Zum Inhalt springen

Alexander Balus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Alexander Balus (HWV 65) ist ein Oratorium in drei Teilen von Georg Friedrich Händel.

Laut seinen Datierungen im Autograph schrieb Händel die ersten beiden Akte von Alexander Balus vom 1. Juni bis 24. Juni 1747, den dritten bis 30. Juni. Die gesamte Partitur mit Instrumentierung war am 4. Juli abgeschlossen. Im gleichen Jahr schrieb er vom 19. Juli bis 19. August noch das Oratorium Joshua.

Die Uraufführung fand zwei Wochen nach der des Joshua statt, nämlich am 23. März 1748 im Covent Garden Theatre. Wie bei ähnlichen Gelegenheiten wurde als Zwischenaktmusik ein neues Konzert gegeben. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um das kurz vorher komponierte Concerto a due cori in F-Dur, Nr. 2 (HWV 333).

Der Librettist des Werks war Reverend Thomas Morell, der für mehrere der späten Händeloratorien die Texte lieferte. Der Stoff der Handlung basiert auf dem apokryphen Ersten Buch Makkabäer (1 Makk 1–10). Thematisch steht er damit dem vorhergehenden Oratorium Judas Maccabaeus nahe: Jonathan in diesem Werk ist ein Bruder des Judas.

Die Besetzung wurde bei der Uraufführung von folgenden Sängern gesungen:

Die Handlung spielt zwischen 150 und 145 v. Chr. und umfasst die Regierungszeit des in Syrien an die Macht gekommenen Usurpators Alexander Balus.

Nach einer kurzen zweiteiligen Ouvertüre beginnt die Handlung mit dem triumphalen Einzug des Alexander Balus in Antiochia, er hatte König Demetrius I. auf dem Schlachtfeld besiegt und getötet. Der Chor der Asiaten begrüßt Alexander mit einem Siegeslied, der Sieger verspricht in einer kurzen Ansprache, dem unterlegenen Feind Gerechtigkeit und Gnade zu gewähren. Der Makkabäer Jonathan, der ihn für diese Aussage lobt, versichert Alexander sowohl politische wie persönliche Treue und Freundschaft. Jahre später kündigt eine Trompetenfanfare die Ankunft des Königs Ptolomee (VI.) und seiner Tochter Cleopatra (Thea) an; der ägyptische Machthaber bringt seine friedlichen Absichten zum Ausdruck. Alexander verliebt sich sofort in Cleopatra und fragt seinen Freund Jonathan, ob auch er von Cleopatras Reizen angetan sei. Nach einem Szenenwechsel gesteht Cleopatra ihrer Vertrauten Aspasia, dass ihr Herz ebenso an Alexander verloren ist. Cleopatra will von Aspasia wissen, ob sie nicht auch Alexander als „wahren König“ bemerkt habe und gibt damit ihre Verliebtheit zu. Jonathan schlägt Alexander vor, bei Ptolomee um die Hand von Cleopatra zu bitten. Alexander stimmt freudig zu, gibt auch umgehend die Anweisung, entsprechende Botschaften mit reichen Geschenken zu versenden. Allerdings stellt sich für ihn die Frage, welche Geschenke wohl angemessen sind. Selbst die „ganze Welt“ wäre doch für „solch ein Juwel“ kein angemessener Preis. Jonathan ruft im Schlussakt die Söhne Judas zur Jubelfeier auf: das Schwert ruht endlich in der Scheide, Gefangene sind frei und deshalb habe man Grund, den „Spender mit überschwenglicher Freude zu loben“.

Der vor Liebeskummer zweifelnde Alexander richtet das Gebet eines Verliebten gen Himmel. Und tatsächlich hilft der Himmel und wendet für Alexander zunächst einmal alles zum Guten: Jonathan bringt seinem König und Bruder nicht nur die durch einen Boten mitgeteilte Zustimmung des ägyptischen Herrschers zur Hochzeit mit seiner Tochter, sondern er weiß auch noch zu berichten, dass Cleopatra in der Stadt Ptolemais auf ihn wartet. Alexanders Freude hält aber nicht lange an, denn ein Höfling erzählt ihm, dass man einen Mordanschlag auf ihn verüben wolle und dass der Attentäter kein Geringerer als sein engster Berater Jonathan sei. Das kann und will Alexander nicht glauben; er wirft den Höfling hinaus und lässt für Jonathan das beste Purpur-Gewand holen, denn er soll zum obersten Strategen ernannt werden. Jonathan weist auch alle Anschuldigungen als verleumderisch zurück und lässt seinem Zorn gegen die Ankläger freien Lauf. Das israelitische Volk ist von der Unschuld Jonathans ebenfalls überzeugt und äußert seine entsprechende Haltung in dem Chorsatz. Dann treten Cleopatra und ihre Vertraute Aspasia neuerlich in Erscheinung. Die Königstochter ist unruhig und glaubt Anzeichen einer „bösen Vorahnung von ich weiß nicht was“ zu haben, die ihre Vorfreude trüben. Aspasia versucht ihrer Freundin deren negative Gedanken auszutreiben und sie zu überzeugen, dass Alexander eine gute Wahl und auch ein guter Herrscher ist. König Ptolomee offenbart in einem Rezitativ seinen hinterhältigen Charakter, der selbst in Syrien an die Macht kommen will und ohne Skrupel seine Tochter in seine Rachepläne einbezieht. Er will Alexander mit Hilfe von Cleopatra vernichten, um dann einen angeblichen Sohn des Demetrius auf den Thron zu hieven. Der Chor der Asiaten bejubelt am Ende des zweiten Aktes die Hochzeit von Cleopatra und Alexander.

Cleopatras Stimmung ist freudig, sie zeigt sich mit ihrer Liebe zu Alexander mehr als glücklich. Mit der anschließenden Arie drückt Cleopatra ihre Hoffnung auf Frieden und Ruhe aus, wird jedoch plötzlich von einem gegensätzlich auftretenden Chor abrupt unterbrochen. Cleopatra wird entführt und Alexander hört ihre Hilfeschreie. Er ruft die „Mächtigen Hüter aller Natur“ an, um seine Gemahlin zu retten. Aber der hinzukommende Jonathan bringt noch schlechtere Nachrichten: er berichtet, dass wichtige syrische Städte sich von Alexander losgesagt und Ptolomee als Freund willkommen geheißen haben. Auch Antiochia soll die Stadttore bereitwillig geöffnet haben. Der Pharao hat sich dort bereits die „Doppelkrone“ von Ägypten und Asien aufgesetzt und die Herrschaft übernommen. Das ist für Alexander momentan aber völlig nebensächlich, denn diese Situation, findet er, kann man ja später kämpfend korrigieren. Dagegen ist Cleopatras Entführung besorgniserregend. Hier meldet sich Aspasia zu Wort und weiß zu berichten, dass die Palastwachen mit Gold bestochen wurden und Ptolomees Schergen eingelassen haben; sie weiß auch, dass Alexanders Schwiegervater die Entführung inszeniert hat, weil seine Tochter die Frau des Demetrius werden soll. Alexander ruft sofort zu den Waffen und lässt seiner Wut freien Lauf. Aspasia Rezitativ bedauert die seltsame Umkehrung des menschlichen Schicksals. Jonathan wünscht sich, dass Alexander den Glauben an den wahren Gott finden möge, da jene, auf die er bisher gesetzt hatte, keine Hilfe bringen können. Ptolomee hat seine Tochter zu sich bringen lassen und versucht sie in einem Gespräch, von Alexanders Unzulänglichkeiten zu überzeugen; die Syrer haben nämlich ein Komplott gegen diesen Usurpator geschmiedet. Deshalb musste er in väterlicher Sorge um das Wohl seiner Tochter handeln und einen „würdigeren Helden“ als Mann wählen, nämlich Demetrius, den Sohn des gleichnamigen von Alexander gestürzten Königs. Davon will Cleopatra aber nichts wissen, denn sie kennt ihren Gemahl nur als einen aufrichtigen und gerechten Menschen. Sie bittet ihren Vater, den geliebten Gatten noch einmal sehen zu dürfen, was Ptolomee rundheraus ablehnt. Ein weiterer Bote tritt auf und berichtet, dass Alexander bereits besiegt wurde; allerdings konnte er zum Nabatäerkönig fliehen. Alexanders Hoffnung, dort Unterschlupf zu finden, endet aber im vollständigen Unglück, denn König Zabdiel befiehlt sein Haupt abzuschlagen und den neuen Machthaber rückzusenden. Eine weitere schreckliche Nachricht trifft bald bei Cleopatra ein: Durch einen zweiten Boten erfährt sie, dass auch ihr Vater den Untergang gegen seine Schützling Demetrius auf dem Schlachtfeld gefunden hat. Resignierend singt die jetzt Vaterlose und Witwe ein trauriges Rezitativ und verharrt nach diesen Erschütterungen im schockartigen Schweigen. Jonathan bleibt es vorbehalten, das Drama zu einem Ende zu bringen: Mit den Worten „Geheimnisvoll sind deine Wege, o Vorsehung“ erinnert er die Lebenden an die Konsequenzen aus den schicksalhaften Ereignissen: Diejenigen, die nicht den einen, wahren Gott kennen, ereilt das unausweichliche, schreckliche Schicksal. Im Schlusschor bekräftigen die Israeliten Jonathans Worte. Händels Amen und Alleluja stehen in Moll um Cleopatras Leiden zu unterstreichen.

  • Winton Dean: Handel's Dramatic Oratorios and Masques. Clarendon, Oxford 1989, ISBN 0-19-816184-0, (Originalausgabe: Oxford University Press, Oxford 1959), (englisch).
  • Hans Joachim Marx: Händels Oratorien, Oden und Serenaten. Ein Kompendium. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-27815-2.
  • Albert Scheibler, Julia Evdokimova: Georg Friedrich Händel. Oratorien-Führer. Edition Köln, Lohmar 1993, ISBN 3-928010-04-2.