Abkühlung wieder triklin und Monalbit ist daher kein anerkanntes Mineral.
Schema von möglichen Kristallzwillingen beim Albit
Albit bildet überwiegend Kristallzwillinge in Form lamellarer Wiederholungszwillinge aus, die sich durch ihre charakteristische Streifung auf den Kristallflächen bemerkbar machen. Bevorzugt werden zwei Zwillingsgesetze, von denen eines nach dem Albit benannt wurde.
Im „Albit-Gesetz“ bildet die b-Fläche (010) die Verwachsungsebene der Zwillinge. An der Basis entsteht ein einspringender Winkel von 7°12' bis 8°20'. Die „Spaltfläche“ c, aber auch alle übrigen Flächen (mit Ausnahme von b) sind durch lamellare Wiederholung dieses Gesetzes längsgestreift. Aufgrund der für alle Plagioklase charakteristischen Zwillingsstreifung lassen sich diese im Gestein relativ leicht von den Kalifeldspaten unterscheiden. Sichtbar sind diese jedoch meist nur unter dem Mikroskop.[2.3]
Beim „Periklin-Gesetz“ liegt die Zwillingsachse parallel zur b-Achse [010]. Die Verwachsungsfläche ist hier entweder die Basis, wobei sich die Zwillingshälften überdecken oder die sogenannte „X-Fläche“ bzw. der „rhombische Schnitt“, bei der beide Zwillingshälften aufeinanderpassen. Der „rhombische Schnitt“ verändert je nach Zusammensetzung der Plagioklase seine Lage zu den kristallographischen Achsen und kann daher zu deren optischer Bestimmung genutzt werden.[2.3]
Als Periklin (griech.: περίκλινής [periklinis], sich ringsum neigend) bezeichnete Breithaupt 1823 einen milchig weißen, mit plattigen Kristallen ausgebildeten Albit[20]
Cleavelandit ist ein in dünnblättrigen Täfelchen auftretender Albit.
Der Mischkristall Oligoklas wird mit einem Albitgehalt von 90 bis 70% (An 10–30%) als Varietät dem Albit zugeordnet. Bekannt ist er vor allem durch seine Untervarietät Sonnenstein, der aufgrund vieler eingelagerter Hämatitschüppchen rötlichbraun gefärbt ist und stark glitzert.
Antiperthit ist eine dem Mondstein ähnliche Albit-Varietät mit Kalifeldspat-Entmischungslamellen, die auch unter den Handelsnamen Albit-Mondstein, Kanadischer Mondstein oder Peristerit bekannt ist, wobei letzterer als überflüssige Bezeichnung für iridisierenden Albit diskreditiert ist.[21][22]
Periklin, ausgestellt im Estnischen Museum für Naturgeschichte (estnischEesti Loodusmuuseum)
Großer Albitkristall (weiß) mit Muskovit (bräunlich) und Beryll (hellblau) aus dem Shigar-Tal, Pakistan (Größe: 7,5×4,4×4,0cm)Albit (weiß) mit Schörl (schwarzer Turmalin) und Spessartin (orange) aus der „Little Three Mine“, Ramona (Kalifornien) (Größe: 5,7×5×2,5cm)
Als häufige Mineralbildung ist Albit an vielen Fundorten anzutreffen, wobei bisher (Stand: 2013) rund 8000 Fundorte als bekannt gelten.[23] Neben seiner Typlokalität, dem Steinbruch „Finnbo“ bei Falun trat das Mineral in Schweden unter anderem noch bei Älvdalen, Hedemora und am Öster Silvberg in der Gemeinde Säter in Dalarna; bei Kramfors im Ångermanland; bei Jokkmokk, Kiruna und Storuman in Lappland; bei Båraryd und Jönköping in Småland; bei Filipstad im Värmland sowie bei Lindesberg, Nora und Sala im Västmanland auf.
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Albitfunde sind unter anderem der Amelia County in Virginia und der District Pala (San Diego County) in Kalifornien in den USA, wo in Pegmatit-Hohlräumen gut entwickelte Cleavelandkristalle von bis zu 15cm Durchmesser zutage traten.[24]
In der Schweiz kennt man das Mineral vor allem aus den Kantonen Graubünden (Calanda, Domleschg, Engadin, Medeltal), Tessin (Valle Leventina, Valle Maggia) und Uri (Maderanertal, Reusstal), Wallis (Binntal, Oberwald, Val d’Anniviers, Zermatt).
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Ägypten, Algerien, Angola, der Antarktis, Argentinien, Armenien, Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Finnland, Frankreich, Kanada, Kolumbien, Myanmar, Tschechien, Griechenland, Grönland, Ungarn, Indien, Indonesien, Iran, Irland, Italien, Japan, Kasachstan, Kirgistan, Korea, Madagaskar, Malawi, Marokko, Mexiko, der Mongolei, Mosambik, Namibia, Nepal, Neuseeland, Nigeria, Norwegen, Oman, Pakistan, Paraguay, Peru, Polen, Portugal, Ruanda, Rumänien, Russland, Sambia, Saudi-Arabien, Simbabwe, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Sudan, Tadschikistan, Tansania, der Türkei, Ukraine, Usbekistan, im Vereinigten Königreich (UK) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[25]
Albit ist aufgrund seines niedrigen Alkaligehaltes für die Keramikindustrie nur von untergeordneter Bedeutung. Lediglich dessen Varietäten Oligoklas bzw. Sonnenstein und Kanadischer Mondstein finden gelegentlich Verwendung als Schmuckstein, wobei diese aufgrund ihrer Seltenheit meist durch synthetischen Goldfluss bzw. weißen Labradorit imitiert werden.
Johan Gottlieb Gahn, Jöns Jakob Berzelius:Undersökning af nagra i grannskapet af Fahlun funna fossilier. In: Afhandlingar i Fysik, Kemi och Mineralogi. Band4, 1815, S.148–216 (schwedisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 30.August 2026]).
Gustav Rose:Ueber den Feldspath, Albit, Labrador und Anorthit. In: Annalen der Physik und der Physikalischen Chemie. Band73, 1823, S.173–208 (Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 7. September 2023 im Internet Archive) [PDF; 2,0MB; abgerufen am 30.August 2026]).
R. B. Ferguson, R. J. Traill, W. H. Taylor:The crystal structures of low-temperature and high-temperature albites. In: Acta Crystallographica. Band10, 1957, S.759–760, doi:10.1107/S0365110X5800092X (englisch).
Albite search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 30.August 2026(englisch).
123Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.695 (englisch).
12
Albite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 91kB; abgerufen am 30.August 2026]).
1234Albite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 30.August 2026(englisch).
↑
Typlokalität für Albit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 30. August 2026.
↑Gustav Rose:Ueber den Feldspath, Albit, Labrador und Anorthit. In: Annalen der Physik und der Physikalischen Chemie. Band73, 1823, S.173–208 (Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 7. September 2023 im Internet Archive) [PDF; 2,0MB; abgerufen am 30.August 2026]).
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig:Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S.1608 (englisch).
↑O. F. Tuttle, N. L. Bowen:High-temperature albite and contiguous feldspars. In: The Journal of Geology. Band58, Nr.5, 1950, S.572–583, doi:10.1086/62576, JSTOR:30068571 (englisch).