Stavenow
Stavenow Gemeinde Karstädt | |
|---|---|
| Koordinaten: | 53° 8′ N, 11° 43′ O |
| Postleitzahl: | 19357 |
| Vorwahl: | 038797 |
Ortsansicht | |
Stavenow ist ein bewohnter Gemeindeteil der amtsfreien Gemeinde Karstädt im Landkreis Prignitz in Brandenburg.[1]
Geografische Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Stavenow liegt etwa drei Kilometer südwestlich des Kernortes Karstädt. Der Ort gehört zur naturräumlichen Landschaft der Prignitz und liegt im Übergangsbereich zur Niederung der Elbe-Talaue. Nachbarorte sind im Uhrzeigersinn von Norden aus Dargardt im Nordwesten, Glövzin im Osten, Kaltenhof im Südosten sowie Mesekow und Mankmuß im Südwesten. Durch den Ort führen von Süden kommend die Kreisstraße 7037 sowie in West-Ost-Richtung die L 131. Über sie besteht eine Verbindung zur B 5, die die Verbindung nach Perleberg und Ludwigslust herstellt; die A 14 mit der Anschlussstelle Karstädt liegt in nordöstlicher Richtung. Die westlich gelegenen Flächen werden durch den Graben I/84 in die Löcknitz entwässert. Die Höhenlage beträgt 27 m ü. NHN. Das Gelände ist überwiegend eben, gehört zur flachen Niederungslandschaft der Prignitz und fällt in Richtung Löcknitztal auf rund 25 m ü. NHN ab.
Stavenow entstand als Gutssiedlung; etwa 1 bis 1,5 Kilometer westlich des Ortes existiert die Flurbezeichnung Tauben Holz innerhalb der Stavenower Forst, wie bereits im Urmesstischblatt von 1843 (Karstädt) verzeichnet. Die Siedlung entstand auf der wüsten Feldmark von Stavenow nordöstlich der alten Dorflage (Altstavenow) und bezog teilweise auch die wüsten Feldmarken Banekow, Duvenholl und Kleines Wendfeld ein. Etwa 1,1 Kilometer nördlich befindet sich in der Löcknitzniederung ein slawischer Burgwall aus dem 8. bis 12. Jahrhundert. Weitere archäologische Funde umfassen eine altslawische Siedlung etwa 0,3 Kilometer südlich des Löcknitzstaus am Ostufer, möglicherweise auch die Reste eines abgetragenen Burgwalls aus dem 8. bis 10. Jahrhundert, sowie eine vermutete altslawische Siedlung aus dem 8. bis 10. Jahrhundert etwa 1 Kilometer nordöstlich des alten Schlosses nahe der Wüstung Marienhof.[2]
Geschichte und Etymologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Etymologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die historischen Namensformen von Stavenow sind seit dem 13. Jahrhundert überliefert. 1252 erscheint der Ort indirekt durch einen Gerhardus de St[a]uenow, im Jahr 1317 als tuo Stauenow. Im Landbuch Karls IV. von 1373 wird die Form Stavenow genannt, während 1375 die Schreibweise Stabenow überliefert ist. 1421 erscheint schließlich die Form zu Stobnaw in einer Originalurkunde.[2] Der Name leitet sich aus dem Slawischen ab und bedeutet so viel wie „Siedlung eines Mannes namens Stawen“[3].
Besitzgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Besitzgeschichte von Stavenow ist durch eine lange Zugehörigkeit zum mecklenburgischen Lehnsverband geprägt, der bis ins 18. Jahrhundert bestand. Im Mittelalter stand der Ort unter der Landes- beziehungsweise Lehnsherrschaft der Grafen von Schwerin, der Herren von Mecklenburg sowie der Herzöge von Mecklenburg-Schwerin; diese Bindung wurde erst unter Friedrich Wilhelm I. endgültig aufgehoben. Als erste Besitzer sind vor 1252 bis nach 1349 die von Stavenow belegt, gefolgt von der Familie Bosel, die vor 1356 bis nach 1375 nachweisbar ist. In der Zeit von etwa 1405 bis 1421 traten die Familien von Lützow, von Kruge und von Quitzow als Lehnsnehmer auf. Ab 1421 bis 1647 befand sich die Familie von Quitzow zu Stavenow allein im Lehnsbesitz der Burg Stavenow mit Zubehör. Im Jahr 1647 wurde der Besitz wiederkäuflich auf 45 Jahre an die Freiherren von Blumenthal zu Pröttlin veräußert; 1698 wurde die Wiederkaufsfrist verlängert. 1718 trat der letzte Lehnsinhaber zu Stavenow, Cuno Hartwig von Quitzow, das Lehns- und Reluitionsrecht an einen Oberstleutnant von Kleist ab, der das Gut reluierte. 1719 erfolgte die Abfindung des Grafen von Blumenthal durch Vergleich. In der Folge befand sich das Gut von 1719 bis 1809 beziehungsweise 1819 im Besitz der Familie von Kleist zu Stavenow, bevor es 1809/1819 an die Familie von Voß überging. Daneben ist im Mittelalter ein kurzfristiger Besitz des Perleberger Bürgers Heinrich Konoid belegt, der 1345 vom Markgrafen mit Hebungen in Stavenow belehnt wurde.[2]
14. und 15. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Stavenow wird im Mittelalter als Dorf und Burg bezeichnet. 1317 ist ein Haus in Stavenow belegt, ebenso 1322, 1334 und 1337. 1345 erscheint der Ort als Dorf, 1356 als Burg (castrum) beziehungsweise Haus und Dorf. 1373 wird die Burg Stavenow in der Prignitz als Besitz des Christian Bosel, eines der vier Edlen (nobiles) der Prignitz, genannt. 1424, 1430 und 1441 wird die Anlage als Raubschloss bezeichnet. 1479 ist Claus von Quitzow zu Stavenow als Beteiligter an einem Raubüberfall auf sächsisches Hofgesinde nachgewiesen. 1495 werden Schloss, Feldmark und eine Mühle beim Schloss erwähnt, die 1517 nach Mesekow verlegt wurde.[2]
16. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1533 belehnte der Herzog von Mecklenburg die Familie von Quitzow mit dem Erbschloss Stavenow samt Zubehör sowie den Feldmarken Stavenow, Duvenholl und Dargardt. 1542 kam es zu Streitigkeiten zwischen den Familien von Quitzow und von Karstedt um Besitz- und Nutzungsrechte am Großen und Kleinen Wendfeld.[2] Seit etwa 1600 lag das Kirchenpatronat bei der Herrschaft Stavenow; ein Pfarrhaus mit Garten, Hopfengarten, Ackerland im Umfang von 30 Scheffel Saat sowie Wiesen (vier Fuder Heu) ist belegt. Die Einkünfte umfassten unter anderem 3 Wispel 3 Scheffel Roggen, 21 Scheffel Gerste und 1 Wispel Hafer teilweise aus Hebungen; daneben bestanden ein Küsterhaus und entsprechende Naturalabgaben.[4]
17. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1608 ist Stavenow als Adelssitz der Familie von Quitzow nachgewiesen. 1613 bestand ein Krug. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Gut schwer beschädigt und war 1649 stark ruiniert. Unter der Familie von Blumenthal erfolgte anschließend der Wiederaufbau, darunter die Instandsetzung der Gebäude, Brücken in Form von Zugbrücken, der doppelten Gräben sowie von Brauhaus, Kornboden, Scheune und Toranlagen. Auch Meierei, Viehhaltung, Stallungen sowie Gärten und Wiesen bis zum Heidenberge wurden wiederhergestellt; das Gebiet der alten Dorfstelle blieb unter der Bezeichnung Altstavenow erhalten. 1684 wird ein Rittersitz der Familie von Blumenthal mit zugehörigem Dorf und der Schäferei Banekow genannt.[4]
18. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zwischen 1720 und 1727 entstand eine Gutssiedlung. 1734 werden 12 Häusler, ein Schmied, zwei Hirten, drei Knechte und neun Mägde genannt. 1745 bestanden ein Rittersitz, eine Holländerei, ein Krug, ein Dammzoll, eine Schmiede sowie ein Heideläufer. 1791 wird das Rittergut mit fünf Hausleuten, einem Gutsbesitzer, einem Verwalter und einem Schmied bei insgesamt 19 Feuerstellen beschrieben.[4]
19. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1801 wird das Gut mit elf Einliegern, einem Gärtner, einem Maurer, einem Tischler, einem Förster sowie Schmiede und Krug bei 19 Feuerstellen aufgeführt. 1828 erhielt das Rittergut die Landtagsfähigkeit. 1846 bestanden zwölf Wohnhäuser. 1860 umfasste das Gut zwei öffentliche Gebäude, zwölf Wohn- und 13 Wirtschaftsgebäude einschließlich einer Ziegelei. Die Gemarkung maß 4997 Morgen ohne die zugehörigen Außenorte. Kirchlich war Stavenow seit dem 18. und 19. Jahrhundert mit umliegenden Orten verbunden und wurde schrittweise in den Pfarrsprengel Karstädt eingegliedert.[4]
20. Jahrhundert
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1900 wurden 22 Häuser gezählt. 1907 war der Besitz beim Grafen Max von Voß, daneben sind Bedienstete und Verwaltungsfunktionen nachgewiesen. 1928 wurde der Gutsbezirk Stavenow mit der Gemeinde Karstädt vereinigt; weitere Eingemeindungen betrafen angrenzende Forst- und Vorwerksflächen. Seit 1931 war Stavenow ein Wohnplatz von Karstädt, 1964 und 1995 Ortsteil der Gemeinde.
1958 wurde eine erste LPG vom Typ I (Freundschaft) gegründet, 1960 bestanden zwei LPGs, die noch im selben Jahr zusammengeschlossen wurden; 1968 erfolgte die Eingliederung in die LPG V. Parteitag in Karstädt. 1995 befand sich in Stavenow ein Standort des Amtes für Forstwirtschaft Karstädt (Revierförsterei).[4]
Bevölkerungsentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Einwohnerentwicklung in Stavenow von 1734 bis 1925 | |||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | 1734 | 1772 | 1791 | 1801 | 1817 | 1837 | 1858 | 1871 | 1895 | 1925 | |||||
| Einwohner | 67 | 93 | 96 | 123 | 129 | 166 | 139 | 183 | 261 | 66 | |||||
Kultur und Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Das Gutshaus Stavenow, von dem der Südflügel sowie der Keller des Westflügels erhalten sind, einschließlich des zugehörigen Parks, ist ein eingetragenes Baudenkmal.
- Ebenfalls als Baudenkmal ausgewiesen ist die Ruine der Dorfkirche, die das zweite bedeutende historische Bauwerk des Ortes darstellt.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil 1 – Prignitz – A–M. Bearbeitet von Lieselott Enders. In: Klaus Neitmann (Hrsg.): Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Staatsarchiv Potsdam) – Band 3. Begründet von Friedrich Beck. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2012, ISBN 978-3-88372-032-6, S. 841 ff.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Auflistung als Gemeindeteil von Karstädt im Kommunalverzeichnis Brandenburg; abgerufen am 14. Mai 2026
- 1 2 3 4 5 Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 841
- ↑ Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 162, ISBN 3-937233-17-2.
- 1 2 3 4 5 Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 842
