Tintinait kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt klingenförmige Kristalle, die parallel verwachsene Mineral-Aggregate bis etwa zwei Millimeter Größe bilden. Ebenso kann er in Form kleiner Massen und Äderchen gefunden werden. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der bleigrauen Kristalle und Aggregate einen metallischen Glanz. Auf der Strichtafel hinterlässt Tintinait einen schwarzen Strich.
Entdeckt wurde Tintinait in Mineralproben aus der Ag-Pb-Zn-Lagerstätte Tintina im Bergbaubezirk Watson Lake in Yukon und der Deer Park Mine bei Rossland in British Columbia in Kanada. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Donald C. Harris, John Leslie Jambor, G. R. Lachance und R. I. Thorpe, die das Mineral nach dessen Typlokalität benannten.
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1967 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1967-010[1]), die den Tintinait als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde im Jahr darauf im Fachmagazin The Canadian Journal of Mineralogy and Petrology (ehemals The Canadian Mineralogist) veröffentlicht. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Tintinait lautet „Tti“.[2]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[9]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Tintinait in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Sulfosalze mit SnS als Vorbild“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit Cu, Ag, Fe, Sn und Pb“ zu finden, wo es zusammen mit Kobellit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.HB.10a bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Tintinait die System- und Mineralnummer 03.06.19.02. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis 2,0 < z/y < 2,49 und der Zusammensetzung (A+)i (A2+)j [By Cz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 03.06.19, in der auch Kobellit eingeordnet ist.
Als seltene Mineralbildung konnte Tintinait nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 40 Vorkommen[10] dokumentiert sind (Stand 2025). Seine Typlokalitäten Tintina-Mine und Deer Park Mine sind dabei die bisher einzigen bekannten Fundorte in Kanada.
In Österreich konnte das Mineral bisher nur am Oberhüttensee nahe Forstau in Salzburg und an der Vetternspitzen im Giglachtal nahe Schladming in der Steiermark gefunden werden. Bekannt ist auch die Slowakei mit mehreren Fundstätten in den Okres Gelnica, im Košice-okolie und Rožňava.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in West-Australien, der Volksrepublik China (Guangdong, Guangxi, Hunan, Yunnan), Italien, Japa, im Kosovo, in Mexiko, Russland, Spanien und Tschechien.[11]
Donald C. Harris, John Leslie Jambor, G. R. Lachance, R. I. Thorpe:Tintinaite, the antimony analogue of kobellite. In: The Canadian Mineralogist. Band9, 1968, S.371–382 (englisch, rruff.info[PDF; 596kB; abgerufen am 14.August 2025]).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band54, 1969, S.573–580 (englisch, rruff.info[PDF; 613kB; abgerufen am 14.August 2025]).
Yves Moëlo, John Leslie Jambor, Donald C. Harris:Tintinaïte et sulfosels associés de tintina (Yukon): la cristallochimie de la série de la kobellite. In: The Canadian Mineralogist. Band22, 1984, S.219–226 (französisch, rruff.info[PDF; 842kB; abgerufen am 14.August 2025]).
Pete J. Dunn, Volker Gobel, Joel D. Grice, Jacek Puziewicz, James E. Shigley, David A. Vanko, Janet Zilczer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band70, 1985, S.436–441 (englisch, rruff.info[PDF; 578kB; abgerufen am 14.August 2025]).
Tintinaite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 14.August 2025(englisch).
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Tintinaite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 51kB; abgerufen am 14.August 2025]).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.131 (englisch).