Die DeschimagAGWeser war bereits seit 1934 am Aufbau der deutschen U-Bootflotte beteiligt. Ursprünglich war die Werft für den Bau von Booten des großen und bei Dönitz wenig geschätzten TypsIA vorgesehen. Zusätzlich zu zwei Booten dieser Klasse wurden hier bis 1937 sechs Boote des kleineren TypsVII hergestellt. Ab Kriegsbeginn spezialisierte sich die DeschimagWerft auf die Herstellung von Booten des TypsIX, von denen sie bis Kriegsende 113 Stück an die Kriegsmarine auslieferte. Der für den Übersee-Einsatz konzipierte TypIXC/40 war ein Zwei-Hüllenboot, das 76m lang war und einen Durchmesser von 6,84m hatte. Es erreichte bei Überwasserfahrt eine Geschwindigkeit von 18,3kn und fuhr unter Wasser maximal 7,5kn.[1] Das Boot wurde am 19. April 1944 durch Kapitänleutnant Erwin Manchen in Dienst gestellt. Manchen war im Jahr 1936 in die Kriegsmarine eingetreten und hatte an der Marineschule Mürwik gedient. Seine U-Bootausbildung hatte er im Jahr 1943 absolviert und U879 war sein erstes U-Bootkommando.[2]
U879 war bis Januar 1945 der 4. U-Flottille unterstellt. In dieser Zeit unternahm Kommandant Manchen Ausbildungsfahrten in der Ostsee zum Einfahren des Bootes und zur Ausbildung der Besatzung.
Am 27. Januar 1945 lief das Boot von Kiel aus zu seiner ersten Unternehmung aus. Vier Tage später erreichte U879 den deutschen Marinestützpunkt in Horten, wo Kommandant Manchen Testfahrten zur Erprobung des Schnorchels durchführen ließ. Am 12. Februar verließ das Boot Norwegen in Richtung der US-amerikanischen und kanadischen Atlantikküste. Zeitgleich liefen zwei weitere IX/C-Boote mit demselben Einsatzziel aus: U 866 und U 857. Solche koordinierten Angriffe der deutschen U-Boote auf nordamerikanische Gewässer werden unter dem Begriff Unternehmen Paukenschlag zusammengefasst, auch wenn die eigentliche namensgebende Unternehmung im Sommer 1942 abgeschlossen war. Die drei Paukenschlag-Boote waren angewiesen, tägliche Wettermeldungen abzugeben, was es der alliierten Funkaufklärung ermöglichte, ihren Weg über den Atlantik nachzuvollziehen.[3]
Bis Ende April operierte Manchen mit seinem Boot unter anderem an der US-amerikanischen Ostküste und vor Cape Hatteras. Im selben Seegebiet patrouillierte gleichzeitig auch U857 nach denselben taktischen Vorgaben. Es ist bis heute nicht geklärt, ob dieses Boot, oder U879 für die in diese Zeit fallende Beschädigung der Atlantic States (8.537BRT) und der Katy (6.825) sowie die Versenkung der Belgian Airman (6.959 BRT) und der Swiftscout (8.300BRT) verantwortlich ist.[4]
U879 wurde am 30. April 1945 durch die US-amerikanischen Kriegsschiffe USS Natchez, USS Coffman, USS Bostwick und USS Thomas mit Wasserbomben versenkt.[5] Die ursprüngliche Annahme, das Boot sei bereits am 19. April durch einen koordinierten Angriff der Zerstörer USS Buckley und USS Reuben James versenkt worden, gilt inzwischen als widerlegt.[6] Bei der Versenkung von U879 kamen alle 52 Besatzungsmitglieder ums Leben.
Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 2: U-Boot-Bau auf deutschen Werften. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg / Berlin / Bonn 1997, ISBN 3-8132-0512-6, S. 149, 211.
↑Bodo Herzog: Deutsche U-Boote 1906–1966. Karl Müller Verlag, Erlangen 1996, ISBN 3-86070-036-7, S. 199.
↑Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 1: Die deutschen U-Boot-Kommandanten. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg 1997. ISBN 3-8132-0490-1, S. 153.
↑Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 3: Die deutschen U-Boot-Erfolge. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg / Berlin / Bonn 2001, ISBN 3-8132-0513-4, S. 304.
↑Axel Niestlé: German U-Boat Losses during World War II. Details of Destruction. Frontline Books, London 2014, ISBN 978-1-84832-210-3, S. 132.
↑Axel Niestlé: German U-Boat Losses during World War II. Details of Destruction. Frontline Books, London 2014, ISBN 978-1-84832-210-3, S. 232.