Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und entwickelt meist quadratische, prismatische oder pseudo-oktaedrischeKristalle bis etwa 8cm Größe, aber auch massige Aggregate von gelboranger, bräunlichgelber, brauner bis schwarzer, selten auch grüner Farbe und helloranger bis dunkelbrauner Strichfarbe.
Das Typmaterial des Minerals wird im Mineralogischen und Geologischen Museum der Universität Oslo (MGMU) in Oslo unter der Inventarnummer 5998 (CT) aufbewahrt.[8][9]
Da der Thorit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Thorit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[10] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Thorit lautet „Thr“.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/A.09-030. Dies entspricht der Abteilung „Inselsilikate mit [SiO4]-Gruppen“, wo Thorit zusammen mit Atelisit-(Y), Coffinit, Hafnon, Reidit, Stetindit-(Ce), Thorogummit und Zirkon die „Zirkongruppe“ mit der Systemnummer VIII/A.09 bildet.[2]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Thorit die System- und Mineralnummer 51.05.02.03. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Inselsilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen nur mit Kationen in >[6]-Koordination“ in der „Zirkongruppe“, in der auch Zirkon, Hafnon, Coffinit, Thorogummit und Stetindit eingeordnet sind.
Das Mineral ist durch seinen Gehalt an Thorium (max. 71,6%) und Uran (je nach Grad der Substitution von Thorium) sehr stark radioaktiv. Unter Berücksichtigung der Mengenanteile der radioaktiven Elemente in der idealisierten Summenformel sowie der Folgezerfälle der natürlichen Zerfallsreihen wird für das Mineral eine spezifische Aktivität von etwa 32kBq/g[3] angegeben (zum Vergleich: natürliches Kalium 0,0312kBq/g). Der zitierte Wert kann je nach Mineralgehalt und Zusammensetzung der Stufen deutlich abweichen, auch sind selektive An- oder Abreicherungen der radioaktiven Zerfallsprodukte möglich und ändern die Aktivität.
Aufgrund der starken Radioaktivität ist es zudem oft metamikt, das heißt sein Kristallgitter ist zerstört, wobei durch die zunehmende Zerstörung des Kristallgitters auch die Farbe immer dunkler wird, von Braun bis schließlich Schwarz.
Die Verbindung (Th,U)[SiO4] ist polymorph, das heißt, sie tritt in der Natur neben dem tetragonalen Thorit auch als monokliner Huttonit auf.
Orangit ist eine kristallisierte, orangefarbene oder gelbe Varietät von Thorit; Uranothorit mit viel U, MacIntoshit mit U und Ce, Auerlith mit P anstelle von Si.
Thorgummit galt bis 2014 als eigenständiges Mineral, wurde diskreditiert und wird seitdem als Thorit-Varietät geführt.[12]
Als häufige Mineralbildung ist Thorit an vielen Orten anzutreffen. Weltweit sind bisher über 1800 Vorkommen[13] für Thorit dokumentiert (Stand: 2025). Außer an seiner Typlokalität auf der Insel Løvøya (Løvø) trat das Mineral noch an vielen Orten in der Kommune Porsgrunn und der Provin Telemark auf. Weitere bekannte Fundorte in Norwegen liegen unter anderem in den Provinzen Agder, Akershus, Buskerud, Nordland, Østfold und Vestfold.[14]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Ägypten, Algerien, Argentinien, Armenien, Australien, Bangladesh, Belarus, Bolivien, Brasilien, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grönland, Indien, Indonesien, Iran, Italien, Japan, Kambodscha, Kamerun, Kanada, Kasachstan, Kirgisistan, Madagaskar, Marokko, Mexiko, der Mongolei, Myanmar, Namibia, Neuseeland, Nigeria, Nord- und Südkorea, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Saudi-Arabien, Schweden, der SchwedenSlowakei, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, Tschechien, Ukraine, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England, Schottland) sowie in mehr als der Hälfte der Bundesstaaten der USA.[14]
J. J. Berzelius:Ueber den Thorit, ein neues Mineral, und eine darin enthaltene neue Erde, die Thorerde. In: Annalen der Physik und Chemie. Band91, 1829, S.633–634 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 17.März 2026]).
J. J. Berzelius:Untersuchung eines neuen Minerals und einer darin enthaltenen zuvor unbekannten Erde. In: Annalen der Physik und Chemie. Band92, 1829, S.385–415 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 17.März 2026]).
L. H. Fuchs, Elizabeth Gebert:X-ray studies of synthetic coffinite, thorite and uranothorites. In: American Mineralogist. Band43, Nr.3–4, 1958, S.243–248 (englisch, minsocam.org[PDF; 353kB; abgerufen am 17.März 2026]).
Thorite search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 17.März 2026(englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.543 (englisch).
1234567
Thorite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 69kB; abgerufen am 17.März 2026]).
123Thorite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 17.März 2026(englisch).
↑J. J. Berzelius:Ueber den Thorit, ein neues Mineral, und eine darin enthaltene neue Erde, die Thorerde. In: Annalen der Physik und Chemie. Band91, 1829, S.633–634 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 17.März 2026]).
↑Paula C. Piilonen, Ralph Rowe, Glenn Poirier, Joel D. Grice, Andrew M. McDonald:Discreditation of thorogummite. In: The Canadian Mineralogist. Band52, Nr.4, 2014, S.769–774, doi:10.3749/canmin.1400058 (englisch, Download verfügbar bei researchgate.net[PDF; 307kB; abgerufen am 17.März 2026]).
↑Localities for Thorite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 17.März 2026(englisch).
123
Fundortliste für Thorit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 17. März 2026.