U868 wurde als eines von 11 Booten der Klasse IX C bei der Bremer Deschimag-Werft gebaut. Der Bauauftrag beinhaltete die Boote U 865 bis U 876. Ein Boot dieses Typs war 76 m lang und hatte einen Durchmesser von 6,84 m. Es erreichte bei Überwasserfahrt eine Geschwindigkeit von 18,3 kn und fuhr unter Wasser maximal 7,5 kn.[1]
U868 wurde am 23. Dezember 1943 durch Kapitänleutnant Dietrich Rauch in Dienst gestellt. Wie es bei vielen Boote seiner Zeit üblich war, entschied sich auch die Besatzung von U868 für ein bootsspezifisches Zeichen. Es war geplant, den Bremer Roland – als Reminiszenz an die „Geburtsstadt“ des Bootes – am Turm anzubringen. Dieses Vorhaben konnte jedoch bis zur Kapitulation des Bootes nicht realisiert werden.[2]
Nach der Indienststellung wurde U868 der 4. U-Flottille zugeteilt, einer Ausbildungsflottille, die in Stettin stationiert war. Bis zum Sommer 1944 unternahm Kommandant Rauch von hier aus Ausbildungsfahrten in der Ostsee zur Erprobung des Bootes und zum Training der Besatzung. Am 21. Juli übergab er das Kommando an Oberleutnant zur See Eduard Turre.[3] Der 24-jährige Turre hatte vorher als Erster Wachoffizier auf U530 gedient. Er setzte die Ausbildung der Besatzung in der Ostsee bis Januar 1945 fort, zudem wurde eine Schnorchelanlage eingebaut.
Das kanadische Minensuchboot Guysborough
Im Frühjahr unternahm das Boot eine Transportfahrt von Norwegen nach Saint-Nazaire. Im April kehrte es von dort zurück. Auf dieser Unternehmung griff Turre das kanadische MinensuchbootGuysborough an, das er am 17. März um 18:50 Uhr mit einem akustisch gesteuerten Torpedo am Heck traf und nachhaltig beschädigte. Turre versenkte das Minensuchboot um 19:35 Uhr mit einem Fangschuss.[4]
Bis Kriegsende verblieb U868 im Marinestützpunkt in Bergen, wo Turre am 9. Mai gegenüber britischen Streitkräften kapitulierte.[5]
U868 wurde zunächst in den britischen Flottenstützpunkt Scapa Flow verbracht. Von dort aus wurde das Boot im Juni zum Loch Ryan an der schottischen Westküste verbracht, wo viele deutsche U-Boote interniert waren, um im Rahmen der Operation Deadlight versenkt zu werden. Von hier aus sollte U868 am 30. November 1945 durch den britischen Schlepper HMS Saucy zur Versenkung auf Position geschleppt werden, sank aber, bevor das Zielgebiet erreicht wurde.[6]
↑Bodo Herzog: Deutsche U-Boote 1906–1966, Karl Müller Verlag, Erlangen 1996, ISBN 3-86070-036-7. Seite 199
↑Georg Högel: Embleme, Wappen, Malings deutscher U-Boote 1939–1945. 5. Auflage. Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2009, ISBN 978-3-7822-1002-7, Seite 152.
↑Rauch wurde Kompaniechef der 2. U-Lehrdivision. Diesen Posten behielt er bis Kriegsende inne.
↑Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 3: Deutsche U-Boot-Erfolge von September 1939 bis Mai 1945. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 2001, ISBN 3-8132-0513-4. Seite 303
↑Axel Niestlé: German U-Boat Losses during World War II. Details of Destruction, Frontline Books, London 2014, ISBN 978-1-84832-210-3, Seite 132
↑Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Deutsche U-Boot-Verluste von September 1939 bis Mai 1945. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 1999, ISBN 3-8132-0514-2.
Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 2: Der U-Boot-Bau auf deutschen Werften. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 1997, ISBN 3-8132-0512-6.