Klein Warnow
Klein Warnow Gemeinde Karstädt | |
|---|---|
| Koordinaten: | 53° 14′ N, 11° 40′ O |
| Höhe: | ca. 35 m ü. NHN |
| Eingemeindung: | 1972 |
| Eingemeindet nach: | Groß Warnow |
| Postleitzahl: | 19357 |
| Vorwahl: | 038797 |
Klein Warnow ist ein bewohnter Gemeindeteil des Ortsteils[1] Groß Warnow der amtsfreien Gemeinde Karstädt im Landkreis Prignitz in Brandenburg.
Geografische Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Klein Warnow liegt im äußersten Norden der Gemarkung und grenzt im Norden an Mecklenburg-Vorpommern. Nachbarorte sind Reckenzin im Südosten, der Wohnplatz Kolonie im Süden und Groß Warnow im Westen. Durch den Ort verläuft eine Ortsverbindungsstraße, die Klein Warnow mit Groß Warnow sowie mit dem Hauptort Karstädt verbindet. Über Groß Warnow ist Klein Warnow mit der Bundesautobahn 24 verbunden. Die Bahnstrecke Berlin–Hamburg führt von Südosten kommend in nordwestlicher Richtung durch den Ort. Das Gebiet gehört zum Einzugsbereich der Löcknitz, die östlich verläuft und in die Elbe entwässert. Nordwestlich verläuft ein Zufluss zum Meynbach; die westlich gelegenen Flächen werden durch den Graben M32, die östlich gelegenen Flächen durch den Graben I/34 entwässert. Die Höhenlage beträgt etwa 35 m ü. NHN. Das Gelände ist überwiegend eben bis leicht wellig und fällt geringfügig nach Osten in Richtung des Löcknitztals ab.[2]
Geschichte und Etymologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Etymologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Ort wurde erstmals 1493 als Wendischen Warnow urkundlich erwähnt und 1497 als de Wendeschen Wernawe bezeichnet. Vor 1600 erschien die Bezeichnung Wusten Warnow und im Jahr 1670 der Name Aufm Sande. Der Ort wurde seit 1937 amtlich als Klein Warnow bezeichnet.[3] Die Umbenennung von Wendisch Warnow erfolgte in der Zeit des Nationalsozialismus aus politischen Gründen. Der Name stammt aus dem Slawischen ab und bedeutet so viel wie „Ort, wo es Raben oder Krähen gibt“. Möglich ist auch die „Siedlung eines Mannes namens Warn = Rabe“.[4]
Besitzgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Besitzgeschichte von Klein Warnow weist zwei Anteile auf. Der erste Anteil stand vor 1493 bis 1753 unter der Verwaltung des Amtes Lenzen über die gesamte wüste Feldmark. Um 1495 war Heinrich Eichhorst damit belehnt, und 1497 geriet er in Streit mit dem Amtshauptmann von der Schulenburg, woraufhin die Feldmark wieder kurfürstlich wurde. Im Jahr 1513 wurde die halbe Feldmark an von Winterfeld erblich verkauft und dieser damit belehnt (vgl. zweiter Anteil). Seitdem verblieb beim Amt Lenzen die halbe Feldmark (sechs Hufen), jedoch die gesamte Holzung und Mast, was für die Jahre 1576 und 1686 belegt ist; die Hufen wurden an die Reckenziner Amtsbauern ausgegeben. Im Jahr 1753 wurde der Familie von Winterfeld durch einen Erbzinskontrakt mit der Kammer die halbe Amtsfeldmark Klein Warnow mit allem Recht zwecks Ansiedlung von Kolonisten überlassen. Der zweite Anteil befand sich von 1513 bis 1872 im Besitz der Familie von Winterfeld zu Hünerland und Streesow beziehungsweise zu Klein Warnow, die seit 1513 über die vom Kurfürsten erkaufte halbe Feldmark verfügte. Im Jahr 1549 kam es darüber zu einem Streit mit der Familie von Wenckstern zu Kietz in der Lenzerwische, später zu Bochin. 1571 verkaufte die Familie von Wenckstern, die in diesem Jahr mit sechs Hufen auf der Feldmark Groß Warnow und einem halben wüsten Feld belehnt war,[3] dem von Winterfeld die halbe Feldmark Klein Warnow erblich; dieser Verkauf wurde 1578 von einem von Wenckstern zu Bochin angefochten, wobei die Rechtmäßigkeit durch von Winterfeld nachgewiesen wurde, da er die von Wencksternsche Hälfte seit über 40 Jahren wiederkaufsweise, nunmehr erblich besessen habe. Seitdem verfügte die Familie von Winterfeld zu Hünerland und Streesow (1576) beziehungsweise zu Dallmin (1686) über die halbe Feldmark samt der Schäferei „Aufm Sande“ (1670) und seit 1753 aufgrund des Erbzinskontrakts mit der Kammer (vgl. erster Anteil) über die gesamte Feldmark Klein Warnow nebst Vorwerk, Rittergut und Kolonie.[5]
15. und 16. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Klein Warnow wird im Mittelalter als Dorf erwähnt und war 1493 sowie 1495 wüst. Im Jahr 1542 wurde die wüste Feldmark von Bauern aus Reckenzin genutzt, die Abgaben an den Pfarrer in Groß Warnow entrichteten.[5] Er erhielt vier Scheffel Gerste von der wüsten Feldmark und besaß 1558 das Recht zur Holzung.[6] 1576 umfasste die Feldmark 12 Hufen, von denen der Amtsanteil von sechs Hufen gegen Zins an sechs Bauern aus Reckenzin überlassen war.
Im Jahr 1603 werden die Grenzen der Feldmark mit den angrenzenden Fluren Lehmkuhl, Groß Warnow, Mecklenburg und Reckenzin beschrieben. 1670 bestand auf der Feldmark eine zur Herrschaft Streesow gehörige Schäferei der Familie von Winterfeld, „aufm Sande“ oder Wendisch Warnow genannt, mit einer Nutzung von sechs Hufen. Die Feldflur war in drei Schläge gegliedert, unter anderem mit Flurstücken auf den Wischstücken, dem Werbende, den Schmal Eicken, der Dorfstätte, den Warnowschen Höfen, Klaßen und Breitestücken, daneben bestanden stark bewachsene Nebenfelder. 1686 ist die Schäferei erneut belegt; Ländereien waren an drei Bauern aus Reckenzin verpachtet, während der Amtsanteil der Feldmark auf sechs Bauern und Kossäten aus Reckenzin verteilt war.[5]
18. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1704 wird die Schäferei mit einem Schäferknecht erwähnt. Im Jahr 1753 erhielt die Familie von Winterfeld den königlichen Anteil von 772 Morgen (zu je 180 Quadratruten) erblich gegen Weiterzahlung der bisherigen Pacht. Zugleich wurden fünf auswärtige Büdner auf Kosten des Unternehmers angesetzt, verbunden mit Mühlengerechtigkeit, ausschließlicher Hütung auf den Pertinenzien der Etablierung sowie der niederen Gerichtsbarkeit über die Kolonie. 1754 bestand ein Vorwerk mit drei Büdnern; 1755 wurden zusätzlich zwei Kötter und zwei Bauern angesetzt. 1763 wird der Ort als Rittergut und Kolonie bezeichnet, 1772 sind sieben Kossäten nachgewiesen. 1791 umfasste die Siedlung ein Rittergut und eine Kolonie mit einem Bauern, sechs Kossäten, zwei Büdnern, drei Hausleuten sowie einem Verwalter und insgesamt zwölf Feuerstellen.[5]
19. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1801 wird Klein Warnow als Gut und Kolonie mit einem Ganzbauern, sechs Kossäten, zwei Büdnern und drei Einliegern bei zwölf Feuerstellen beschrieben. 1828 erhielt das Gut die Landtagsfähigkeit. 1846 zählte der Ort 21 Wohnhäuser. 1860 bestand einerseits ein Koloniedorf mit 22 Wohn- und acht Wirtschaftsgebäuden, andererseits ein Gut mit einzeln gelegenem Bahnhof und einem Nebenzollamt erster Klasse, das neun Wohn- und sechs Wirtschaftsgebäude umfasste.[5] Die Flächennutzung betrug 1860 im Dorf 392 Morgen (darunter 311 Morgen Ackerland) und im Gut 958 Morgen (darunter 828 Morgen Ackerland).[3]
20. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1900 wurden im Dorf 30 und im Gut drei Häuser gezählt; die Flächen umfassten 133 Hektar beziehungsweise 239 Hektar. 1907 lebten im Dorf unter anderem drei Kolonisten (mit 28, 20 und 20 Hektar), ein Halbkolonist (acht Hektar), ein Landwirt, mehrere Eisenbahnbedienstete sowie Postpersonal, während das Gut im Besitz von Hans Kratzenberg mit einem Statthalter war. Verwaltungsmäßig bestand Klein Warnow nach wie vor aus Kolonie- und Gutsbezirk, die 1928 vereinigt wurden; 1931 gehörten dazu die Wohnplätze Bahnhof Wendisch Warnow und Siedlung Wendisch Warnow. In dieser Zeit bestanden 39 Wohnhäuser bei einer Gesamtfläche von 372 Hektar. 1939 verzeichnete die Statistik land- und forstwirtschaftliche Betriebe verschiedener Größenklassen sowie Beschäftigte in Industrie, Handwerk, Handel und Verkehr; das Gut war inzwischen aufgesiedelt.[5]
1946 wurden im Zuge der Bodenreform 8,99 Hektar enteignet und auf einen Neubauern (6,13 Hektar) sowie Gemeinde und VdgB verteilt. 1959 gründete sich die erste LPG Heideland mit sieben Mitgliedern und 46,71 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. 1960 bestanden zwei LPGs vom Typ I (Heideland und Vereinte Scholle) mit zusammen 28 Mitgliedern und 274,86 Hektar, die 1968 zur LPG Heimatscholle zusammengeschlossen wurden. 1973 erfolgte der Anschluss an die LPG Typ III Prignitzland in Groß Warnow.[6] 1972 wurde der Ort nach Groß Warnow eingemeindet und ist seit 1973 sowie nach der Kommunalreform 1995 Ortsteil von Groß Warnow.
Bevölkerungsentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Einwohnerentwicklung in Klein Warnow von 1734 bis 1964 | |||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | 1734 | 1772 | 1791 | 1801 | 1817 | 1837 | 1858 | 1871 | 1895 | 1925 | 1939 | 1946 | 1964 | ||
| Einwohner | 15 | 56 | 69 | 69 | 85 | 116 | Dorf 124 und Gut 110 | 93 und 42 | 134 und 25 | 155 | 153 | 208 | 152 | ||
Kultur und Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Der Bahnhof Klein Warnow, bestehend aus Bahnhofsempfangsgebäude, Güterschuppen, drei Beamtenwohnhäusern, vier Nebengebäuden, Backofen und Pflasterung auf dem Vorplatz steht unter Denkmalschutz.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil 1 – Prignitz – A–M. Bearbeitet von Lieselott Enders. In: Klaus Neitmann (Hrsg.): Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Staatsarchiv Potsdam) – Band 3. Begründet von Friedrich Beck. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2012, ISBN 978-3-88372-032-6, S. 931 ff.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Auflistung als Ortsteil von Karstädt im Kommunalverzeichnis Brandenburg; abgerufen am 14. Mai 2026
- ↑ Klein Warnow, Brandenburgviewer, abgerufen am 24. Mai 2026.
- 1 2 3 Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 931
- ↑ Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 176, ISBN 3-937233-17-2.
- 1 2 3 4 5 6 Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 932
- 1 2 Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 933