Sterryit (IMA-Symbol Srr[2]) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung Cu(Ag,Cu)3Pb19(Sb,As)22(As)2S56[1] und damit chemisch gesehen eine sulfidähnliche Verbindung aus Kupfer, Silber, Blei, Antimon, Arsen und Schwefel, die strukturell zu den Sulfosalzen gehört. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Silber und Kupfer sowie Antimon und Arsen können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.
Sterryit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt feder- bis faserförmige Kristallbüschel bis etwa einen Millimeter Größe, die parallel zur c-Achse [001] gestreckt sind. Ebenso kommt das Mineral in Form unregelmäßiger Körner sowie in feinen Zwillingslamellen vor. Sterryit ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der bleigrauen bis schwarzen Kristalle einen metallischen Glanz. Auf polierten Flächen erscheint er im Auflicht weiß. Seine Strichfarbe ist allerdings immer schwarz.
Entdeckt wurde Sterryit erstmals in Mineralproben aus dem Steinbruch Taylor Pit bei Madoc in der kanadischen Provinz Ontario. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral durch John Leslie Jambor (1936–2008), der es nach dem britischen Chemiker und Geologen Thomas Sterry Hunt (1826–1892) benannte. Nach Anerkennung durch die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1966-020[1]) veröffentlichte er seine Erstbeschreibung 1967 unter dem Titel New lead sulfantimonides from Madoc, Ontario. Part 2, in der auch Guettardit, Launayit, Playfairit, Sorbyit und Twinnit erstbeschrieben wurden.
Die ursprünglich von Jambor angegebene chemische Formel 12PbS·5(Sb,As)2S3[8] (entspricht Ag2Pb10(Sb,As)12S29[6]) wurde 2008 im Zuge einer Neudefinition der Sulfosalz-Systematik des Sub-Komitees der IMA zunächst mit (Ag,Cu)2Pb10(Sb,As)12S29[4] angegeben. Nach Publikation einer vergleichenden modularen Analyse der beiden verwandten komplexen Sulfosalzstrukturen von Sterryit und Parasterryit 2012 wurde die Formel von Sterryit nochmals neu definiert mit Cu(Ag,Cu)3Pb19(Sb,As)22(As–As)S56[3] und wird seitdem in der Master-Liste der IMA/CNMNC etwas vereinfacht mit Cu(Ag,Cu)3Pb19(Sb,As)22(As)2S56[1] angegeben.
Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Sterryit lautet „Srr“.[2]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/E.20-050. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Sulfosalze (S: As,Sb,Bi = x)“, wo Sterryit zusammen mit Ciriottiit, Dadsonit, Disulfodadsonit, Launayit, Madocit, Meerschautit, Parasterryit, Pellouxit, Playfairit und Sorbyit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/E.20 bildet.[5]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Sterryit dagegen in die Abteilung „unklassifizierte Sulfosalze“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit von Blei in der Formel. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Pb“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.LB.65 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Sterryit die System- und Mineralnummer 03.05.03.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis 2,5<z/y<3 und der Zusammensetzung (A+)i(A2+)j[ByCz], A=Metalle, B=Halbmetalle, C=Nichtmetalle“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 03.05.03.
Außer an seiner Typlokalität im Steinbruch Taylor Pit bei Madoc (Ontario) konnte das Mineral in Kanada nur noch in der Lagerstätte Lalor bei Snow Lake in Manitoba entdeckt werden.
Weitere bisher bekannte Fundorte sind die Pegmatite des Bastar-Kratons in Chhattisgarh sowie in die Zinnerz-Lagerstätte Orissa in den Distrikten Koraput und Malkangiri (beide Odisha) in Indien, die Erzlagerstätte Barika bei Sardascht (West-Aserbaidschan) im Iran und die Miniera del Pollone bei Valdicastello Carducci (Pietrasanta) in der Provinz Lucca (Toskana) in Italien (Stand 2025).[12]
John Leslie Jambor:New lead sulfantimonides from Madoc, Ontario. Part 2 - mineral descriptions. In: The Canadian Mineralogist. Band9, 1967, S.191–213 (englisch, rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 5.August 2025]).
Joseph A. Mandarino, A. Kato:New mineral names. In: American Mineralogist. Band53, 1968, S.1421–1427 (englisch, rruff.info[PDF; 493kB; abgerufen am 5.August 2025]).
John Leslie Jambor, J. H. G. Laflamme, D. A. Walker:A re-examination of the Madoc sulfosalts. In: Mineralogical Record. Band13, 1982, S.93–100 (englisch).
Yves Moëlo, Emil Makovicky, Nadejda N. Mozgova, John Leslie Jambor, Nigel Cook, Allan Pring, Werner Paar, Ernest H. Nickel, Stephan Graeser, Sven Karup-Møller, Tonči Balic-Žunic, William Gustav Mumme, Filippo Vurro, Dan Topa, Luca Bindi, Klaus Bente, Masaaki Shimizu:Sulfosalt systematics: a review. Report of the sulfosalt sub-committee of the IMA Commission on Ore Mineralogy. In: European Journal of Mineralogy. Band20, 2008, S.7–46 (englisch, rruff.info[PDF; 485kB; abgerufen am 5.August 2025]).
Yves Moëlo, Paolo Orlandi, Catherine Guillot-Deudon, Cristian Biagioni, Werner Paar, Michel Evain:Lead-antimony sulfosalts from Tuscany (Italy). XI. The new mineral species parasterryite, Ag4Pb20(Sb14.5As9.5)Σ24S58, and associated sterryite, Cu(Ag,Cu)3Pb19(Sb,As)22(As–As)S56, from the Pollone mine, Tuscany, Italy. In: The Canadian Mineralogist. Band49, 2011, S.623–638, doi:10.3749/canmin.49.2.623 (englisch, rruff.info[PDF; 1,2MB; abgerufen am 6.August 2025]).
Yves Moëlo, Catherine Guillot-Deudon, Michel Evain, Paolo Orlandi, Cristian Biagioni:Comparative modular analysis of two complex sulfosalt structures: sterryite, Cu(Ag,Cu)3Pb19(Sb,As)22(As–As)S56, and parasterryite, Ag4Pb20(Sb,As)24S58. In: Acta Crystallographica. B68, Nr.5, 2012, S.480–492, doi:10.1107/S0108768112034027 (englisch).
123456Yves Moëlo, Catherine Guillot-Deudon, Michel Evain, Paolo Orlandi, Cristian Biagioni:Comparative modular analysis of two complex sulfosalt structures: sterryite, Cu(Ag,Cu)3Pb19(Sb,As)22(As–As)S56, and parasterryite, Ag4Pb20(Sb,As)24S58. In: Acta Crystallographica. B68, Nr.5, 2012, S.480–492, doi:10.1107/S0108768112034027 (englisch).
12Yves Moëlo, Emil Makovicky, Nadejda N. Mozgova, John Leslie Jambor, Nigel Cook, Allan Pring, Werner Paar, Ernest H. Nickel, Stephan Graeser, Sven Karup-Møller, Tonči Balic-Žunic, William Gustav Mumme, Filippo Vurro, Dan Topa, Luca Bindi, Klaus Bente, Masaaki Shimizu:Sulfosalt systematics: a review. Report of the sulfosalt sub-committee of the IMA Commission on Ore Mineralogy. In: European Journal of Mineralogy. Band20, 2008, S.7–46 (englisch, rruff.info[PDF; 485kB; abgerufen am 5.August 2025]).
1234567Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456789
Sterryite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; abgerufen am 6.August 2025]).
↑Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.2025-08-06 (englisch).
12John Leslie Jambor:New lead sulfantimonides from Madoc, Ontario. Part 2 - mineral descriptions. In: The Canadian Mineralogist. Band9, 1967, S.191–213 (englisch, rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 6.August 2025]).