Riccardo Primo
| Werkdaten | |
|---|---|
| Originaltitel: | Riccardo Primo, Re d’Inghilterra |
Titelblatt des Librettos, London 1727 | |
| Form: | Opera seria |
| Originalsprache: | Italienisch |
| Musik: | Georg Friedrich Händel |
| Libretto: | Paolo Antonio Rolli |
| Literarische Vorlage: | Francesco Briani: Isacio Tiranno (1710) |
| Uraufführung: | 11. November 1727 |
| Ort der Uraufführung: | King’s Theatre, Haymarket, London |
| Spieldauer: | ca. 3 Stunden |
| Ort und Zeit der Handlung: | Lemesos (Zypern), Mai 1191 (kurz vor dem Dritten Kreuzzug) |
| Personen | |
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Riccardo Primo, Re d’Inghilterra (HWV 23) ist eine Oper (Melodrama) in drei Akten von Georg Friedrich Händel, die ihre Uraufführung am 11. November 1727 im King’s Theatre am Haymarket in London erlebte. Es war Händels dritte von insgesamt fünf Opern mit zwei Primadonnenrollen für Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni.
Die Handlung dreht sich um den legendenumwobenen englischen König Richard Löwenherz und seinen Aufenthalt auf Zypern im Jahr 1191.
Entstehung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Händel komponierte die Oper im Frühling 1727, kurz nachdem ihm im Februar des Jahres die britische Staatsbürgerschaft durch Georg I. verliehen worden war.[1] Die Tatsache, dass es sich um seine einzige Oper mit einem Thema aus der englischen Geschichte handelt, wird in der Literatur häufig und durchaus plausibel mit diesem biografischen Hintergrund in Zusammenhang gebracht.[2]
Das vorläufige Ende der Komposition notierte der Komponist am Ende seiner Partitur: „Fine dell’ Opera | G.F.H. May 16. 1727“.[3]
Falls die Oper ursprünglich noch im Juni aufgeführt werden sollte, wurde dies durch mehrere unvorhersehbare Ereignisse verhindert. Nachdem zwischen den Anhängern der beiden Primadonnen Bordoni und Cuzzoni ein echter Theaterkrieg entstanden war, der im Frühling 1727, also zur Entstehungszeit des Riccardo Primo, eskalierte, lieferten sich die beiden Parteien am 6. Juni mitten in einer Aufführung von Bononcinis Astianatte eine regelrechte Schlacht. Der Skandal war umso größer, als das Ganze in Gegenwart von Prinzessin Caroline, der Gemahlin des Thronfolgers, stattfand; die Aufführung wurde sofort beendet und das Theater musste vorerst schließen, damit sich die Gemüter erst einmal beruhigen konnten.
Nur fünf Tage später, am 11. Juni 1727, starb jedoch Georg I. während einer Reise in seine ehemalige Heimat in Osnabrück, und nun mussten alle Theater wegen Staatstrauer geschlossen bleiben.[4][5]
Händel erhielt im August 1727 den Auftrag, die Musik für die Krönung König Georgs II. am 11. Oktober in Form der vier Coronation Anthems zu komponieren.[5][6]
Wahrscheinlich, um die Oper als „Krönungsoper“ besser tauglich zu machen, unterzog Händel zusammen mit dem Librettisten Paolo Antonio Rolli die Partitur zu Riccardo Primo einer gründlichen Revision, so dass von einer (rekonstruierbaren) ersten und einer endgültigen zweiten Fassung gesprochen werden kann.[7]
Einen Monat nach der Krönung Georgs II., am 11. November 1727, wurde Riccardo Primo in der endgültigen Version am King’s Theatre am Haymarket uraufgeführt, mit der folgenden Besetzung:
- Riccardo – Francesco Bernardi, genannt „Senesino“ (Altkastrat)
- Costanza – Francesca Cuzzoni (Sopran)
- Isacio – Giuseppe Maria Boschi (Bass)
- Pulcheria – Faustina Bordoni (Sopran)
- Oronte – Antonio Baldi (Altkastrat)
- Berardo – Giovanni Battista Palmerini (Bass).[8]
Aufgrund der besonderen Umstände waren zuvor neue Bühnenbilder von Joseph Goupy und Peter Tillemans entworfen worden. Es sind so gut wie keine Reaktionen auf die Oper überliefert, außer von Händels Nachbarin Mrs. Pendarves, die schrieb, sie sei „delightful“ (bezaubernd, entzückend).[8][9]
Die Oper kam bis Mitte Dezember des Jahres auf elf Vorstellungen; unklar ist, ob noch weitere Vorstellungen im Januar 1728 stattfanden.[10] Danach wurde das Stück von Händel nicht wieder aufgenommen, jedoch übernahm er Teile der Musik in andere seiner Werke.[3]
Aufführungsgeschichte
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In den 1730er Jahren stand die Oper auch in Hamburg und Braunschweig auf dem Spielplan: An der Hamburger Oper am Gänsemarkt wurde sie unter dem Titel Der Mißlungene Braut=Wechsel Oder Richardus I. König von England am 3. Februar 1729 mit einer deutschen Übersetzung der Rezitative von Christoph Gottlieb Wend aufgeführt. Die musikalische Leitung dieser Aufführung hatte Georg Philipp Telemann,[3] der für die der Handlung hinzugefügten bukolischen Personen auch die Arien schrieb und die deutschen Rezitative Wends vertonte. Diese Fassung wurde in der Neuzeit am 15. März 1996 in Magdeburg erstmals wieder von der Akademie für Alte Musik Berlin unter Leitung von Nicholas McGegan aufgeführt.
1729 und 1734 kam die Oper als Riccardus genannt Das Löwen-Herz, König in Engelland auch in Braunschweig auf die Bühne.[3] Georg Caspar Schürmann hatte für die Rezitative und den Schlusschor eine deutsche Textfassung gemacht und hatte bei den Aufführungen 1729 auch die musikalische Leitung. 1734 leitete die Vorstellungen Carl Heinrich Graun.
Arien aus Riccardo Primo waren auch in einigen Pasticcios zu hören (Oreste, London 1734, Hermann von Balcke, Elbing 1737, und Lucio Vero, London 1747).[3]
Die erste moderne Wiedergabe der Oper fand am 8. Juli 1964 in englischer Sprache (Textfassung: Arthur Jacobs) im Sadler’s Wells Theatre in London mit der Philomusica of London unter Leitung von Charles Farncombe statt. Erstmals in seiner historischen Gestalt war das Stück bei einer konzertanten Aufführung im französischen Fontevraud-l’Abbaye im Zusammenhang mit der CD-Produktion des gesamten Werkes am 3. Juni 1995 durch Les Talens Lyriques unter Christophe Rousset zu hören.
Libretto
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Vorwort zum gedruckten Libretto ist zu lesen, dass der Text „fast ganz“ von Paolo Antonio Rolli geschrieben worden sei („II drama è quasi tutto del Sig. Paolo Rolli“).[3] Rolli benutzte jedoch als Vorlage Francesco Brianis Libretto Isacio Tiranno, das im Herbst 1710 in einer Vertonung von Antonio Lotti im Teatro San Giovanni Grisostomo in Venedig aufgeführt worden war, teilweise mit denselben Sängern – namentlich Margherita Durastanti und Diamante Maria Scarabelli –, die im Karneval zuvor in Händels Agrippina gesungen hatten.[11][3]
Wie aus dem Autograph hervorgeht, hielt sich Rolli vor allem in der ersten, im Mai 1727 fertiggestellten Fassung des Riccardo noch relativ eng an Brianis Vorlage, nahm allerdings die üblichen Kürzungen, besonders in den Rezitativen, vor und brachte für die Cuzzoni und die Bordoni die beiden Frauenrollen der Costanza und der Pulcheria in ein Gleichgewicht, da Costanza bei Briani (mit elf gegen sieben Arien) allzu eindeutig die prima donna war.[12]
In der Revision für die Uraufführung im November nahm Rolli dann zusätzliche Änderungen vor, unter anderem wurde die ursprünglich als Hosenrolle für die Altistin Anna Vincenza Dotti konzipierte Partie des „Corrado“, eines Vertrauten von Riccardo, gestrichen, da diese Sängerin inzwischen das Ensemble verlassen hatte.[13] Da die Oper so kurz nach der Krönung Georgs II. gegeben werden sollte und die Titelfigur des Richard Löwenherz nun „als Vorbild für Großmut“ dienen konnte und sollte, wurde der Charakter des Riccardo, der ursprünglich härter und unversöhnlicher gezeichnet war, abgemildert.[14]
Darüber hinaus „polierte“ Rolli auch die Sprache auf,[14] behielt aber trotzdem vor allem im ersten und im zweiten Akt (bis Szene 6) viele Rezitative Brianis fast wörtlich bei. Einige Arien wurden etwas umgeschrieben, andere neu verfasst.[3][15][16]
Es fällt außerdem auf, dass die beiden Frauenrollen – abgesehen von einer Szene, in der Pulcheria ihren Verlobten Oronte erwischt, wie er Costanza schmeichelt –, dramaturgisch nicht in Konkurrenz miteinander stehen, sondern dass Pulcheria ein eindeutig freundschaftliches und loyales Verhältnis zu Costanza und dem primo uomo Riccardo pflegt. Diese betont friedliche Konstellation dürfte von Händel und den Beteiligten angesichts des zuvor eskalierten Theaterkriegs um die angeblichen „Rival queens“ als ideal empfunden worden sein.
Handlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Historischer und literarischer Hintergrund
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Im Mittelpunkt der Oper steht der englische König Richard Löwenherz (Riccardo), der im Jahre 1191, im Vorfeld des Dritten Kreuzzuges, Zypern eroberte und dort Berengaria von Navarra heiratete, die in der Oper „Costanza“ heißt. Zypern wurde zuvor von Isaak Komnenos (Isacio) als Gouverneur regiert, dessen Tochter (in der Oper „Pulcheria“) zu dieser Zeit in der historischen Wirklichkeit noch ein Kind war, das von Berengaria als eine Art Mündel aufgenommen wurde.[17]
Erster Akt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten](Riccardo befindet sich auf Kreuzzug nach Jerusalem und hat seine Hochzeit mit Prinzessin Costanza geplant. Schlechtes Wetter reißt seine Flotte bei der Fahrt übers Mittelmeer auseinander.) Costanza und Berardo haben an der Küste Zyperns Schiffbruch erlitten; Costanza ist überzeugt, dass Riccardo ertrunken ist. Isacio, Pulcheria und Oronte treten auf, und Isacio fragt die Gestrandeten aus. Costanza verheimlicht ihre Identitäten und sagt, dass sie „Doride“ heiße und Berardo ihr Bruder „Narsete“ sei. Isacio ist von ihrer Schönheit hingerissen; er lädt sie in seinen Palast ein und weist Pulcheria an, sich auf ihre Hochzeit mit Oronte vorzubereiten. Dann befiehlt er Oronte, die Überreste der englischen Schiffe zu zerstören. Ein Lagerzelt nahe am Ufer. Riccardo hat erfahren, dass Costanza am Leben sei, und bringt seine Liebe zum Ausdruck, obwohl er sie noch nie gesehen hat. Er plant, inkognito in Isacios Palast zu gehen. Costanza und Berardo sind allein. Oronte und Pulcheria treffen ein, und Oronte macht Costanza zu Pulcherias Verdruss den Hof. Isacio wirbt um Costanza, die entsetzt zurückweicht. Sie fleht, allein gelassen zu werden, und geht ab. Oronte verkündet, dass ein Botschafter Riccardos angekommen sei. Costanza ist überglücklich, dass Riccardo noch am Leben ist. Riccardo tritt auf, als sein eigener Botschafter verkleidet. Isacio ist höflich und verspricht, Costanza zu übergeben. Riccardo ist beeindruckt und freut sich.
Zweiter Akt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Costanza fragt Berardo, ob Riccardo wisse, dass sie am Leben sei, und er verspricht, es herauszufinden. Isacio sagt Costanza, er wisse, wer sie sei, und verspricht, dass sie in Kürze mit ihrem Gatten vereint sein werde. Da er aber weiß, dass Riccardo Costanza noch nie gesehen hat, plant er, an ihrer Stelle Pulcheria zu Riccardo zu schicken. Er fordert Pulcheria auf, Oronte zu vergessen – was zu tun sie bereit ist, weil sie auf ihn böse ist – und sich auf ihre neue Ehre als Königin von England vorzubereiten; er ist stolz auf seine Raffiniertheit. Pulcheria ist schockiert und verzweifelt über diesen Schwindel, und sobald sie allein ist, gelobt sie, ihn aufzudecken. Berardo hat alles mit angehört und berichtet Costanza und Oronte davon. Oronte verspricht, sie beide zu rächen, und Costanza sehnt sich danach, dass Riccardo zu ihr kommt. Riccardo und sein Heer bereiten Pulcheria und ihrem Gefolge einen zeremoniellen Empfang. In der Meinung, dass sie Costanza sei, ist er bei ihrem Anblick enttäuscht, wenngleich er ihre Schönheit würdigt. Oronte eilt herbei und enthüllt den Betrug. Riccardo ist wütend. Pulcheria beschuldigt ihren Vater und bietet an, als Geisel dazubleiben, weil sie Riccardos Ehrgefühl achtet. Er aber fordert sie auf, zu Isacio zurückzukehren. Sie grollt Oronte noch immer und fühlt sich von allen abgelehnt. Oronte bietet Riccardo an, sich seiner Truppen zu bedienen; Riccardo schwört Rache, und Oronte hofft, dass die vom Ehrgefühl geleitete Liebe am Ende triumphieren werde. Riccardo kehrt, immer noch verkleidet, in den Palast zurück. Er wirft Isacio Betrug vor. Als er ihn bittet, die Vereinbarungen einzuhalten, reagiert Isacio trotzig. Pulcheria kehrt aus Riccardos Lager zurück, und Isacio gibt vor, Costanzas Freilassung zu akzeptieren. Pulcheria stellt Riccardo Costanza vor, und schließlich offenbart sie ihr seine Identität. Nachdem sie sich ihres eigenen Stolzes versichert hat, lässt sie Riccardo und Costanza allein, die nun einander ihre Liebe versichern.
Dritter Akt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Zwischenzeit hatte Riccardo mit Costanza den Palast verlassen, ihre Freilassung war aber eine List: Sie wurden von Isacios Truppen überfallen, und Costanza wurde Riccardo entrissen und in die Stadt zurückgeschleppt. Riccardo plant mit Oronte den Angriff; beide tun ihre Absicht kund, der Stadt den Garaus zu machen und Isacio zu besiegen. Im Palast beklagt Costanza ihr Unglück und erfleht den Tod als einzigen Ausweg. Pulcheria sagt, sie wolle als Geisel zu Riccardo zurückkehren und Isacio werde sie nicht durch die Hand Riccardos sterben sehen wollen – die Unschuld werde siegen. Costanza bittet den Himmel um Hilfe. Isacio offenbart die Tiefe seiner Liebe zu Costanza und seine Entschlossenheit, sie zu erobern. Berardo trifft ein und verlangt die Kapitulation, Isacio aber ist aufsässig und besteht auf dem Krieg. Costanza bittet Berardo, zu Riccardo zu gehen und ihm ihr letztes Lebewohl zu überbringen. Riccardos Armee greift die Stadtmauer an und schlägt eine Bresche. Isacio tritt auf, er hält Costanza fest und droht sie zu töten, wenn der Angriff nicht abgebrochen wird. Als er zustoßen will, greift Oronte mit seinen Truppen ein, entwaffnet Isacio und siegt. Berardo bringt Costanza die Siegesnachricht. Sie bringt ihre Erleichterung und Freude zum Ausdruck; Oronte trifft ein, um Isacios Kapitulation zu bestätigen, und verkündet, dass Riccardo ihm verziehen hat. Pulcheria freut sich ihrer Liebe zu Oronte. Nach einem Triumphmarsch vereint Riccardo Oronte und Pulcheria und verkündet, dass das Königreich ihnen gehöre. Er verspricht Costanza seine Liebe und Pulcheria seine Freundschaft. Alle vereinen sich in einem Jubelchor.
Musik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]„...der Tonsetzer überschüttet uns mit schönen Arien, in denen sich seine Sänger im vollen Staat zeigen konnten.“

Händels Riccardo Primo scheint nicht nur durch die Titelfigur, sondern auch in der musikalischen Umsetzung geradezu ideal als Festoper für die Krönung des englischen Monarchen, auch wenn sie ursprünglich gar nicht bewusst dafür konzipiert worden sein mag. Die Oper beginnt und endet in der traditionell königlichen und heldenhaften Tonart D-Dur,[19][20] die ansonsten auf den Titelhelden beschränkt ist, dessen Arioso „Quanto tarda il caro bene“ (Akt II, Nr. 16) sowie die zwei Arien „A vendicarmi“ (Akt II, Nr. 19) und „Atterrato il muro cada“ (Akt III, Nr. 34) in derselben Tonart stehen. Hinzu kommen der Chor „Alla vittoria“ (35) und die triumphale Marche (38) gegen Ende des dritten Aktes – beide sind mit Trompeten besetzt, dem ebenfalls traditionell als königlich geltenden Instrument.[21] Auch sonst gibt es in der Partitur ein auffälliges Übergewicht von Dur-Tonarten, mit nur 12 Nummern von insgesamt 41 (mit Ouverture, ohne Secco-Rezitative) in Moll. Diese tonartliche Anlage verleiht der Oper einen in erster Linie festlichen und prächtigen Charakter, während dunklere, tragischere Seelenbereiche hier seltener beleuchtet werden.[22]
Der Festcharakter der Partitur wird unterstützt durch eine bunte Instrumentierung, zu der neben der üblichen Besetzung mit Streichorchester, Oboen und Fagott in einzelnen Nummern (bis zu) drei Trompeten, Hörner, Blockflöte, Piccolo-Blockflöte und als absolute Rarität eine Bass-Traversflöte (Nr. 29) kommen; in der ursprünglichen Fassung vom Mai 1727 hatte Händel sogar zwei Chalumeaux vorgesehen, die er jedoch wieder strich, weil die beiden Musiker im November nicht mehr verfügbar waren.[23][21]
Der erste Akt ist wesentlich kürzer als die beiden folgenden, und bereits Charles Burney, Winton Dean[24] und Friedrich Chrysander waren sich einig, dass der dritte Akt besonders gelungen ist.[25]
Formal ist die Oper wohlüberlegt und einfallsreich gestaltet,[26] auch wenn es nur ein einziges Duett (Nr. 24) am Ende des zweiten Aktes gibt. Dramatik wird unter anderem durch eine ganze Reihe von Accompagnato-Rezitativen erzeugt, die teilweise in ungewöhnlicher Weise eingesetzt werden. So ist gleich das erste Accompagnato „Lascia, Berardo“ (Nr. 1) zu Beginn des ersten Aktes ein Bild des Seesturmes und besonders fulminant mit Paukenwirbeln orchestriert; ungewöhnlich ist auch, dass nicht nur eine Person ihre Gefühle ausdrückt, sondern dass es sich um einen Dialog zwischen der zum Selbstmord entschlossenen Costanza und Berardo handelt.[27][21] Der dritte Akt beginnt mit einem betont dramatischen Vorspiel in g-moll mit obligaten Oboen, das in ein kurzes Accompagnato für Riccardo „Perfido Isacio“ (Nr. 25) mündet. Nach einem Dialog zwischen Riccardo und Oronte, der in Secco-Rezitativen abläuft, bricht Riccardo nochmals in ein kurzes Accompagnato zu teilweise denselben Worten aus: „All’assalto alle stragi alla vendetta…“.
Formale Abwechslung wird außerdem durch insgesamt fünf, zum Teil extrem kurze Ariosi für Riccardo und Costanza geschaffen. Dabei folgt mehrfach ein Arioso direkt (also ohne vorhergehendes Secco-Rezitativ) auf eine Dacapo-Arie, z. B. geht im zweiten Akt Costanzas Dacapo-Arie „Caro, vieni a me“ (15) Riccardos Arioso „Quanto tarda il caro bene“ (16) voran (und nach wenigen Zeilen Secco-Rezitativ singt er ein weiteres kurzes Arioso (17)). Ein weiteres Beispiel ist im dritten Akt Riccardos „All’orror delle procelle“ (28), dem Costanzas Arioso „Morte, vieni“ (29) folgt. Auffällig ist dabei, dass in den genannten Fällen Stücke für Riccardo und Costanza (oder umgekehrt) aufeinander folgen, die dadurch besonders miteinander verbunden erscheinen.
Von den Dacapo-Arien haben einige kein Eingangsritornell, schließen sich also nahtlos und etwas überraschend an das vorhergehende Rezitativ an. Dies ist der Fall im ersten Akt bei Pulcherias „Bella, teco non ho“ (Nr. 6) und Costanzas „Lascia la pace all’alma!“ (Nr. 7), und außerdem beim Duett von Riccardo und Costanza „T’amo, sì!“ (Akt II, Nr. 24).
Der für Senesino komponierte Part des Riccardo besteht aus sechs Dacapo-Arien, drei Ariosi (Nr 16, 17 und 34), zwei Accompagnato-Rezitativen und einem Duett mit Costanza. Er ist als „strahlender Held ohne Schattenseiten“[28] konzipiert, daher stehen fast alle seine Nummern in Dur-Tonarten, nur das kurze Accompagnato „Perfido Isacio“ zu Beginn von Akt III beginnt in (g-)Moll und spiegelt da die dramatische Situation, nachdem Costanza wieder in Isacios Hände gefallen ist und mehrere Getreue Riccardos zu Tode kamen (siehe Seccorezitativ Szene III,1). Innerhalb dieses scheinbar etwas eng erscheinenden Spektrums ist er jedoch so abwechslungsreich wie möglich gezeichnet. In seiner ersten Arie „Cessata è la procella“ (Nr. 5) erscheint sein Charakter zunächst nobel und weich, mithilfe der Tonart B-Dur und von Wellenbewegungen im Orchester wie im Gesangspart. Eine regelrechte Konzertnummer ist Riccardos Gleichnisarie „Agitato da fiere tempeste“ (Nr. 8) am Ende des ersten Aktes, in der er seiner Vorfreude auf die Begegnung mit Costanza mithilfe brillanter Koloraturen Ausdruck verleiht.
Die weichere, liebevolle Seite seines Charakters steht auch im zweiten Akt im Mittelpunkt, bereits in den beiden kurzen Ariosi „Quanto tarda il caro bene“ (16), sowie nach wenigen Zeilen Secco-Rezitativ „Sì, già vedo“ (17). In der Dacapo-Arie „Nube, che il sole adombra“ (Nr. 21) drückt Händel den Text von der „Wolke, die die Sonne verdunkelt“ in einem Klanggemälde über Bordunbässen in der recht dumpfen Tonart Es-Dur aus. Als ein Höhepunkt der Partitur kann das lange, selige E-Dur-Duett mit Costanza „T’amo, si“ (Nr. 24) am Ende des zweiten Aktes gelten. Wie erwähnt hat es keine Orchester-Einleitung, sondern Riccardo beginnt mit einer Fermate auf dem h’, d. h. der Sänger muss hier ein messa di voce (crescendo und decrescendo) ausführen, das so lang sein darf, wie er möchte.
Als strahlender Held tritt Riccardo besonders im dritten Akt in Erscheinung. In der Scena „O voi, che meco ... All’orror delle procelle“ (Nr. 27–28) hält er eine Rede an seine Soldaten; zugleich wird hier englisches Nationalgefühl ausgedrückt. Die Haupt-Tonart des feierlichen und weit modulierenden Accompagnatos wie auch der teilweise halsbrecherischen Bravourarie ist C-Dur, das Händel nur selten verwendete. Triumphalen Trompetenglanz verströmt „Atterrato il muro cada“ (Akt III, Nr. 34), das zwar als Aria bezeichnet, jedoch formal eigentlich nur ein Arioso ist.[29] Riccardos übrige Nummern (19, 39) sind etwas blass, und im Falle von „O vendicarmi“ (Akt II, Nr. 19) wies Dean zurecht darauf hin, dass Text und Musik überhaupt nicht zusammenpassen.[30]
Costanza ist die eigentliche Primadonna[25] und vor allem der „überzeugendste Charakter in der Oper“.[31] Sie hat sieben Arien, zwei Ariosi, zwei Accompagnati, sowie das schon erwähnte Duett mit Riccardo. Sechs ihrer Nummern stehen in Moll, und somit die Hälfte aller Moll-Nummern. Dies dürfte bis zu einem gewissen Grade den besonderen Qualitäten von Francesca Cuzzoni zu verdanken sein, die besonders für ihre Fähigkeit, tiefempfundene Gefühle wie Leid und Melancholie auszudrücken, berühmt war. Dazu hat sie bereits in ihrer Auftrittsarie „Se perì l’amato bene“ (Nr. 2) Gelegenheit, einer tragisch gefärbten Larghetta in c-moll und im 3/4-Takt.[32]
Im dritten Akt hat Costanza in Szene 2 bis 4 drei der tiefsinnigsten Stücke der Partitur, zugleich zeigt sich dabei Händels Fähigkeit, eine größere sinnvolle Einheit aus insgesamt fünf zum Teil heterogenen Musiknummern sowie Rezitativen zu bilden. Dabei fungieren Costanzas drei Nummern (29, 31, 33) als Klammer. Es beginnt mit dem Arioso „Morte, vieni“ (29), das apart und sehr ausgefallen mit einer Bass-Traversflöte besetzt ist, deren dumpfer Klang ebenso wie die Tonart f-moll die Todessehnsucht der Figur verdeutlicht. Obwohl das Stück als „Arioso“ bezeichnet ist, hat es Dacapo-Form, aber der sehr kurze B-Teil ist raffinierterweise als Accompagnato-Rezitativ gesetzt.[33] Nach einer freundlichen Unterredung mit Pulcheria, die Costanza zu beruhigen versucht, singt jene zunächst die F-Dur-Arie „Quell’innocente afflitto core“ (30) – das Stück hatte ursprünglich einen anderen Text und eine ungewöhnliche Besetzung mit zwei Chalumeaux im Orchester; in der endgültigen Version wurden Text und Besetzung (zwei Oboen) geändert.[34] Direkt im Anschluss folgt Costanzas Gebet „Alto immenso poter“ (31), in Form eines Accompagnatos, wobei die Tonart b-moll andeutet, dass sich Costanzas Stimmung keineswegs verbessert hat. Nachdem der Tyrann Isacio Costanza mit einer „Liebes“-Erklärung belästigt und Berardo das Heranrücken des englischen Heeres gemeldet hat, tobt sich Isacio in der Dacapo-Arie „Nel mondo e nell’abisso“ (32) aus. Erst nach einer weiteren Unterredung mit Berardo schließt sich der Kreis mit Costanzas rührendem Largo „Bacia per me la mano“ (33), das in derselben Tonart f-moll wie das einleitende Arioso Nr. 29 steht; die kurzen Trillerfiguren in der durchsichtig zarten Streicher-Begleitung stellen wahrscheinlich die im Text besungenen Handküsse dar. Es muss hervorgehoben werden, das sowohl der Beginn wie das Ende des ganzen Szenenkomplexes in der Wirkung betont wird durch den extremen Kontrast zu den vorhergehenden bzw. folgenden Nummern (28 und 34), in denen Riccardo heldenhaft-kämpferische und extravertierte Ausbrüche in den glänzenden Tonarten C-Dur und D-Dur zu singen hat.[33]
Costanzas letzte Arie „Il volo così fido“ (Nr. 36), mit Piccolo-Blockflöte im Orchester, ist eine grazile und fröhliche Vogel-Arie und eins der wirkungsvollsten Stücke der Oper.[35]
Pulcheria hat sieben Dacapo-Arien und ein Accompagnato. Wie die meisten Partien, die Händel für Faustina Bordoni schrieb, hat sie einen leichtfüßigen, lebhaften und in diesem Fall sympathischen Charakter. Entsprechend sind die meisten ihrer Arien Allegros in Dur-Tonarten mit reichlich Gelegenheit, in verspielten Koloraturen und Trillern die bewegliche Stimme und Technik der Sängerin vorzuführen. Als beispielhaft dafür und als besonders attraktiv können ihre erste Arie „Vado per obbedirti“ (Nr. 3) und „Ai guardi tuoi“ im zweiten Akt (Nr. 18) gelten, die in den „hellen“ Tonarten A-Dur und E-Dur stehen. Die erstere bezeichnete Charles Burney als „the most agreeable song of execution of the times“[36] („einer der schönsten Bravourgesänge der Zeit“).[25]
Pulcherias einziger tragischer Moment ist das in f-moll beginnende Accompagnato „Ah, padre! Ah, cielo!“ (Nr. 13) im zweiten Akt, wo sie in Gewissensnöte gerät, nachdem ihr Vater von ihr verlangte, sich dem edlen Riccardo als „falsche Braut“ vorzustellen – doch da sie sich sofort einen Ausweg überlegt, verfliegen ihre Sorgen im Nu und die trübe Moll-Stimmung schlägt (vielleicht etwas zu schnell) mit dem folgenden „Quel gelsomino“ (Nr. 14) in ein hoffnungsvolles, heiteres F-Dur um. Pulcherias einzige Arie in Moll ist „L’aquila altera“ (Akt II, Nr. 23), aber auch dieses ist ein Allegro, das seinen etwas dramatischeren Charakter dem Bild von dem Adler und seinen Jungen verdankt: Es ist „voll von genialem Kontrapunkt, der eine immense rhythmische Energie erzeugt“, und laut Dean ein „exzellentes Konzertstück“.[34]
Die Altpartie des Oronte wurde von dem Kastraten Antonio Baldi gesungen. Von seinen drei Arien ist die zweite, „Dell’onor di giuste imprese“ (Nr. 20), eine eingängige und für eine Nebenrolle ungewöhnlich attraktive Heldenarie mit Hörnern im Orchester.[34]
Der von Giuseppe Maria Boschi gesungene Tyrann Isacio hat nur zwei Arien, die, wie die meisten von Händels Bass-Arien, sorgfältig komponiert und ziemlich attraktiv sind. Beide stehen in Moll-Tonarten, was in diesem Fall dem negativen, bösartigen Charakter Isacios zuzuschreiben ist. „Ti vedrò regnar“ (Akt II, Nr. 12) ist ein kontrapunktisch in einer Art stile antico gehaltenes, feierliches Allegro,[32] während das wütende „Nel mondo e nell’abisso“ (Akt III, Nr. 32) ein wirkungsvolles und „böses“ Gegenstück zu Riccardos zuvor erklungenem „All’orror delle procelle“ (28) darstellt und bezeichnenderweise dazu in der Varianttonart c-moll steht.
Die Partie des Berardo, ursprünglich von dem Bassisten Giovanni Battista Palmerini gesungen, ist nur eine kleine Nebenrolle mit einer einzigen, etwas blass wirkenden Arie (Nr. 10).[34]
John Roberts fand in der Oper vier Motiv-Anleihen aus Telemanns Harmonischer Gottes-Dienst, und in Costanzas Arioso „Se m’è contrario“ (Akt II, Nr. 9) eine Anleihe aus Reinhard Keisers La forza della virtù.[37]

Orchester
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Flauto piccolo, Blockflöte, Bass-Traversflöte, zwei Oboen, Fagott, drei Trompeten, zwei Hörner, Pauken, Streicher, (Violoncello, Erzlaute oder Theorbe, 2 Cembali[38]).
Struktur der Oper
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ouverture. (2 Ob, Fg, Str, BC)
Erster Akt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Scena I | 1. Recitativo accompagnato. Costanza, Berardo (2 Ob, Pk, Str, BC) Lascia, Berardo, lasciami! |
| 2. Aria. Costanza (2 Ob, Str, BC) Se perì l’amato bene | |
| Scena II | Recitativo. Pulcheria, Isacio, Berardo, Costanza, Oronte Se la vergin Regale |
| 3. Aria. Pulcheria (2 Vl, BC) Vado per obedirti | |
| Recitativo. Isacio, Oronte T’arresta, Oronte, ascolta | |
| 4. Aria. Oronte (BlFl, 2 Vl, BC) V’adoro, oh luci belle | |
| Scena III | Recitativo. Riccardo Torni la gioja |
| 5. Aria. Riccardo (2 Ob, Fg, Str, BC) Cessata è la procella, ma l’alma non ha pace | |
| Scena IV | Recitativo. Costanza, Berardo, Oronte, Pulcheria Cortese a noi si mostra |
| 6. Aria. Pulcheria (2 Ob, Str, BC) Bella, teca non ho ne sdegno | |
| Scena V | Recitativo. Isacio, Oronte, Costanza, Berardo Oronte! Sire! Parti |
| 7. Aria. Costanza (2 Ob, Str, BC) Lascia la pace all’alma! | |
| Scena VI | Recitativo. Riccardo, Isacio Isacio, il cui gran merto |
| 8. Aria. Riccardo (2 Ob, Str, BC) Agitato da fiere tempeste |
Zweiter Akt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Scena I | 9. Arioso. Costanza (Str, BC) Se m’è contrario il Cielo |
| Recitativo. Berardo, Costanza Seco Isacio mi volle | |
| 10. Aria. Berardo (2 Ob, Str, BC) Dell’ empia frode il velo | |
| Scena II | Recitativo. Costanza, Isacio Riccardo sospirato |
| 11. Aria. Costanza (2 Vl, BC) Di notte il pellegrino | |
| Recitativo. Isacio Quanto saresti insano cuor d'Isacio | |
| Scena III | Recitativo. Pulcheria, Isacio All’affetto di padre supplichevole io vengo |
| 12. Aria. Isacio (2 Ob, Str, BC) Ti vedrò regnar sul trono | |
| Scena IV | 13. Recitativo accompagnato. Pulcheria (Str, BC) Ah, padre! Ah, Cielo! |
| 14. Aria. Pulcheria (2 Ob, 2 Vl, BC) Quel gelsomino, che imperla il prato | |
| Scena V | Recitativo. Costanza, Oronte, Berardo Prencipe, ogn’or compagna |
| 15. Aria. Costanza (2 Vl, BC) Caro. vieni a me, caro | |
| Scena VI | 16. Arioso. Riccardo (2 Vl, BC) Quanto tarda il caro bene |
| Recitativo. Riccardo Ma, vedo corteggiata | |
| 17. Arioso. Riccardo (BC) Sì, già vedo il mio bel sole | |
| Recitativo. Riccardo, Pulcheria, Oronte Vieni, bell'idol mio | |
| 18. Aria. Pulcheria (Str, BC) Ai guardi tuoi son pur vaga | |
| Recitativo. Oronte, Riccardo Si, sforzi alla ragion questo tiranno | |
| 19. Aria. Riccardo (2 Vl, BC) O vendicarmi saprò con l’armi | |
| Recitativo. Oronte Che mai pensa tentar l’alma guerriera! | |
| 20. Aria. Oronte (2 Ob, 2 Hr, Str, BC) Dell’onor di giuste imprese | |
| Scena VII | Recitativo. Isacio, Berardo, Riccardo Ah! scampo da gli aguati Oronte |
| Scena VIII | Recitativo. Riccardo, Pulcheria, Isacio T’inganni, Mira e da saggio |
| 21. Aria. Riccardo (2 Ob, 2 Vl, BC) Nube, che il sole adombra | |
| Scena IX | 22. Arioso. Costanza (Str, BC) Se m’è contrario il Cielo |
| Recitativo. Pulcheria, Costanza, Riccardo Mesta e pensosa e ancor Costanza? | |
| 23. Aria. Pulcheria (2 Ob, Str, BC) L’aquila altera conosce i figli | |
| Recitativo. Riccardo, Costanza Tutt'i passati affanni | |
| 24. Duetto. Riccardo, Costanza (Str, BC) T’amo, sì! sarai tu quella solo cara |
Dritter Akt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Scena I | 25. Recitativo accompagnato. Riccardo, Oronte (2 Ob, Str, BC) Perfido Isacio! traditor! |
| 26. Aria. Oronte (2 Vl, BC) Per mia vendetta ancor punito si vedrà | |
| 27. Recitativo accompagnato. Riccardo (Str, BC) Oh voi, che meco del Tamigi in riva | |
| 28. Aria. Riccardo (2 Ob, Str, BC) All’orror delle procelle | |
| Scena II | 29. Arioso. Costanza (Fl tr bassa, Str, BC) Morte, vieni, ma in van ti chiamo |
| Recitativo. Pulcheria, Costanza A me nel mio Rossore | |
| 30. Aria. Pulcheria (2 Ob[39], Str, BC) Quell’ innocente afflitto core fedele amore | |
| 31. Recitativo accompagnato. Costanza (Str, BC) Alto immenso poter | |
| Scena III | Recitativo. Isacio, Costanza Ingiustizia e furore |
| Scena IV | Recitativo. Berardo, Isacio Dall’alta rocca |
| 32. Aria. Isacio (2 Ob, Str, BC) Nel mondo e nell’abisso io non pavento | |
| Recitativo. Berardo, Costanza Pulcheria vuol, che seco a Riccardo io men vado | |
| 33. Aria. Costanza (Str, BC) Bacia per me la mano del caro idolo mio | |
| Scena V | 34. Aria. Riccardo (2 Ob, Fg, 2 Trp, Pk, Str, BC) Atterato il muro cada |
| Scena VI | Recitativo. Isacio, Riccardo Arrestati, Riccardo |
| Scena VII | Recitativo. Pulcheria, Isacio, Riccardo, Costanza Sire, in vendetta me uccidi ancora |
| Scena VIII | Recitativo. Oronte, Isacio, Riccardo, Pulcheria Empio, perisci tu! |
| 35. Coro e Sinfonia. (2 Ob, 3 Trp, Pk, Str, BC) Alla vittoria! | |
| Scena IX | Recitativo. Costanza, Berardo, Pulcheria Dal passato spavento ancor non ponno |
| 36. Aria. Costanza (Picc, Str, BC) Il volo così fido al dolce amato nido | |
| Recitativo. Pulcheria Pietoso Ciel, tu m’ispirasti sempre | |
| Scena X | Recitativo. Oronte, Pulcheria Liete nuove, idol mio! |
| 37. Aria. Pulcheria (2 Vl, BC) Tutta brillanti rai per lungo scintillar | |
| Scena XI | 38. Marche. (2 Ob, 2 Trp, Str, BC) |
| Recitativo. Riccardo, Pulcheria, Costanza, Oronte Generosa Pulcheria! fu la vita d’Isacio | |
| 39. Aria. Riccardo (Str, BC) Volgete ogni desir | |
| Recitativo. Oronte Spargansi pur d’oblio | |
| 40. Coro. (2 Ob, 2 Trp, Pk, 2 Hr, Str, BC) La memoria dei tormenti |
Arienverteilung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Rolle | Erster Akt | Zweiter Akt | Dritter Akt | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Riccardo Primo | 2 | 4 (5) | 3 | 9 Arien (1 Duett) |
| Costanza | 2 | 4 (5) | 3 | 9 Arien (1 Duett) |
| Isacio | 0 | 1 | 1 | 2 Arien |
| Pulcheria | 2 | 3 | 2 | 7 Arien |
| Oronte | 1 | 1 | 1 | 3 Arien |
| Berardo | 0 | 1 | 0 | 1 Arie |
Diskografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- L’Oiseau Lyre 452 201-2 (1995): Sara Mingardo (Riccardo), Sandrine Piau (Costanza), Roberto Scaltriti (Isacio), Claire Brua (Pulcheria), Pascal Bertin (Oronte), Olivier Lallouette (Berardo)
- Les Talens Lyriques; Dir. Christophe Rousset (197 min)
- DHM 88697174212 (2007): Lawrence Zazzo (Riccardo), Nuria Rial (Costanza), David Wilson-Johnson (Isacio), Geraldine McGreevy (Pulcheria), Tim Mead (Oronte), Curtis Streetman (Berardo)
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck: Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4).
- Burney über Riccardo Primo.
- Friedrich Chrysander: G. F. Händel. Zweiter Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1860.
- Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-268-3 (englisch).
- Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie (= Insel-Taschenbuch 2655). Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Insel Verlag, Frankfurt am Main/Leipzig 2000, ISBN 3-458-34355-5.
- Annette Kreutziger-Herr: Riccardo primo, Re d’Inghilterra (HWV 23). In: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern. Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 184–191.
- Paul Henry Lang: Georg Friedrich Händel. Sein Leben, sein Stil und seine Stellung im englischen Geistes- und Kulturleben. Bärenreiter-Verlag, Basel 1979, ISBN 3-7618-0567-5.
- Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3.
- Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel, Opern-Führer. Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Partitur von Riccardo Primo (Händel-Werkausgabe, hrsg. v. Friedrich Chrysander, Leipzig 1877)
- Riccardo Primo: Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project
- Libretto (PDF; 189 kB) von Riccardo Primo
- Weitere Angaben zu Riccardo Primo
- detaillierte Angaben zu Riccardo Primo (französisch)
- Handlung und Hintergrund von Riccardo Primo
- Handlung und Hintergrund von Riccardo Primo bei Handel & Hendrix in London (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ British Citizen by Act of Parliament: George Frideric Handel ( vom 24. März 2016 im Internet Archive). In: parliament.uk.
- ↑ Annette Kreutziger-Herr: Riccardo primo, Re d’Inghilterra (HWV 25), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, S. 188
- ↑ a b c d e f g h Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck: Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 300 f.
- ↑ Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Metzler Verlag, Stuttgart/Weimar, 1992, S. 104–105.
- ↑ a b Riccardo Primo, bei Handel & Hendrix in London (englisch; Abruf am 21. Dezember 2025)
- ↑ Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Metzler Verlag, Stuttgart/Weimar, 1992, S. 104–105.
- ↑ Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 65–70
- ↑ a b Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 79
- ↑ Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, ISBN 3-7618-0717-1, S. 155.
- ↑ Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, ISBN 3-7618-0717-1, S. 155–156.
- ↑ Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 65
- ↑ Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 65–66
- ↑ Anthony Hicks: Riccardo Primo (Riccardo Primo, re d’Inghilterra (‘Richard I, King of England’)), in: Grove Music Online, 1992/2002 (englisch; Abruf nur mit Abo)
- ↑ a b Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 67
- ↑ Emilie Dahnk-Baroffio: Zur Quelle von Händels Riccardo Primo. Göttinger Händel-Festspiele 1970, Programmheft, Göttingen 1970, S. 87 ff.
- ↑ John Merrill Knapp: The Autograph of Handel’s Riccardo primo. Studies in Renaissance and Baroque Music in Honor of Arthur Mendel. Robert Lewis Marshall (Hrsg.), Bärenreiter-Verlag, Kassel 1974, ISBN 978-0-913574-26-3.
- ↑ Anthony Hicks: Riccardo Primo (Riccardo Primo, re d’Inghilterra (‘Richard I, King of England’)), in: Grove Music Online, 1992/2002 (englisch; Abruf nur mit Abo)
- ↑ Friedrich Chrysander: G. F. Händel. Zweiter Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1860, S. 178 f.
- ↑ Alle im Folgenden erwähnten Tonarten, Taktarten und Vortragsbezeichnungen (wenn nicht in anderen Quellen erwähnt), siehe: Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 3-7618-0610-8), S. 287–300.
- ↑ Zur Tonartencharakteristik von D-Dur, allgemein und in Händels Opern: Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, S. 81
- ↑ a b c Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 78
- ↑ Dies dürfte der Grund dafür sein, warum Dean Riccardo Primo als „not a satisfactory opera“ kritisierte — der historische Kontext sollte allerdings bei der Beurteilung berücksichtigt werden. Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 72
- ↑ Anthony Hicks: Riccardo Primo (Riccardo Primo, re d’Inghilterra (‘Richard I, King of England’)), in: Grove Music Online, 1992/2002 (englisch; Abruf nur mit Abo)
- ↑ Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 72
- ↑ a b c Friedrich Chrysander: G. F. Händel. Zweiter Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1860, S. 178 f.
- ↑ Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 72
- ↑ Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, S. 47–48
- ↑ Annette Kreutziger-Herr: Riccardo primo, Re d’Inghilterra (HWV 25), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, S. 189
- ↑ Eine ausführlichere Beschreibung und (z. T. negative) Wertung von Riccardos Solo-Nummern, in: Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 72–73
- ↑ Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 73
- ↑ „But her music rings true; she is the most convincing character in the opera“. Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 74
- ↑ a b Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 74
- ↑ a b Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 75
- ↑ a b c d Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 77
- ↑ Dean nannte sie anscheinend mit einem Anflug von Sarkasmus „die beste der drei überflüssigen Arien am Ende der Oper“ („the best of the three superfluous arias at the end of the opera“) – gerade diese Arie ist nicht nur musikalisch reizvoll, sondern dramaturgisch Alles andere als überflüssig. Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 75
- ↑ Charles Burney: A General History of Music: from the Earliest Ages to the Present Period. Vol. 4. London 1789; originalgetreuer Nachdruck: Cambridge University Press 2010, ISBN 978-1-108-01642-1, S. 327.
- ↑ Hier nach: Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 78
- ↑ Es ist bekannt, dass in Händels (wie in italienischen) Opernaufführungen zwei Cembali verwendet wurden. Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 34–35.
- ↑ In der nicht aufgeführten Urfassung von Mai 1727 waren in dieser Arie (mit anderem Text) zwei Chalumeaux vorgesehen.
