Bøggildit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und findet sich meist in säuligen Mineral-Aggregaten mit prismatischen und in Längsrichtung gestreiften Kristallen von bis zu 12 Millimetern Länge. Auf unverletzten Flächen der hellroten bis fleischroten Kristalle zeigt sich ein glasähnlicher Glanz, Bruchflächen weisen dagegen einen eher fettartigen Glanz auf.
Erstmals entdeckt wurde Bøggildit in der Kryolith-Lagerstätte bei Ivittuut im Südwesten Grönlands. Wissenschaftlich beschrieben wurde er 1951 durch den dänischen Geologen Richard Bøgvad (1897–1952), der das Mineral nach seinem alten Lehrer, Professor Ove Balthasar Bøggild (1872–1956) benannte.[8]
Da der Bøggildit bereits vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) 1958 bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Bøggildit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Bøggildit lautet „Bgg“.[1]
Im zuletzt 2018 überarbeiteten „Lapis-Mineralienverzeichnis“, das sich im Aufbau noch nach der alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer III/C.05-020. In der Lapis-Systematik entspricht dies der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Doppelhalogenide (meist mit OH, H2O)“, wo Bøggildit zusammen mit Stenonit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer III/C.05 bildet.[2]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Bøggildit die System- und Mineralnummer 12.01.06.01. Auch dies entspricht der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Halogenidverbindungen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Halogenidverbindungen mit verschiedenen Anionen“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 12.01.06.
Richard Bøgvad:Mineralogical observations on the cryolite deposite at Ivigtut, Greenland. In: Meddelelser fra Dansk Geologisk Forening. Band12, 1951, S.109–110 (englisch, online verfügbar bei 2dgf.dk[PDF; 520kB; abgerufen am 20.Mai 2024]).
Michael Fleischer:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band39, 1954, S.848–852 (englisch, rruff.info[PDF; 313kB; abgerufen am 20.Mai 2024]).
Michael Fleischer:New Mineral Names. New Data. In: American Mineralogist. Band41, 1956, S.958–960 (englisch, rruff.info[PDF; 178kB; abgerufen am 20.Mai 2024]).
Bøggildite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 20.Mai 2024(englisch).
12345Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.167 (englisch).
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Bøggildite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 20.Mai 2024]).
1234Bøggildite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 20.Mai 2024(englisch).
↑Arne Noe-Nygaard:Richard Bøgvad (1. November 1897 – 7. August 1952). In: Meddelelser fra Dansk Geologisk Forening. Band12, Nr.2, 1952, S.315–318 (dänisch, online verfügbar bei 2dgf.dk[PDF; 1,1MB; abgerufen am 20.Mai 2024]).