Veenit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung Pb4(As,Sb)4S10[3] und damit chemisch gesehen ein Blei-Arsen/Antimon-Sulfid. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Arsen und Antimon können sich dabei in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals (Blei und Schwefel).
Veenit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt überwiegend massige Aggregate bis etwa zwei Zentimetern Größe, selten aber auch kleine, isometrische Prismen von stahlgrauer Farbe und metallischem Glanz. Auf der Strichtafel hinterlässt er einen schwarzen Strich mit einem Stich ins Bräunliche.
Entdeckt wurde Veenit erstmals in Mineralproben aus dem Steinbruch Taylor Pit bei Madoc in der kanadischen Provinz Ontario. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral durch John Leslie Jambor (1936–2008), der es nach dem niederländischen Geologen und Metallographen Rudolf Willem van der Veen (1883–1925)[8] benannte. Nach Anerkennung durch die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1966-016[1]) veröffentlichte er seine Erstbeschreibung 1967 unter dem Titel New lead sulfantimonides from Madoc, Ontario. Part 1, in der auch Madocit erstbeschrieben wurde. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Veenit lautet „Vee“.[2]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/E.18-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Sulfosalze (S: As,Sb,Bi = x)“, wo Veenit zusammen mit Dufrénoysit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/E.18 bildet.[5]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Veenit dagegen in die Abteilung „Sulfosalze mit SnS als Vorbild“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Nur mit Blei (Pb)“ zu finden, wo es zusammen mit Dufrénoysit, Rathit und dem als fraglich geltenden Rathit-IV (Q) die „Dufrénoysitgruppe“ mit der Systemnummer 2.HC.05d bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Veenit die System- und Mineralnummer 03.05.09.02. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis 2,5<z/y<3 und der Zusammensetzung (A+)i(A2+)j[ByCz], A=Metalle, B=Halbmetalle, C=Nichtmetalle“ zusammen mit Cosalit und Dufrénoysit in „Cosalitgruppe“ mit der Systemnummer 03.05.09.
Veenit gehört zu den sehr seltenen Mineralbildungen, von dem weltweit bisher wenig mehr als 10 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2025). Außer an seiner trat das Mineral in Kanada nur noch in der „Mattabi Mine“ im Kenora District (ebenfalls Ontario) auf.[8]
Weitere bisher dokumentierte Fundorte sind die silberreiche Blei-Zink-Erzgrube Cannington bei McKinlay (Queensland) in Australien, die „Carma Mine“ mit Gold-Antimonvererzung im Municipio Porco in der bolivianischen Provinz Antonio Quijarro, die Alacrán Mine bei Tierra Amarilla (Atacama) in Chile, die Plaka Mine No. 80 mit As-Sb-Ag-Mineralisation bei Lavrio (Attika) in Griechenland, die Erzlagerstätte Barika bei Sardascht in der iranischen Provinz West-Aserbaidschan, die Guitarra Mine bei Temascaltepec in Mexiko, der Distrikt Huachocolpa in der peruanischen Provinz Huancavelica.[12]
Der bisher einzige gesicherte Fundort in Deutschland ist die Graf Jost-Christian-Zeche bei Wolfsberg (Sangerhausen) in Sachsen-Anhalt. Ein weiterer Fund in der „Grube Hoffnung“ (Grube Spes) bei Ahrbrück in Rheinland-Pfalz gilt bisher als fraglich beziehungsweise nicht bestätigt.[12]
Bei dem von Cook und Damian 1997 aus der „Herja Mine“ bei Chiuzbaia im rumänischen Kreis Maramureș gemeldeten Fund handelte es Falschmeldung. Das untersuchte Material enthielt kein Arsen und kann daher nicht als Veenit angesprochen werden.[13]
John Leslie Jambor:New lead sulfantimonides from Madoc, Ontario. Part 1. In: The Canadian Mineralogist. Band9, 1967, S.7–24 (englisch, rruff.info[PDF; 956kB; abgerufen am 11.September 2025]).
Michael Fleischer:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band53, 1968, S.1421–1427;hier:1422, Veenite (rruff.info[PDF; 505kB; abgerufen am 11.September 2025]).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band53, 1968, S.1775–1780;hier:1775, Stibiodufrenoysite (=Veenite), Unnamed sulfosalts (englisch, rruff.info[PDF; 532kB; abgerufen am 11.September 2025]).
Veenite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 11.September 2025(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.134 (englisch).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.353.
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Veenite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org[PDF; 50kB; abgerufen am 11.September 2025]).
↑Michael Fleischer:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band53, 1968, S.1421–1427 (rruff.info[PDF; 505kB; abgerufen am 11.September 2025]).
12Veenite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 11.September 2025(englisch).