Die Lübecker Werft der Flender Werke AG war durch den Z-Plan der Kriegsmarine bereits vor Kriegsbeginn in das deutsche U-Bootbauprogramm eingebunden. Der Erste Bauauftrag über Boote des Typ VIIC erging im Januar 1939. U306 gehörte zum fünften Bauauftrag, der an diese Werft erging. Er umfasste insgesamt vier U-Boote, alle vom Typ VIIC.[1] Ein solches Boot hatte eine Verdrängung von 761m³ über und 865m³ unter Wasser, war 67,1m lang und 6,2m breit und hatte einen Tiefgang von 4,8m. Die zwei 1400 PS starken Dieselmotoren erbrachten eine Überwassergeschwindigkeit von 17 kn, das entspricht 31,5km/h. Unter Wasser wurde ein VII C–Boot von zwei Elektromotoren mit je 375PS angetrieben, die eine Geschwindigkeit von 7,6 kn – also 14km/h – ermöglichten. U306 trug das Wappen von Kassel, der Patenstadt des Bootes und zusätzlich ein österreichisches Wappen und ein Hufeisen mit einem Kleeblatt am Turm.[2]
Claus von Trotha wurde am 25. März 1914 in Köln geboren und trat 1936 in die Kriegsmarine ein. Bei Kriegsbeginn diente er als Wachoffizier auf dem ZerstörerZ 2 Georg Thiele, danach auf einem Torpedoboot. Im Anschluss an seine U-Bootausbildung, die er im April 1941 abschloss, fuhr er als Wachoffizier auf U 81. Von Februar bis September 1942 kommandierte Claus von Trotha das Schulboot U 554. Im Anschluss erhielt er das Kommando auf U306. Am 1. April 1943 wurde Claus von Trotha zum Kapitänleutnant befördert.
Bis zum 28. Februar 1943 gehörte U306 zur 8. U-Flottille und war in Danzig stationiert. In dieser Zeit unternahm Kommandant von Trotha Ausbildungsfahrten in der Ostsee zum Training der Besatzung. Am 25. Februar brach er von Kiel aus zu seiner ersten Feindfahrt mit U306 auf. Vorgesehenes Operationsgebiet war das Seegebiet südlich Islands.[3] Am 1. März 1943 wurde das Boot der 1. U-Flottille zugeteilt, in deren Stützpunkt, den besetzten nordfranzösischen Atlantikhafen Brest, U306 am 9. Mai 1943 einlief.
Auf dieser Unternehmung war das Boot der U-Bootgruppe Seeteufel zugeteilt. Es gelang Kommandant von Trotha Mitte März den alliierten Geleitzug ONS 1 aufzuspüren und nach den Maßgaben der von Karl Dönitz entwickelten Rudeltaktik weitere deutsche U-Boote an den Konvoi heranzuführen.[4] In einem aufkommenden Schneesturm gelang es den Schiffen von ONS 1 jedoch erfolgreich, der U-Bootgruppe Seeteufel auszuweichen und zu entkommen.[5] Im April wurde U306 der U-Bootgruppe Meise zugeteilt.[6] Am 21. April spürte Kommandant von Trotha einen weiteren Geleitzug auf, es war HX 234, der aus 43 Handelsschiffen bestand, die von sieben Kriegsschiffen gesichert wurden. Die Signale von U306 führten sechs weitere U-Boote an den Geleitzug heran. Da es den britischen Streitkräften gelang, die deutschen Funksignale durch Huff-Duff einzupeilen, versuchten sie, den Konvoi durch eine bald eintreffende effiziente Luftsicherung vor Angriffen zu schützen. Es gelang Kommandant von Trotha ein Schiff zu versenken und ein weiteres zu beschädigen:
22. April 1943 amerikanischer Frachter Amerika mit 10.218 BRT durch Torpedo versenkt
23. April 1943 britischer Frachter Silvermaple mit 5.313 BRT durch Torpedo beschädigt[7]
Von Brest lief U306 am 10. Juni zu seiner zweiten Unternehmung aus.[3] Als Operationsgebiet waren eigentlich von Seiten der U-Bootführung die Gewässer vor der amerikanischen Ostküste vorgesehen. Aber Kommandant von Trotha hatte seine Befehle anders interpretiert, Dakar angesteuert und befuhr nun mit seinem Boot das Seegebiet zwischen den Kanaren und Freetown, wo alliierte Geleitzüge zusammengestellt wurden.[8] Am 16. Juli entdeckte Kommandant von Trotha den südwärts laufenden Geleitzug SL 133. Im Laufe des Morgens griff U306 diesen Konvoi mehrmals an. Am 18. Juni meldete Kommandant von Trotha, er habe „sicher“ vier Schiffe mit 27.000 BRT und vermutlich auch ein weiteres versenkt. Die Auswertung der alliierten Unterlagen ergab, dass lediglich ein Schiff beschädigt wurde.
16. Juli 1943 britischer Dampfer Kaipara mit 5.882 BRT durch Torpedo beschädigt
Auf der Rückfahrt vom Einsatzgebiet übernahm U306 am 23. Juli Treibstoff vom U-Hilfs-Tanker U155, der zuvor einige Boote der Gruppe Monsun versorgt hatte. Beide Boote kehrten am 11. August gemeinsam zum Stützpunkt in Lorient zurück.[3][9]
Die Whitehall war an der Versenkung von U 306 beteiligt
Am 14. Oktober 1943 lief U306 von Brest aus zu seiner letzten Unternehmung aus.[3] Das Boot wurde der U-Bootgruppe Schill zugeteilt, die in drei Suchstreifen zwischen den Azoren und der portugiesischen Küste aufgestellt wurde, und Jagd auf alliierte Geleitzüge machte. Bei dem Angriff auf die Konvois SL 138 und MKS 28 wurde U306 von der HMS Whitehall, ein Zerstörer, der noch aus dem Ersten Weltkrieg stammte, und der KorvetteGeranium versenkt.[10]
↑Georg Högel: Embleme, Wappen, Malings deutscher U-Boote 1939–1945. 5. Auflage. Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2009, ISBN 978-3-7822-1002-7, S. 89.
1234Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 2: Der U-Boot-Bau auf deutschen Werften. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 1997, ISBN 3-8132-0512-6, S. 471.
↑Fühlungshaltende U-Boote verfolgten den Gegner in sicherer Entfernung und setzten regelmäßig kurze Funksprüche ab, die über Position, Richtung und Geschwindigkeit unterrichteten.
↑C. Blair: Der U-Boot-Krieg. Band 2: Die Gejagten, 1942–1945. 1998, S. 331–332.
↑Peter-Erich Cremer, der kurze Zeit im Stab des BdU diente, berichtet, dass Dönitz für die U-Bootgruppe stets martialische Namen wählte, während der Erster Admiralstabsoffizier beim BdU Eberhard Godt harmlose Bezeichnungen, wie etwa Singvogelnamen bevorzugte.
↑Die Silvermaple wurde einige Tage später durch U 66 versenkt, der Kommandant wurde gefangen genommen.
↑Zu den acht VII C U-Booten, die in diesem Zeitraum in diesem Seegebiet patrouillierten, gehörte auch U 333 unter dem Kommando von Peter-Erich Cremer.
↑C. Blair: Der U-Boot-Krieg. Band 2: Die Gejagten, 1942–1945. 1998, S. 477.
↑Bernard Ireland: Battle of the Atlantic. Naval Institute Press, Annapolis MD 2003, ISBN 1-59114-032-3, S. 166.