Boulangerit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt meist körnige oder feinfaserige Aggregate, selten aber auch nadelige, gestreifte Kristalle von grauschwarzer Farbe und schwarzer Strichfarbe. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt bei kristalliner Ausbildung einen metallischen Glanz. Faserige Aggregaten schimmern dagegen eher seidenähnlich. Seine Mohshärte schwankt zwischen 2,5 und 3, lässt sich also von einem Fingernagel nicht mehr, mit einer Kupfermünze dagegen schon noch ritzen.
Da der Boulangerit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Boulangerit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Boulangerit lautet „Bou“.[1]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[13]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Boulangerit in die neu definierte Abteilung der „Sulfosalze mit SnS als Vorbild“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der Art der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Nur mit Blei (Pb)“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Falkmanit und dem als fragliches Mineral geltenden Plumosit die unbenannte Gruppe 2.HC.15 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Boulangerit die System- und Mineralnummer 03.05.02.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfosalze“. Hier ist er zusammen mit Falkmanit in der unbenannten Gruppe 03.05.02 innerhalb der Unterabteilung der „Sulfosalze mit dem Verhältnis 2,5<z/y<3 und der Zusammensetzung (A+)i(A2+)j[ByCz], wobei A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ zu finden.
Als häufige Mineralbildung ist Boulangerit an vielen Fundorten anzutreffen. Weltweit sind bisher rund 1000 Fundorte dokumentiert.[14] Außer an seiner Typlokalität in der Gemeinde Molières-Cavaillac im Département Gard trat das Mineral in der Region Okzitanien noch in mehreren Départements auf wie unter anderem Ariège, Aude, Pyrénées-Orientales und Tarn. Weitere Fundorte in Frankreich liegen unter anderem in Auvergne-Rhône-Alpes, der Bretagne, Grand Est, Nouvelle-Aquitaine und Provence-Alpes-Côte d’Azur.
In Österreich fand sich Boulangerit bisher vor allem in Kärnten (Sankt Veit an der Glan, Spittal an der Drau) und der Steiermark (Bruck-Mürzzuschlag, Schladming), aber auch in Niederösterreich (Eichberg, Semmering), Salzburg (St. Johann im Pongau) und Tirol (Innsbruck, Kitzbühel) trat das Mineral gelegentlich zutage.
In der Schweiz konnte Boulangerit unter anderem in den Kantonen Graubünden (Berninapass, Surselva), Tessin (Lugano) und Wallis (Bruson, Binntal, Val d’Anniviers) gefunden werden.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Algerien, Ägypten, Argentinien, Armenien, Aserbaidschan, Australien, Bolivien, Bosnien und Herzegowina, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, der Dominikanischen Republik, Ecuador, Finnland, eorgien, Ghana, Griechenland, Grönland, Indien, Indonesien, Iran, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Kirgisistan, Kolumbien, Nord- und Südkorea, Kosovo, Kroatien, Kuba, Malawi, Malaysia, Marokko, Nordmazedonien, Mexiko, Mongolei, Namibia, Neuseeland, Nigeria, Norwegen, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, Tschechien, der Türkei, Ukraine, Ungarn, Usbekistan, Venezuela, im Vereinigten Königreich (UK), den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und Vietnam.[15]
M. C. J. Thaulow:Analyse eines Antimonerzes vom Nasafjeld in Lapland. In: Annalen der Physik und Chemie. Band41, 1837, S.216–221 (rruff.info[PDF; 394kB; abgerufen am 22.Oktober 2023]).
Robert Allan, Carl Friedrich Alexander Hartmann:Die Mineralogie. Gottf. Basse Verlag, Quedlinburg und Leipzig 1838, S.239 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 22.Oktober 2023]).
A. Skowron, I. D. Brown:Refinement of the structure of boulangerite, Pb5Sb4S11. In: Acta Crystallographica. C 46, 1990, S.531–534, doi:10.1107/S0108270189008334 (englisch).
Boulangerite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 22.Oktober 2023(englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.134 (englisch).
123456
Boulangerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 17.Oktober 2023]).
123Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.350.
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Typlokalität Molières-Cavaillac beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 22. Oktober 2023.
↑M. C. J. Thaulow:Analyse eines Antimonerzes vom Nasafjeld in Lapland. In: Annalen der Physik und Chemie. Band41, 1837, S.216–221 (rruff.info[PDF; 394kB; abgerufen am 22.Oktober 2023]).
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Fundortliste für Boulangerit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 17. Oktober 2023.
↑Anna Firstova, Tamara Stepanova, Georgy Cherkashov, Alexey Goncharov, Svetlana Babaeva:Composition and formation of gabbro-peridotite hosted seafloor massive sulfide deposits from the Ashadze-1 hydrothermal field, Mid-Atlantic Ridge. In: Minerals. Band6, Nr.1, 2016, S.12, doi:10.3390/min6010019 (englisch).
↑Tuomo Törmänen:Ore mineralogy, geochemistry, and formation of the sediment-hosted sea floor massive sulfide deposits at Escanaba Trough, NE Pacific, with emphasis on the transport and deposition of gold. Oulu University Press, Oulu 2005, ISBN 951-42-7626-4, S.24 (englisch, jultika.oulu.fi[PDF; 16,1MB; abgerufen am 22.Oktober 2023]).