U406 gehörte zum zweiten Bauauftrag, der von Seiten der Kriegsmarine an die Danziger Werft AG erging. Der Auftrag umfasste insgesamt vier Boote. Im Laufe des Zweiten Weltkrieges lieferte diese Werft insgesamt 32 U-Boote vom Typ VIIC – sogenannte Atlantikboote – aus. So ein Boot war 67m lang und verdrängte unter Wasser 865m³ und über Wasser 761m³. Bei Überwasserfahrt trieben zwei Dieselmotoren das Boot zu einer Geschwindigkeit von 17kn an, während bei Unterwasserfahrt zwei Elektromotoren eine Geschwindigkeit von 7kn gewährleisteten. Die Bewaffnung der VIIC-Boote bestand bis 1944 aus einer 8,8-cm-Kanone und einer 2-cm-Flak an Deck sowie vier Bugtorpedorohren und einem Hecktorpedorohr. Üblicherweise führte ein VIIC-Boot 14 Torpedos mit sich. Bereits während der Ausbildungszeit in der Ostsee wählten die Besatzungen der meisten deutschen U-Boote oft ein spezifisches Kennzeichen für ihre Einheit, das am Turm aufgemalt und an der Mütze getragen wurde. Das Emblem von U406 ergab sich aus einer Variation der Markierung durch das U-Boot-Abnahmekommando, das für die Prüfung von Bootneubauten zuständig war. Im Fall der Danziger Werft bestand dies aus einem Punkt mit einem waagerechten Strich darunter. Dieses UAK-Zeichen wurde von der Besatzung derart abgewandelt, dass der Punkt einen Vogelkopf und einen Schwanz erhielt und mit zwei Beinen mit dem unteren Strich verbunden wurde. Zudem bürgerte sich die Bezeichnung U-Spatz ein.[1]
Bis April 1942 unterstand U406 als Ausbildungsboot der 8.U-Flottille in Danzig. Kommandant Dieterichs unternahm in dieser Zeit Übungsfahrten zum Training der Besatzung und zum Einfahren des Bootes. Am 4. April 1942 brach das Boot von Kiel aus zu seiner ersten Unternehmung auf. Zwei Wochen später erreichte das Boot Saint-Nazaire, Stützpunkt der 7.U-Flottille, wo U406 von nun an stationiert war. Von hier aus brach es unter Dieterichs Kommando zu zehn weiteren Unternehmungen auf, die das Boot bis in den Mittelatlantik und an die westafrikanische Küste führten.
Die Zarian gehörte zum Geleitzug ONS154 und wurde von U406 beschädigt
Das Boot gehörte zu einer Gruppe von U-Booten, die vom 27. bis zum 29. Dezember 1942, nach den Maßgaben der von Karl Dönitz entwickelten Rudeltaktik, den alliierten Geleitzug ONS154 angriffen. Der Konvoi war am 16. Dezember von Adolph Graef, dem Kommandanten von U 664, gemeldet worden und bestand aus 44 Handelsschiffen. ONS154 wurde eskortiert von einer Geleitschutzgruppe der Royal Canadian Navy, die aus einem Zerstörer und fünf Korvetten bestand. Zudem begleiteten ein Rettungsschiff und ein Katapultschiff den Geleitzug.[2] Kommandant Dieterichs attackierte den Konvoi am 28. Dezember mit mehreren Flächen-Absuch-Torpedos (FAT) und beschädigte gegen viertel nach elf drei Schiffe. Die britischen Frachter BaronCochrane und Zarian wurden später von U123 und U 591 versenkt. Die ebenfalls durch Dieterichs’ Fächerschuss beschädigte britische Lynten Grange wurde zunächst von U123 verfehlt und dann von U 628 versenkt.[3] Kommandant Dieterichs gab an, mit demselben Schuss einen weiteren großen Dampfer beschädigt zu haben – dieser Treffer konnte allerdings nicht bestätigt werden.
U 572 wurde versenkt, bevor es mit U406 zusammentreffen konnte
Im Juni 1943 patrouillierte Dieterichs mit U406 zwischen Trinidad und Französisch-Guayana. Nachdem das Boot dort im Kampf gegen alliierte Flugzeuge einen Großteil seiner Artilleriemunition verbraucht hatte, erbat er von der U-Bootführung ein Treffen mit dem weiter nördlich patrouillierenden U 572, um Munition und Waffenfett zu übernehmen. Die Koordination des geplanten Zusammentreffens konnten allerdings von den Alliierten abgehört werden, woraufhin U572 am verabredeten Treffpunkt von einem Flugboot der US Navy versenkt wurde. Kommandant Dieterichs patrouillierte mit U406 noch weitere zwei Wochen in dem Seegebiet, bis sich das Boot schließlich auf den Rückmarsch nach Frankreich machte. Auf der Fahrt wurde es am 23. August nochmals von einem Flugzeug angegriffen. Die Besatzung setzte sich erneut mit Artillerie zur Wehr, wobei zwei Mann getötet und drei weitere verwundet wurden.[4]U406 erreichte seinen Stützpunkt Saint-Nazaire am 15. September 1943.
Überlebende von U406 und U386 werden in Liverpool an Land gebracht
Am 15. Februar 1944 meldete die Luftwaffe einen alliierten Geleitzug, der von Großbritannien mit Kurs Nordamerika aufbrach. Die U-Bootführung reagierte mit der Aufstellung der U-Bootgruppen Hai 1 und Hai 1, die nach Maßgabe der von Karl Dönitz entwickelten Rudeltaktik das Gefecht mit dem Konvoi suchen sollten.[5] Die britische Fregatte HMSSpey, Führungsschiff der 10. Geleitsicherungsgruppe, spürte U 406 am Nachmittag des 18. Februar mit ASDIC auf und griff das Boot anschließend mit Wasserbomben an. Es gelang Kommandant Dieterichs, das Boot auftauchen und die Evakuierung einleiten zu lassen, während die britische Fregatte U406 mit Artillerie beschoss, einen Rammversuch unternahm und weitere, flach eingestellte Wasserbomben warf.[6] Als Kommandant Dieterichs als erster auf dem Turm erschien, wurde er durch Maschinengewehrfeuer der Spey erschossen.[5] Sein Boot wurde um 14:30 Uhr durch den Angriff der HMS Spey versenkt.[7]
Bei der Versenkung von U406 kamen 12 Besatzungsmitglieder ums Leben, unter ihnen der Kommandant.[6] Die restlichen 42 Mann wurden von der HMS Spey aufgenommen.[5]
Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 2: Der U-Boot-Bau auf deutschen Werften. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 1997, ISBN 3-8132-0512-6.
Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 3: Deutsche U-Boot-Erfolge von September 1939 bis Mai 1945. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 2001, ISBN 3-8132-0513-4.
↑Georg Högel: Embleme, Wappen, Malings deutscher U-Boote 1939–1945. 5. Auflage. Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2009, ISBN 978-3-7822-1002-7, S. 102.
↑Clay Blair: Der U-Boot-Krieg – Die Gejagten 1942–1945. Heyne Verlag, 1999, ISBN 3-453-16059-2, S. 176–177, 627, 757, 816.
↑Ian M. Malcolm: Shipping Company Losses of the Second World War Book II. Moira Brown, Dundee 2020, ISBN 978-1-65661-255-7, S. 77–78.
↑Clay Blair: Der U-Boot-Krieg – Die Gejagten 1942–1945. Heyne Verlag, 1999, ISBN 3-453-16059-2, S. 438–439, 627, 757, 816.
123Clay Blair: Der U-Boot-Krieg. Band 2: Die Gejagten, 1942–1945. Heyne, München 1999, ISBN 3-453-16059-2, S. 588.
12Paul Kemp: Die deutschen und österreichischen U-Boot-Verluste in beiden Weltkriegen. Urbes Verlag, Gräfelfing vor München 1998, ISBN 3-924896-43-7, S. 178.
↑Axel Niestlé: German U-Boat Losses during World War II. Details of Destruction. Frontline Books, Barnsley 2014, ISBN 978-1-84832-210-3, S. 61.