Brasilianit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist kurzprismatische oder isometrische Kristalle, kommt aber auch in Form radialstrahliger, körniger oder massiger Mineral-Aggregate vor. In reiner Form ist Brasilianit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine gelbliche bis grünlichgelbe Farbe annehmen.
Erstmals als eigenständiges Mineral erkannt und wissenschaftlich beschrieben wurde Brasilianit 1945 durch Frederick H. Pough und Edward P. Henderson. Als Typlokalität gilt Conselheiro Pena bei Minas Gerais in Brasilien und nach diesem Fundort (Brasilien) wurde das Mineral auch benannt. Bekannt war der Brasilianit allerdings schon vorher, wurde aber irrtümlich für Chrysoberyll gehalten.[7]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Brasilianit die System- und Mineralnummer 41.05.07.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)2(XO4)Zq“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 41.05.07.
Brasilianit wird ausschließlich zu Schmucksteinen verarbeitet, ist allerdings als relativ neues Schmuckmineral noch nicht sehr verbreitet. Da der Stein nur etwa die Härte von Glas besitzt, ist er gegenüber Beanspruchungen bei der Schmuckherstellung und beim Tragen empfindlich und kann als Arm- oder Fingerschmuck im täglichen Gebrauch leicht beschädigt werden.[9] Verwechslungsgefahr aufgrund seiner Farbe besteht unter anderem mit Amblygonit, Apatit, Chrysoberyll, Beryll und Topas.[12]
Frederick H. Pough, Edward P. Henderson:Brazilianite, a new phosphate mineral. In: American Mineralogist. Band30, 1945, S.572–582 (englisch, rruff.info[PDF; 665kB; abgerufen am 4.September 2024]).
Cornelius S. Hurlbut, Jr., Elizabeth J. Weichel:Additional data on brazilianite. In: American Mineralogist. Band31, 1946, S.507 (englisch, rruff.info[PDF; 71kB; abgerufen am 4.September 2024]).
G. D. Gatta, P. Vignola, M. Maven, R. Rinaldi:Neutron diffraction in gemology: Single-crystal diffraction study of brazilianite NaAl3(PO4)2(OH)4. In: American Mineralogist. Band98, 2013, S.1624–1630 (englisch, rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 4.September 2024]).
Brazilianite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 4.September 2024(englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345678
Brazilianite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 51kB; abgerufen am 4.September 2024]).
1234B. M. Gatehouse, B. K. Miskin:The crystal structure of brazilianite, NaAl3(PO4)2(OH)4. In: Acta Crystallographica. B30, 1974, S.1311–1317, doi:10.1107/S0567740874004730 (englisch, researchgate.net[PDF; 881kB; abgerufen am 4.September 2024]).
12345Brazilianite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 4.September 2024(englisch).
↑Gerhard Niedermayr:Aus den Neuerwerbungen der Mineralogisch-Petrographischen Abteilung – Brasilianit und Petalit aus Minas Gérais, Brasilien. In: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien. Band76, 1972, S.605–607 (zobodat.at[PDF; 1MB][abgerufen am 4.September 2024]).
↑
Fundortliste für Brasilianit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 4. September 2024.
↑Walter Schumann:Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S.206.