Es kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt meist zentimetergroße, isometrische bis kurzprismatische Kristalle mit einem glas- bis fettähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Es wurden aber auch einzelne Kristalle bis 1,5m Länge und größer entdeckt. Daneben findet sich Amblygonit auch in Form von körnigen bis massigen Aggregaten.
In reiner Form ist Amblygonit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine graue bis beige, blassgelbe, lachsrosa, blassgrüne oder blassblaue Farbe annehmen. Seine Strichfarbe ist allerdings immer weiß.
Der Name Amblygonit ist eine Zusammensetzung von altgriechischάμβλύςamblýs, deutsch ‚stumpf‘, und γωνίαgōnía, deutsch ‚Winkel‘, und bezieht sich auf die Tatsache, dass Amblygonit in unterschiedlichen Richtungen mit jeweils unterschiedlichen Winkeln, aber verschieden von 90°, spaltet.[7]
Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde Amblygonit 1818 von August Breithaupt, der mit dem Mineralnamen auch daran erinnern wollte, dass Amblygonit zuvor mit Skapolith verwechselt wurde, der jedoch in einem Winkel von 90° spaltet.[8]
Da der Amblygonit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Amblygonit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Amblygonit lautet „Aby“.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/B.02-030. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Phosphate, mit fremden Anionen F,Cl,O,OH“, wo Amblygonit zusammen mit Griphit, Montebrasit, Tancoit und Tavorit die „Amblygonitgruppe“ mit der Systemnummer VII/B.02 bildet.[4]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Amblygonit die System- und Mineralnummer 41.05.08.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)2(XO4)Zq“ in der „Amblygonitgruppe“, in der auch Montebrasit und Natromontebrasit eingeordnet sind.
Amblygonit ist in seinen optischen Eigenschaften dem Quarz und Albit sehr ähnlich und wird daher öfter mit ihnen verwechselt. Durch einen Flammentest für Lithium (hält man eine Probe in eine Gasflamme färbt sich diese hell- bis karminrot), seine Dichte und seine ungewöhnliche Spaltbarkeit kann man es von den anderen unterscheiden. Außerdem ist Amblygonit leicht schmelzbar und bläht sich beim Erhitzen auf.[10]
Als relativ seltene Mineralbildung kann Amblygonit an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 330 Vorkommen dokumentiert (Stand 2025).[11]
Riesige Kristalle mit einer Größe von 7,62m×2,44m×1,83m und bis zu 102Tonnen Gewicht[13] sowie blockige Aggregate von bis zu 200 Tonnen Gewicht[14] wurden zudem in der Hugo Mine, Keystone (ebenfalls in South Dakota) entdeckt.
C. A. S. Hoffmann:Handbuch der Mineralogie. fortgesetzt von J. F. A. Breithaupt. 4. Band, 2. Abteilung. Craz und Gerlach, Freiberg 1818, S.159–161, Gattung B. Amblygonit (rruff.info[PDF; 234kB; abgerufen am 19.März 2025]).
Martin Okrusch, Siegfried Matthes:Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer, Berlin [u.a.] 2005, ISBN 3-540-23812-3, S.251 (Pegmatite als Rohstoffträger).
Amblygonite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 18.März 2025(englisch).
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Amblygonite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 54kB; abgerufen am 19.März 2025]).
12345Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.441 (englisch).
12Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.630.
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Fundortliste für Amblygonit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 19. März 2025.
↑Peter C. Rickwood:The largest crystals. In: American Mineralogist. Band66, 1981, S.885–908 (englisch, minsocam.org[PDF; 2,5MB; abgerufen am 19.März 2025]).
12Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.158–159.
↑Walter Schumann:Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S.208.