Rathit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt flächenreiche, prismatische und längsgestreifte Kristalle ähnlich dem Sartorit mit einem metallischen Glanz auf den Oberflächen. Das undurchsichtige, aber nicht völlig opake Mineral ist meist von bleigrauer Farbe, kann aber irisierend anlaufen. Im Auflicht erscheint es gräulichweiß mit tiefroten Innerenreflexen. Seine Strichfarbe ist dagegen schokoladenbraun.
Erstmals entdeckt wurde Rathit in Mineralproben aus der Grube Lengenbach im Binntal im Schweizer Kanton Wallis. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte 1896 durch Heinrich Adolph Baumhauer, der das Mineral nach seinem Studienprofessor Gerhard vom Rath (1830–1888) benannte.
Da der Rathit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Rathit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Rathit lautet „Rat“.[1]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Rathit in die Abteilung „Sulfosalze mit SnS als Vorbild“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Nur mit Blei (Pb)“ zu finden, wo es zusammen mit Dufrénoysit, Rathit-IV und Veenit die „Dufrénoysitgruppe“ mit der Systemnummer 2.HC.05d bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Rathit die System- und Mineralnummer 03.07.12.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis z/y = 2 und der Zusammensetzung (A+)i(A2+)j [ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 03.07.12.
Außer in der Grube Lengenbach bei Fäld konnte das Mineral in der Schweiz nur noch in den natürlichen Aufschlüssen am Reckibach zwischen Binn und Giessen entdeckt werden. Daneben kennt man Rathit gesichert nur noch aus der Miniera del Pollone bei Valdicastello Carducci (Pietrasanta) in der italienischen Provinz Lucca (Toskana) und aus der Goldlagerstätte Maiskoe im Rajon Podilsk der Oblast Odessa in der Ukraine. Ein weiterer Fundort im Bergbaurevier Salamón (Gemeinde Crémenes) in Spanien gilt bisher als fraglich bzw. nicht bestätigt (Stand 2025).[11]
Kleine Rathitkristalle in Dolomit aus dem Binntal, Schweiz
Rathit (silbrig-grau) mit Pyrit (goldfarben) und Realgar (rot) aus der gleichen Fundstelle
H. Baumhauer:Ueber den Rathit, ein neues Mineral aus dem Binnenthaler Dolomit. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band26, 1896, S.593–602 (rruff.info[PDF; 1,7MB; abgerufen am 24.März 2025]).
Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.134, Rathite I und Rathite III (englisch).
Rathite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 24.März 2025(englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Rathite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 24.März 2025(englisch).
1234P. Berlepsch, Thomas Armbruster, D. Topa:Structural and chemical variations in rathite, Pb8Pb4-x(Tl2As2)x(Ag2As2)As16S40: modulations of a parent structure. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band217, 2002, S.581–590 (englisch, rruff.geo.arizona.edu[PDF; 1,3MB; abgerufen am 24.März 2025]).
12345678910
Rathite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 89kB; abgerufen am 24.März 2025]).